Wie sieht das perfekte Stadion aus?

Das Stadion unserer Träume

Unsere Stadien werden immer austauschbarer, weil sie allein wirtschaftlicher Logik folgen. Doch wie würde ein Stadion aussehen, wenn es nur nach den Wünschen der Fans ginge? Wir haben es bauen lassen.

HH Vision
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»Guten Tag, wir würden gerne das Stadion unserer Träume bauen«, ist ein schöner Satz. Aber wenn man die wenigen Schritte vom Bahnhof Süd in Frankfurt zu einem der größten und renommiertesten Architektur- und Planungsbüros in Deutschland gegangen ist und im Besprechungsraum in der dritten Etage Platz genommen hat, klingt er wie eine tolldreiste Anmaßung. Bei AS & P – Albert Speer & Partner – werden Millionenstädte in China entworfen und der Masterplan für die zukünftige Entwicklung von Köln. Hier wurden Planung, Vorkonzeption und Vergabeverfahren für die Allianz Arena in München organisiert und die Bewerbung für die Weltmeisterschaft in Katar. Derzeit läuft die Vorbereitung des Baus neuer Stadien für den Chemnitzer FC und Jahn Regensburg. Und zwischendurch sind wir an der Reihe, mit dem Bauauftrag für ein »11 FREUNDE-Stadion«.

Welchen Zauber haben die Hallen in Gelsenkirchen und Düsseldorf noch?

Aber was fehlt eigentlich, wo ausländische Fußballfans uns um die deutschen Stadien doch angeblich so beneiden? Welche Träume sind unerfüllt? Und warum machen die arrivierten Architektur-Profis mit, die doch Gelegenheiten genug haben müssten, all ihre Vorstellung gebaut zu sehen. Eine Antwort darauf lieferte indirekt der englische Stadionhistoriker Simon Inglis schon vor fast 20 Jahren. »So viele verschiedene Formen und Größen. Kein Wunder, dass viele Fußballfans vor Erwartung zu zittern beginnen, wenn ein neues Stadion am Horizont sichtbar wird. Diese Begeisterung, wenn man sich dem Stadion erstmals nähert, zunächst ruhigen Schrittes, der aber immer schneller wird, je näher der Eingang kommt«, schwärmte Inglis in seinem Standardwerk »The Football Grounds of Great Britain« über ein Gefühl, das Fans nicht nur in England kennen.

Doch so komfortabel, technisch raffiniert und optisch beeindruckend viele seither gebaute Stadien sind, die von Inglis beschworene Aufregung ist verflogen. Es sind nämlich nicht mehr viele Formen, die einen erwarten. Denn was unterscheidet etwa die Stadien in Frankfurt und Hamburg eigentlich noch wirklich voneinander – außer dem Videowürfel über in Frankfurt? Was Dresden von Aachen oder Hoffenheim, was Duisburg von Wolfsburg? Welchen Zauber haben die Hallen in Gelsenkirchen und Düsseldorf noch? Die wenigsten neuen Stadien haben noch die exzentrischen Eigenarten eines zwar seltsamen, aber geliebten Freundes, sondern sind funktionale Veranstaltungsmaschinen geworden und heißen jetzt Arenen. Austauschbar ist die Einteilung der Bereiche von den gepolsterten Business Seats auf der Haupttribüne bis zu den Stehplätzen der Gästefans irgendwo in der Ecke. Und selbst am Würstchenstand gibt es nichts mehr zu entdecken, wenn in Dortmund, Berlin, Nürnberg und wo auch immer noch die Produkte von der gleichen Cateringfirma kommen.

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