Wie sich Fußballfans gegen Rechts positionieren

Kein Platz für Nazi-Idioten

Der braune Mob marodiert durch sächische Kleinstädte und hetzt im Internet gegen Flüchtlinge. Gut, dass zahlreiche Fußballfans diesmal den Mund aufmachen.

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Anfang der neunziger Jahre war das Volksparkstadion ein kalter Ort. Am Fuße der Fanblocks E und F stand damals ein brauner Mob von Neonazis und anderen Unsympathen, und die meisten sahen tatsächlich aus wie aus einem Nazi-Klischee-Katalog herausgeschnitten: Glatze, Bomberjacke und weiße Schnürsenkel in den Springerstiefeln.

Wenn Souleyman Sané Tore gegen den HSV schoss, drehten diese Idioten regelmäßig durch, schwenkten ihre Reichskriegsflaggen und warfen Bananen. Und wenn nach einem stakkato-artigen Klatschen der Schlachtruf »Sieg« erklang, hallte von dort ein kräftiges »Heil« hinterher. Wobei, wenn man genauer hinhörte, konnte man dieses »Heil« auch von anderen Seiten in den Blöcken vernehmen.

»Hamburg hat keinen Platz für Nazi-Idioten«

Die Sache war nur: Bis Mitte der Neunziger machte sich beim HSV kaum jemand die Mühe, genauer hinzuhören oder hinzusehen – am allerwenigsten der Verein selbst. Dirk Jora, Sänger der Punk-Band Slime, hatte auch wegen dieses braunen Sumpfes kapituliert. Anfang der Achtziger besang er seinen HSV noch in einem Lied, wenige Jahre später tauschte er die Raute gegen einen Totenkopf und ging fortan zum Millerntor: »Wenn der common sense in einem 50.000er Stadion rechts bis rechts-außen ist, was willst du da mit 30 Leuten machen?«, fasste er die Stimmung im Volksparkstadion mal in einem Interview zusammen.
 
Etwa 30 Jahre später, beim ersten Heimspiel der Saison 2015/16 gegen den VfB Stuttgart, hängt am Zaun der HSV-Fankurve ein Banner, das sich gegen eine Demonstration in der Hansestadt richtet. Darauf steht: »12.09. – Tag der Patrioten. Hamburg hat keinen Platz für Nazi-Idioten«.
 
Es ist nicht das erste Mal, dass sich HSV-Fans so deutlich gegen Rechts positionieren. Als 2010 zum Beispiel die NPD einen neuen Versuch wagte, zurück ins Volksparkstadion zu drängen, hängten die Anhänger ebenfalls einen Banner an den Zaun: »NPD fuck off! Wir scheißen auf euch und eure Solidarität!«

»Festung Europa, Brandstifter überall, Rassismus tötet«
 
Das Banner zum »Tag der Patrioten« erscheint, wenngleich die Fans damit eine regionale Veranstaltung thematisieren, allerdings noch relevanter. Es reiht sich ein in zahlreiche Fan- und Ultra-Statements, in denen wieder vermehrt Bezug genommen wird auf das, was in Heidenau von linken Gegendemonstranten vor einigen Tagen als »Es ist deutsch in Kaltland« beschrieben wurde und nimmt so direkt oder indirekt Bezug auf »Hogesa«, »Pegida«, Dresden, Freital, Heidenau und den ganzen Rattenschwanz.

Man liest in den Stadien und Fankurven auf Bannern Sätze wie »Refugees welcome« oder »Kein Mensch ist illegal«. In Düsseldorf, Mönchengladbach, in Heidenheim, in Darmstadt, auf St. Pauli sowieso. Im Westfalenstadion hängen Plakate, auf denen steht »Keine Bühne für Nazis«. In München kann man lesen: »Festung Europa, Brandstifter überall, Rassismus tötet«. Unvorstellbar Anfang der Neunziger, als Fans mit Sprechchören wie »Asylanten! Asylanten!« die gegnerischen Anhänger oder Spieler beleidigten – und sich niemand daran störte.

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