07.11.2012

Wie sich ein Fan beim »Finale dahoam« auf den Rasen schlich

Die lange Nacht der Badelatschen

Moritz hatte kein Ticket für das Champions-League-Finale dahoam am 19. Mai 2012 in München. Am Ende stand er mit Fernando Torres und Juan Mata auf dem Rasen der Allianz Arena und feierte den Titelgewinn des FC Chelsea. Wie es dazu kam, erzählt er hier.

Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
Imago

Manche Familien fahren einmal im Jahr gemeinsam in den Harz, schließen sich in einer Hütte ein und lassen sich mit Schierker Feuerstein volllaufen. Ein Albtraum für so manchen, doch so ein paar Tage mit Mama, Papa, Schwester, Onkel stärken den Zusammenhalt, sagen Fachmänner. Andere treffen sich traditionell zum Segeln auf dem Bodensee oder zum Achterbahnfahren in einem abgehalfterten Freizeitpark. Die Familie von Moritz ist anders. Einmal im Jahr packen sie ihre Sachen und fahren gemeinsam zum Champions-League-Finale! London, Madrid, Rom, dazu die besten Fußballer der Welt, diese Art des Familienausflugs nennen andere einen Traum. Im Mai 2012 plante seine Familie also eine Reise von Vechta zum »Finale dahoam« nach München. Das Problem: Sie hatten keine Karten für die Allianz Arena. Die Familie fuhr trotzdem los. Moritz ahnte nicht, dass er in ein paar Tagen mit der Mannschaft des FC Chelsea auf dem Rasen der Allianz Arena feiern würde. Doch alles der Reihe nach.

Zehn Euro, bestens investiert

In München angekommen strahlte der Himmel blau und die Stadt in rot und weiß. München hatte sich herausgeputzt, denn nicht nur das Finale der Herren stand bevor, sondern auch das Champions-League-Endspiel der Damen machte Halt im Freistaat. »Wenn wir schon kein Ticket für die Männer hatten, wollten wir wenigstens ein Finale live im Stadion sehen«, erinnert sich Moritz. Am Freitag ging er also mit seinem Cousin und einem Freund zum Münchener Olympiastadion. Vor dem Stadion stellen die drei erstaunt fest, dass Tickets für dieses Spiel äußerst billig zu schießen waren. Schmale fünf Euro verlangte der Veranstalter für den Eintritt. Allerdings zog sich die Schlange vor dem Billig-Ticketschalter ins Endlose. Doch was war das? Eine andere Kasse war quasi menschenleer. Kein Wunder kostete der Eintritt hier doch zehn Euro. Das Argument, dass man für diesen Preis auf der Haupttribüne sitzen könne, überzeugte Moritz und Co. Da zahlt man gerne etwas mehr. Eine Entscheidung, die sich noch auszahlen sollte.

Anpfiff im Olympiastadion. Und schnell setzte Ernüchterung ein. Denn das Duell Frankfurt gegen Lyon entpuppte sich als äußerst einseitig, bereits zur Halbzeit stand es 2:0 für die Französinnen und die Damen vom Main erweckten nicht den Eindruck, als würden sie noch zu einem Wunder fähig sein. Es blieb also ausreichend Zeit, sich etwas auf der Tribüne umzusehen. Plötzlich entdeckten die drei Jungs Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der sich auch noch für einen Schnappschuss in Pose warf und anschließend schnurstracks und den VIP-Bereich entschwand.

Die Jungs beobachteten, dass die Kontrollen vor der Bussi-Bussi-Area alles andere als strikt waren und schlichen sich heimlich hinter Hoeneß hinterher. Und tatsächlich: Sie waren im gelobten Land. »Wir genossen alle Vorzüge, haben lecker gegessen, ein paar Bier getrunken und sogar Fotos mit Giovanne Elber, Karl-Heinz-Rummenigge und Schiedsrichter Pierluigi Collina gemacht«, erinnert sich Moritz. Mit gespielter Selbstverständlichkeit strichen die drei durch den Exklusivbereich und wunderten sich kaum noch, dass niemand sich für ihre nicht vorhandenen VIP-Pässe interessierte. Erst nach etwa einer Stunde kam dann doch ein freundlicher Herr mit breiten Schultern und fragte nach der Zugangsberechtigung. Das Ende eines wunderbaren Abends. Beim Verlassen des Stadion fragten die drei Jungs einige Mitarbeiter, ob sie vielleicht ihre Champions-League-Ausweise entbehren könnten. Schließlich braucht man für so einen Abend ein Andenken. Die Mitarbeiter willigten ein.



Nach einer Nacht voller Heldengeschichten hängten sich Moritz und seine Freunde auch am nächsten Tag ihre ergatterten Ausweise um und pilgerten erneut zum Olympiastadion. Schließlich sollte hier ein großes Public Viewing für das »Finale dahoam« stattfinden. Doch vorher stand noch der Altherrenkick »Spiel der Legenden« auf dem Programm. Und siehe da, die Pässe vom Vorabend öffneten auch am Finaltag alle Türen. Plötzlich stand Moritz im Innenraum des Olympiastadions, machte ein Foto mit Zé Roberto und merkte, dass sein Handy im Sekundentakt piepte.  Und noch einmal. Und noch einmal. Er schaute auf das Display und las: »Alter, Du bist im Fernsehen!« Moritz war live in Sat.1 zu sehen. Was dann folgt liest sich wie das Protokoll eines Märchens:

 
 
 
 
 
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