Wie sich die Fans des FC Portsmouth ihren Klub kauften

It's ours

Zwei Insolvenzen und ständige Besitzerwechsel waren genug: Im April kauften die Fans des Portsmouth FC ihren Klub zurück. Sie wollen der Gegenentwurf zur durchkommerzialisierten Premier League werden.

Chris Gloag / Imago
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18 Monate nach der Übernahme durch die eigenen Fans ist der in die Viertklassigkeit abgerutschte FC Portsmouth schuldenfrei. Wir haben die Fans des Klubs im Herbst 2013 besucht. Lest hier unsere Reportage aus 11FREUNDE#144

Die Ratten haben Portsmouth ver­lassen. Und Iain McInnes sitzt im Bauch des Fratton Park und fummelt am Pin seines Tweed-Jacketts herum. Darauf steht: »The 12th man«, so nennen sich die Fans des Portsmouth FC. Hinter ihm erinnern Fotos an die große Historie des Klubs. Die Meistermannschaft von 1949. Sol Campbell mit dem FA Cup 2008. Seit dem Finale sind knapp fünf Jahren vergangen. Und doch ist es Lichtjahre entfernt. Ein anderes Bild zeigt den Fratton Park im August 2013. 10 000 Zuschauer formen bei der Saisoneröffnung in der vierten Liga aus blauen und goldenen Schildern ein übergroßes Wort: »Ours!« Iain McInnes ist seit 54 Jahren Fan von Pompey, nun ist er der Präsident. Im April haben die Fans den Verein gekauft. Für vier Millionen Pfund. »Unser Traum ist wahr geworden«, sagt er. »Erst haben wir die Ratten vertrieben. Dann haben wir die Teepreise gesenkt.« Was für ein Coup. Er muss grinsen.

Seit Jahren ist der Fratton Park rattenverseucht. Die Hygiene wurde mehrfach als bedenklich eingestuft. Also bestellte McInnes, der Millionen mit Elektroartikeln verdient hat, die Kammerjäger, ließ die Kiosk-Technik austauschen, Toiletten renovieren. »Die Fans sollten merken, dass ab sofort zuerst an sie gedacht wird«, sagt er. Nach 14 Tagen war das Areal an der Frogmore Road endlich dekontaminiert. Um das hartnäckigere Ungeziefer aus dem Klub zu vertreiben, mussten McInnes und seine Mitstreiter zuvor jedoch schwerere Geschütze auffahren.

Windige Investoren und Fake-Scheichs

Durch Verbindlichkeiten in Höhe von 135 Millionen Pfund musste Pompey in den vergangenen Jahren zwei Konkurse überstehen. Der Klub stürzte von der Premier League in die vierte Liga, wurde mit einem Transferembargo belegt. Vor allem die windigen Klubbesitzer, deren Geschichte sich wie ein mieser Mafia-Roman liest, schafften es, den Verein quasi im Alleingang zu ruinieren. Der Erste, Milan Mandaric, landete während seiner Amtszeit wegen Korruption und Betrugs im Gefängnis. Sein Nachfolger Alexander Gaydamak, Sohn eines illegalen Waffenhändlers, kaufte eine komplett neue Mannschaft, verlor jedoch wenig später all sein Geld durch die Finanzkrise und hinterließ 70 Millionen Pfund Schulden. Auf ihn folgte Sulaiman Al-Fahim aus Dubai, der den Klub für ein Pfund kaufte. Sein Versprechen, sämtliche Schulden zu übernehmen, blieb unerfüllt. Stattdessen geriet er nach nur 43 Tagen in eine Prügelei mit aufgebrachten Fans, wurde über einen Parkplatz gejagt – und kam nie mehr zurück. Das Pfund hat er bis heute nicht überwiesen.


Schließlich kam Ali »Al Mirage« Al-Faraj, dessen wahre Existenz bis heute ungeklärt ist. In Portsmouth wurde er nie gesehen, und alles, was von ihm bleibt, ist lediglich ein unscharfes Foto und ein Zitat, das die Illusion zerstörte, ein schwerreicher Mann würde Pompey vor dem Untergang retten: »Ich bin kein Milliardär. Ich habe den Klub nur gekauft, weil ich ein Investment suchte«, sagte der Saudi 2009 zu einem Journalisten. Aber er soll ohnehin nur Strohmann für Balram Chainrai gewesen sein. Der Geschäftsmann aus Hongkong übernahm den Klub erstmals 2009. Seine zweifache Regentschaft wurde vom mittlerweile per Haftbefehl gesuchten Bankbetrüger Wladimir Antonow unterbrochen, den Chainrai als Statthalter eingesetzt hatte. Es war, als versprühe der Fratton Park einen seltenen Lockstoff, der halbseidene Gestalten magisch anzieht.

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