Wie sich das Geisterspiel unterwandern lässt

Aus den Augen, noch im Sinn

St. Pauli droht gegen Werder Bremen eine Geisterkulisse. »Es wäre bedauerlich, wenn wir in so einem wichtigen Spiel ohne Fans auskommen müssen«, sagt Holger Stanislawski. Müssen sie nicht! Wir testen, wo man am 23. April etwas mitbekommt. Wie sich das Geisterspiel unterwandern lässt

1. Riesenrad

Der Hamburger Dom, das große Volksfest auf dem Heiligengeistfeld, wurde bisher nur nach den Spielen von Fans frequentiert. Das dürfte sich ändern. Derweil ein gehetzter Blick aus der Achterbahn die fünf Loopings nicht lohnt, ist das Riesenrad eine Reise wert. In 55 Meter Höhe sind drei Viertel des Spielfeldes einzusehen. 42 Gondeln gibt es, in jede passen sechs Personen. Für fünf Euronen dreht das Rad zwei gemächliche und drei schnelle Runden, die Fahrt dauert knappe sechs Minuten. Adam Riese, neuer Redaktionspraktikant, multipliziert blitzschnell: 87,50 Euro für die gesamte Partie inklusive Halbzeitpause! Aufgerundet 90. Doch Obacht, die Betreiberfamilie erwartet einen Ansturm. Wer sich also einen Platz in den verglasten Kabinen gesichert hat, sollte diesen in bester Strandtuchmanier nicht mehr hergeben. Witzige Fans fragen schon: »Hat das Riesenrad eine Notbremse?«

2. Bunker

Fanforen rufen zum »Sturm auf den Bunker« auf. Das »Terrace Hill«, ein Club im fünften Stock des grauen Riesen, hofft auf den Reibach der Saison. Zwar ist das eine Tor nicht einzusehen, die Reaktionen der Trainerbänke dürften aber ausreichend Aufschluss über den Spielverlauf geben. Zu sehr um drei Ecken gedacht? Der Flakbunker hat dem Riesenrad immerhin auch preisliche Vorteile voraus: Schon mit einigen Bieren an der Bar ist die Kaufschuld erbracht. Als Ersatz für stadiontrainierte Kettentrinkerei geht das natürlich nicht durch.

3. Räuberleiter

Früher saßen die Kibitze noch in den Bäumen, seit dem Umbau aber ist das Millerntor von außen kaum noch einsehbar. Der alte Ferienlagerkniff, die Räuberleiter, scheidet aus – es sei denn, jemand glaubt an eine braun-weisse Menschenpyramide auf dem Klohaus, Ecke Gegengerade/Nordkurve. Aufwand und Ertrag stünden hier allerdings in sehr verzerrtem Verhältnis. Der Spalt zwischen den Tribünen lässt ein winziges Sichtfenster auf den Eckfahnenbereich. Nur unter absoluten Liebhabern als spannendste Spielfeldzone anerkannt!

4. Security

Im Stadion trotz Zuschauerausschluss, wie geht das? Antwort: Gar nicht! Listige Fans, die sich als trojanisches Pferd ins Millerntor zu schleichen gedenken, sind chancenlos. Der Sicherheits-Service Bergroth stellt die Ordner, setzt aber auf bewährte Kräfte aus der hauseigenen Personalkartei. Es wird daher gebeten, von kurzfristigen Bewerbungen abzusehen.

5. Gegengerade

Nichts fürs Auge, viel fürs Ohr. Die Gegengerade, ein aus Holz, Plastik und Stahl zusammengenietetes Relikt, blieb bis heute vom Stadionumbau verschont. Fans rufen zur großen Versammlung hinter der Tribüne auf, um von hier tausendfach Gesänge durch die löchrige Konstruktion gen Rasen zu schicken. Zwanzig Meter Luftlinie trennen den schmalen Weg vom Spielfeld. Eine interessante Aktion, irgendwo zwischen Flashmob, Botellón und Happening. Weil sich auch die ULTRAS – einst im Zwist mit der altgedienten »Singing Area« gen Südkurve normadiert – angekündigt haben, drohen allerdings faninterne Streitigkeiten.

6. Helikopter

Im Helikopter zum Spiel, da werden Erinnerungen an »Firlefranz« Beckenbauer und »Mad« Jens Lehmann wach. Die Luxusvariante zum Geisterspiel ist wohl eher was für Logenbesitzer und VIP-Edelfans. Seit das DFB-Urteil bekannt wurde, herrscht in Hamburg großer Preiskampf. Der »Hanseatic Helicopter Service« nimmt für 30 Minuten 159 Euro, die Kollegen vom »Heli Trans« wollen 129 Euro, fliegen aber auch nur 20 Minuten. Noch kostspieliger wird es, wird man einen Heissluftballon chartert. Zudem sollte der gemeine St. Pauli-Anhänger immer an ein Fernrohr denken. Um ins Stadion zu spähen und – angesichts der Tabellensituation – den Rest der Liga nicht aus den Augen zu verlieren.

7. SKY

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