Wie schlägt man eigentlich Spanien und Brasilien?

Auf einem fliegenden Teppich

Wie kommt Löw an seinen ersten dicken Fang? Wie kann man Spanien und Brasilien schlagen? Welche Mannschaften liegen den Deutschen? Bis zum ersten WM-Spiel der DFB-Elf stellen wir die elf wichtigsten Fragen. Heute: Die Fragen 3 und 4.

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151

3.
Wie schlägt man eigentlich Spanien? Und wie danach Brasilien?


Gut, dann gehen wir mal davon aus, dass die deutsche Mannschaft in der Vorrunde die richtigen Antworten darauf gefunden hat, wie man Portugal, Ghana und die USA schlägt. Obwohl die alle verdammt ambitioniert nach Brasilien fahren, wie man auch in diesem Heft ausführlich nachlesen kann. Und nehmen wir mal an, dass Joachim Löw und seinen Jungs im Achtelfinale auch was zu Russland, Belgien oder Südkorea einfällt. Doch bei der Frage, wie man Spanien schlägt, puh, da wird es kompliziert.

Normalerweise wäre es hilfreich zu schauen, wie das die anderen gemacht haben. Das Problem hier ist allerdings, es gibt kaum andere. Spanien hat seit der verblüffenden 0:1-Niederlage gegen die Schweiz in der Vorrunde der WM 2010 in Südafrika von 32 Pflichtspielen genau eines verloren: das Finale des Confed-Cups mit 0:3 gegen Brasilien. Sonst gab es Ende letzten Jahres noch ein schlaffes 0:1 in Südafrika und ein paar weitere Niederlagen in Freundschaftsspielen, die noch weiter zurückliegen. Kurzum: Es gibt keine wirklichen Erfahrungswerte, sondern allenfalls theoretische Überlegungen, wie man Spanien besiegen könnte. Eine wäre, es wie Real Madrid im Halbfinale der diesjährigen Champions League gegen den FC Bayern München zu versuchen bzw. wie die Münchner im Halbfinale der letztjährigen Champions League gegen den FC Barcelona.

In beiden Fällen durfte der Gegner den Ball gerne ungefährlich vor sich hinkombinieren, selber wurde bei Ballbesitz blitzartig umgeschaltet. Spieler wie Marco Reus, André Schürrle und vielleicht auch André Hahn haben das Tempo dafür, Thomas Müller den anarchischen Geist, und Leute wie Mesut Özil, Toni Kroos und Bastian Schweinsteiger können sie in Position bringen. Aber ehrlich gesagt: So überzeugend das klingt, es ist auch ganz schön theoretisch.Im Fall von Brasilien hingegen gibt es keine so erdrückende Statistik, dennoch ist die Sache nicht minder kompliziert. Derzeit plagen sich die Gastgeber mit dem klassischen Gastgeberproblem herum, vier Jahre lang nur Freundschaftsspiele absolviert zu haben, sieht man vom Confed-Cup ab. Das macht die ganze Spielerei zu einer etwas unbefriedigenden Trockenübung und zugleich einem Dauercasting, weil jeder Spieler natürlich bei der WM im eigenen Land unbedingt dabei sein will.

Wer für Brasilien spielt, und wie sie das tun, wird aber genau dann klar sein, wenn Deutschland und Brasilien aufeinandertreffen sollten. Denn das ist frühestens im Halbfinale möglich. Würde die deutsche Mannschaft dort jedoch auf die Seleção treffen, ist diese bedauerlicherweise längst auf einem fliegenden Teppich unterwegs, berauscht von den gleichen Glückshormonen, die bei der WM 2006 in Deutschland fürs Sommermärchen sorgten. Die Brasilianer wären dann nämlich aus der Vorrunde ins Achtel- und über das Viertel- bis ins Halbfinale geflogen, und die Deutschen müssten bereit sein, die größten Spaßverderber in der jüngeren Geschichte des Weltfußballs zu werden.

Denn alle Welt liebt natürlich Brasilien, wegen Jogo Bonito und dem ganzen Kram, und weil das so gelb-grün romantisch ist. Weshalb es jeder Brasilien auch gönnen würde, in Brasilien den Titel zu gewinnen. Die ganze Welt gegen sich zu haben, muss man aber erst einmal aushalten. Wobei: Die Rolle als Party Pooper kann natürlich auch Spaß machen, es gibt sogar Spezialisten dafür. Ein kurzfristiger Trainerwechsel wäre dazu allerdings notwendig: José Mourinho würde das lieben.

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