Wie Schalkes Trainer Facebook entdeckt

Die neue Fannähe des Felix Magath

Fans? Emotionen? Für Felix Magath nichts weiter als schnödes Beiwerk, glauben die Kritiker. Doch nun geht der Trainer in die Offensive: Er meldet sich bei Facebook an und demonstriert Volksnähe. Wie das geht, erklärt er in einem Video. Wie Schalkes Trainer Facebook entdecktimago

Als Mark Zuckerberg noch nicht geboren war, herrschte Anarchie auf den Straßen. Da stürmten Fußballanhänger und Schlachtenbummler zu Autogrammstunden mit Kevin Keegan ins örtliche Autohaus, sie drängelten in den Kegelverein um die Ecke, wo sich Dirk Hupe oder Horst-Dieter Höttges zu einen Plausch bei einem kühlen Blonden angekündigt hatten und sie verfielen in Hysterie, weil Spieler und Trainer mit einem Mal den Geruch der Kurve entdeckten und sich im Bad der Menge Schals, Fahnen oder andere Mitbringsel umwarfen. Noch heute peitschen übereifrige Fußballer am Zaun gerne den Block an – in der rechten Hand das Megafon, in der linken das Textblatt vom Capo. Das geht übrigens nicht immer gut (vgl. Gerhard Tremmel).

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Seit Mark Zuckerberg Facebook erfand, ist die Welt aber wieder in Ordnung. Wir sind plötzlich wieder wer – wenn wir überhaupt jemals jemand waren. Und wenn wir auch alleine sind, sind wir viele. So ist Facebook das ideale Werkzeug des Profifußballers, der zwischen Couch und Trainingsplatz und Couch kaum noch Zeit hat für reale soziale Kontakte, Meet&Greets oder den kurzen Schnack in der aufgeheizten Stimmung nach dem Spiel. Niemand muss mehr aus dem Haus gehen, um den Fans mitzuteilen: »Wiener Schnitzel: Gefällt mir!« Niemand muss den beschwerlichen Weg zum Kegelklub auf sich nehmen, um den schier unendlichen Wissensdurst der Anhänger zu stillen: »Ich bin Fan von: Hunden, Chillen und Playstation«.

Mario Basler war von Anfang an dabei. Und er schöpfte die Möglichkeiten des sozialen Netzwerkes vollends aus. In sein Profil schrieb er an einem Tag Andeutungen (»mädels das ist ein rock«), an einem anderen kommentierte er sein Fernsehprogramm (»geile szene jetzt mit der schnecke«). Seine Freunde Peggy Schwitz und Gerd Einhaus antworteten »Du schaust es auch... ich fasse es nicht...«  oder sie zauberten mit Satzzeichen einen Smiley auf den Bildschirm. Es war alles geklärt. Wer brauchte noch Autohäuser?

Magaths offener Brief
: 573 Personen gefällt das

»Fußball«, sagt Facebook-Neuling Felix Magath nun in einem Video und hebt die Hand. »Fußball. Da kann ja jeder mitreden. Da ist ja immer was los.« Der geneigte Zuschauer mag nun eine Brandrede erwarten, ein Manifest, wenigstens aber doch Konfetti von der Seite und Partyhüte von oben. Da ist schließlich immer was los beim Fußball. Doch nein, Felix Magath hat ein Lehrvideo gedreht, in dem er sein eigener Schüler ist. Er sitzt einfach nur da und erklärt sich und uns – von denen er sich eigentlich entsagt hatte –, was dieses neue Medium Facebook kann. Gemeinsam, wie weiland Arm in Arm am Zaun des Fanblocks, tauchen wir ein in diese geheimnisvolle Welt. Dann meldet sich der Lehrer an und schreibt den Schalker Fans einen Brief. Einen offenen Brief. 

Liebe Schalker,

mit der Anmeldung auf facebook betrete ich ein neues Spielfeld. Ich freu' mich auf zahlreiche Beiträge und einen regen Austausch!

Felix Magath


Nun, nach 22 Stunden, »gefällt das« 573 Personen. Nach 22 Stunden haben 324 Menschen auf diesen Brief geantwortet. Fonso Maroni schreibt: »Hallo Felix, du bist lieb!«. Und Kinga Demiri versucht sich mit einem kumpeligen »Höey Felix :) Meeeensch was geht ab ? ;D Liebe Grüße K!nga ;)« Nach 22 Stunden hat der Meeeensch Fel!x immer noch nicht geantwortet. Schade. Bzw. :(

Doch geht es ihm offenbar blendend. Felix Magath sitzt an einem Schreibtisch und es sieht ein bisschen so aus, als habe er eben erfahren, dass sämtliche Besuche in Autohäusern, fanbeklubbten Vereinsheimen und bei Podiumsdiskussionen mit den kritischen Anhängern für immer aus seinem Terminkalender gestrichen wurden. Die Fannähe ohne Nähe beginnt in diesem Moment. Dann, am Ende des Videos, grinst er wissend. Vermutlich drückt er einen Knopf – »Gefällt mir.«


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