Wie Schalkes Max Meyer seinen Kurzeinsatz nutzte

Der 15 Millionen-Pass

Max Meyer trug am Dienstagabend wesentlich zum Schalker Champions-League-Einzug gegen PAOK Saloniki bei. Dabei stand der 17-Jährige gerade mal acht Minuten auf dem Feld.

Das Gesicht von Schalkes Trainer Jens Keller zeichnen derzeit einige Sorgenfalten. »Unser Kader ist klein – aktuell haben wir ohne die Langzeitverletzten (Annan, Papadopoulos und Obasi, d. Red.) 20 Feldspieler«, klagt Keller. Diese Zahl ist für einen Bundesliga-Kader mit gehobenen Ansprüchen und Dreifachbelastung in der Tat niedrig. Mit einem Ersatz für Michel Bastos, überraschend in die Vereinigten Arabischen Emirate transferiert, wäre der Trainer der »Knappen« derzeit schon zufrieden. Die Planstelle im linken Mittelfeld sollen laut Medienberichten Gheorghe Grozav vom Petrolul Ploiesti (Rumänien) oder Valentin Stocker vom FC Basel einnehmen.

Sportdirektor Horst Heldt teilt Kellers Einschätzung, muss allerdings den finanziellen Rahmen im Auge behalten. »Wir werden nach den Champions-League-Spielen eine Entscheidung über Neuzugänge treffen«, sagte er deshalb. Nun hat sich der FC Schalke am Dienstagabend für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert. In Saloniki gab es nach dem flauen 1:1 im Hinspiel ein zittriges 3:2. Auf der linken Seite agierte eher schlecht als recht ein Neuzugang aus Köln: Christian Clemens.

Einer der vier Ballkontakte ist 15 Millionen wert

Clemens musste nach einer Stunde Maximilian Meyer weichen. Einem 17-Jährigen Blondschopf, der das Spielgeschehen zu verdichten schien: In der 64. Minute sah Jermaine Jones seine zweite Gelbe Karte – Schalke geriet beim Stande von 1:1 in Unterzahl. Wiederum drei Minuten darauf trat Meyer den Beweis an, warum sich Trainer Keller nicht gescheut hatte, ihn zu bringen. Mit einem perfekt getimten Pass schickte er Julian Draxler auf den Weg zum 2:1 – und ging wieder vom Feld.

Nach kurzer Unterredung mit Keller an der Seitenlinie war Max Meyer bereit für seine Auswechslung, der Schalker Trainer brachte Roman Neustädter, Kategorie »Sicherheitsbeauftragter«. Meyer, Kategorie »Tempodribbler«, hatte mit einem seiner vier Ballkontakte das 2:1 vorbereitet. Einen Treffer, der spielentscheidend war. Einen Treffer, der Schalke die Champions-League-Gruppenphase und somit 15 Millionen Euro bescheren sollte. Meyer setzte sich auf die Bank, klatschte seine Mitspieler ab, nahm Glückwünsche entgegen. »Dass ich nur ein paar Minuten gespielt habe, ist nicht schlimm«, beteuerte er nach dem Spiel. »Hauptsache wir sind weiter.«

Wer ist dieser Meyer?

Meyer, Schüler der Schalker Akademie, bekam vor dieser Saison erste Anzeichen für seinen künftigen Stellenwert im königsblauen Kaderkonstrukt: Schalke ließ die Leihe des durchaus für gut befundenen Brasilianers Raffael auslaufen und Juniorennationalspieler Meyer wurde mit der Trikotnummer 7 ausgestattet. Die hatten zuletzt ein gewisser Raúl aber auch andere S04-Ikonen wie Stan Libuda und Rüdiger Abramczik getragen. Die Traditionsnummer hätte er nicht jedem gegeben, sagte Heldt. Aber zu Meyer passe sie »wie die Faust aufs Auge«. Der beste Spieler der U17-EM 2012 entstammt einer Generation, die für kontrollierten Fußball steht: Der 95er-Jahrgang, namentlich wären vielleicht noch Dortmunds Marian Sarr, der Neu-Leverkusener Levin Öztunali und Arsenals Serge Gnabry zu nennen, mag die einfachen Dinge des Spiels. Dieser Stil ist etwas weniger spektakulär, aber auch weniger instabil als der Fußball manch anderer DFB-Jahrgänge.

»Fußballerisch sehe ich mich hier mit einigen auf Augenhöhe«, sagte Meyer auf seiner ersten Pressekonferenz im Kreis der Profis im Januar. Sein Bundesliga-Debüt feierte Meyer einen Monat darauf mit einer Torvorlage in Mainz. Die vergangene Spielzeit schloss er mit sechs Profi-Einsätzen ab. »Max macht sich selbst den Druck, möglichst 34 Spiele zu machen. Und die von Anfang bis Ende«, erklärte Heldt den ehrgeizigen Emporkömmling.

Ein Jugendlicher in einer Schar labiler Erwachsener

Deutsche Nachwuchsfußballer müssen damit umgehen können, nach zwei gelungenen Auftritten zum neuen Götze oder Draxler hochgejazzt zu werden. Meyer bekam das Label – bei 21 Toren und 13 Assists in 29 Spielen wenig verwunderlich – bereits als A-Jugendlicher verpasst. Es hat ihm vermutlich nicht geschadet. Auf den ersten Blick mag er wie der unbekümmerte Lausbub wirken, doch auf dem Rasen haftet seinem Wirken und seiner Mimik nichts mehr von juveniler Unbedarftheit an.

Über Meyers Tauglichkeit gibt es keine zwei Meinungen, nur unterliegen seine Leistungen noch einigen Schwankungen. Aber wer will von einem Jugendlichen Konstanz erwarten, der von einer Schar labiler Erwachsener umgeben ist? Die offensive Mittelfeldreihe mit dem 17-jährigen Meyer und dem 19-jährigen Draxler, Champions-League-Wahrer von Schalke 04, wird es auch in Königsblau nicht mehr lange geben. In knapp drei Wochen haben beide Geburtstag. Meyer am 18. und Draxler am 20. September, einem speziellen Termin: Es ist der Weltkindertag.

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