Wie Rubin Kazan Dynamo Dresden foppte

Originale Fälschung

Die Freude im Trainingslager war groß: Dynamo Dresden hatte gegen den millionenschwere Mannschaft von Rubin Kazan gewonnen. Dachte man jedenfalls. In Wahrheit hatte Kazan Spieler eines russischen Zweitligisten in ihre Trikots gesteckt.

imago

Wer wird schon gerne verarscht?
 
Fußballfans jedenfalls nicht. Erinnern wir uns nur an die EM 2012, als die Uefa während des Spiels Deutschland gegen die Niederlande eine Szene in die Live-TV-Bilder einbaute, die einige Fans zunächst sehr amüsierte: Jogi Löw war dort zu sehen, wie einem Balljungen die Pille aus der Hand schlug. Die Sache war nur: Die Szene hatte sich vor der Partie abgespielt. Dementsprechend groß war die Empörung der Zuschauer. Was ist noch echt und live?
 
Oder neulich, als Marco Reus dem englischen »Mirror« sagte, dass er »niemals zum FC Bayern gehen« würde, weil Geld nicht alles sei. Die Fans jubelten beinahe zwei Tage lang, dann stellte sich heraus, dass Reus nie mit dem »Mirror« gesprochen geschweige denn diese Aussage getätigt hatte.
 
Auch Fußballer werden nicht gerne verarscht. Es gibt kaum einen Neuling, der nicht mal einen Platzhirschen getunnelt hat und danach vom Platz geflext wurde. Nicht ohne dass der Jungspund noch diesen Satz mit auf den Weg bekommt: »Willkommen im Profifußball!«

Der 1. FC Köln und der Fall Cebinac
 
Hat man solche Konflikte meistens schnell wieder vergessen, sind die Folgen bei Vereinen oft ein bisschen gravierender. In Perfektion führte zum Beispiel der Jugoslawe Zvezdan Cebinac den 1. FC Köln an der Nase rum. Der Bundesligist wurde Mitte der sechziger Jahre auf den genialen Regisseur von Roter Stern Belgard aufmerksam und lud ihn zu einem Probetraining ein. Cebinac kam, zauberte und die FC-Verantwortlichen legten ihm prompt einen Vertrag hin. Beim ersten Spiel erschien dann allerdings nicht Zvezdan Cebinac, sondern Srdan Cebinac. Zvezdan, der als talentierter galt, wollte seinem Zwillingsbruder zu einem Vertrag bei einem Bundesligisten verhelfen. Als die Sache aufflog, war es schon zu spät. Srdan Cebinac blieb eine Saison beim FC und absolvierte lediglich drei Spiele.

»Na, es geht doch aufwärts!«
 
Nun hat es auch Dynamo Dresden erwischt. Im türkischen Antalya vereinbarte der deutsche Zweitligist ein Testspiel gegen die russische Millionen-Mannschaft von Rubin Kazan. Dynamo glänzte und siegte 3:0. Gute Stimmung in der Kabine, gute Stimmung auch in der Heimat. Trainer Janßen sagte: »Ich bin positiv überrascht, wie das die Jungs heute nach der Trainingsbelastung hier gemeistert haben.« Und die »Sächsische Zeitung« jubelte: »Dynamo Dresden gewinnt erstes Testspiel gegen Rubin Kazan.« Auf einer Facebook-Fan-Seite des Klubs war die Freude ebenfalls groß: »3:0 schlägt die SG Dynamo Dresden den Champions League Teilnehmer Rubin Kazan. Geht doch!« Drunter feierten die Fans: »Na, es geht doch aufwärts!« oder sie mahnten: »Jetzt bloß auf dem Teppich bleiben und nicht abheben!«
 
Das mit dem Abheben hatte sich dann ziemlich schnell erledigt, denn nach und nach sickerten einige Informationen durch, die die Dresdener am Fairplay-Gedanken des Sports zweifeln lassen sollten.

War es wirklich die B-Elf?
 
Zunächst fragten Journalisten, wo denn die all die Superstars von Rubin Kazan waren. Der 15-Millionen-Mittelfeldmann Yann M'Vila zum Beispiel. Oder die venezoleanische Torgranate José Salomón Rondón. Trainer Olaf Janßen konnte das noch erklären: »Wir wollten ja nicht 0:10 untergehen, also haben wir uns gerne damit einverstanden erklärt, dass Kazan ein B-Elf spielen lässt.«
 
Doch war es wirklich die B-Elf von Kazan?

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