Wie René Adler ins Tor der Nationalelf zurückkehrte

Die Entdeckung der Leichtigkeit

Vor einem Jahr stand René Adler bei Bayer Leverkusen auf dem Abstellgleis. Jetzt ist der Keeper der einzige Konkurrent von Manuel Neuer. Die Geschichte einer Rückkehr.

René Adler ist ein sehr ehrlicher Mensch. Vor einiger Zeit saß er im ZDF-Sportstudio und strahlte eine Zufriedenheit und Freude aus, die so natürlich war, dass man sich ernsthaft fragen musste, ob dieser Mann tatsächlich Fußballprofi ist. Also einer, der in Medienschulungen lernt, dass er viel sprechen kann – und am Ende doch nichts zu sagen hat.
 
»Ich bitte Sie, meine Stimme zu entschuldigen, ich lag die Woche flach«, leitete Adler seinen Besuch ein. »Aber ich wollte so gerne mal wieder zu Ihnen kommen.« Dann applaudierte das Publikum, alle lachten ein wenig und Adler sprach all die Dinge an, die in den vergangenen zwei Jahren schlecht gelaufen waren. Er sagte: »Ich habe mich in dieser Zeit oft gefragt, was wäre, wenn der Fußball mal wegfallen würde.«
 
In dieser Zeit, zwischen 2009 und 2012, ging es René Adler nicht gut. Der Torhüter war gerade mal Mitte 20, doch man bekam den Eindruck, dass er von den jungen Wilden überholt worden war. Er wirkte wie einer einer, der zum alten Eisen gehört.

Der frühe Hype um Adler
 
Vergessen waren die Leistungen der Vorjahre. Das Spiel gegen Russland etwa, am 10. Oktober 2009, in Moskau, Luschniki-Stadion. Dieser Abend, an dem René Adler unbesiegbar war. an dem er alle Schüssen von Wladimir Bystrow, Yuri Zhirkov oder Andrei Arshavin parierte und der DFB-Elf zur WM-Qualifikation verhalf. Damals waren sie alle hinter ihm her. Klatschmagazine belagerten Vater und Mutter (»Nach dem Abpfiff musste ich dann erst mal eine Rotkäppchen-Flasche aufmachen«), die »Bild« »enthüllte« die »Psychotricks unserer neuen Nummer 1« und die Süddeutsche attestierte ihm das »Zeug zum Kahn«.
 
Vor dem Fernseher saß an jenem Abend auch sein Förderer Rüdiger Vollborn. Er kannte Adler lange. Er hatte ihn schon gesehen, als er mit 14 Jahren das Tor der B-Junioren von Bayer Leverkusen hütete. Vollborn war oft hin und weg, wenn er das Training verließ, und eines Abends, als Adler besonders gut gehalten hatte, kehrte Vollborn nach Hause und sagte zu seiner Frau: »Ich habe den kommenden Nationaltorwart gesehen.«

»Vielen geht es doch viel schlechter als mir«
 
Doch kurz nach der Nacht von Moskau verletzte sich der Torwart, er musste die WM in Südafrika absagen. Zunächst nahm er auch das gelassen hin. So schien es zumindest. »Vielen geht es doch viel schlechter als mir«, sagte er. Adler verbrachte seine Tage in der Reha, während die Medienkarawane weiterzog. Aus den Augen, aus dem Sinn.
 
Als er in Bayers Mannschaft zurückkehrte, stand da, zwischen den Pfoisten, ein anderer. Bernd Leno war 20 Jahre alt und man sagte auch von ihm, er sei der kommende Nationaltorwart. Adler war nunmehr kein Keeper, bei dem man über die Zukunft sprach. Man sprach über Vergangenes, doch vor allem über die Gegenwart. Und die sah nicht gut aus.

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