Wie reagiert die DFB-Elf auf die Hysterie in der Heimat?

Geschichte wiederholt sich

Vor dem entscheidenden Spiel gegen die USA werden in der deutschen Presse Spieler und Systeme in Frage gestellt. Doch wie begegnet die Nationalmannschaft der Hysterie im fernen Brasilien?

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An den gewohnten Abläufen wird sich auch vor dem dritten Gruppenspiel nichts ändern. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist schon gestern, wieder zwei Tage vor der Begegnung mit den USA, an den Spielort geflogen, sie wird heute in der Arena Pernambuco ihr Abschlusstraining bestreiten, und morgen wird Thomas Müller bei der Nationalhymne wieder kurz in die Kamera zwinkern. Der Offensivspieler konnte gestern Entwarnung geben: Müllers rechtes Auge ist rechtzeitig wieder fit geworden. Blinzeln ist möglich, »ohne dass ich Schmerzmittel nehmen muss«.

Es sah ziemlich wild und gefährlich aus, als Müller am Samstag im Spiel gegen Ghana quasi mit dem Schlusspfiff auf dem Rasen liegen blieb. Das Blut lief ihm übers Gesicht, nachdem er mit dem Kopf gegen die Schulter des Ghanaers John Boye gerumst war. Mit mehreren Stichen musste die Platzwunde genäht werden, die Spuren des Zusammenpralls und der folgenden medizinischen Operation sind auch ein paar Tage später noch zu sehen.

Der asymmetrische Blick

Müller blickt ein wenig asymmetrisch in die Welt. Aber was wild und gefährlich aussieht, muss nicht unbedingt wild und gefährlich sein. So wie das für Müllers rechtes Auge gilt, so gilt das auch für die Situation der deutschen Nationalmannschaft vor dem Gruppenfinale gegen die USA.

Unabhängig davon, dass die Chancen aufs Weiterkommen ausgesprochen gut sind, weil den Deutschen schon ein Unentschieden zum Gruppensieg reicht - in ihrem Camp an der brasilianischen Küste empfinden die Beteiligten auch die Aufregung um den Zustand der Nationalmannschaft als hemmungslos übertrieben. Die Wellen aus der Heimat sind natürlich auch an den Strand von Santo André geschwappt, aber die allgemeine Hysterie in beide Richtungen kontert die Nationalmannschaft mit offensiver Gelassenheit.

Plötzlich wird alles in Frage gestellt

Oliver Bierhoff, der Manager des Teams, verweist in dieser Angelegenheit auf seine langjährige Erfahrung. »Irgendwie wiederholen sich die Geschichten bei jedem Turnier«, sagt er. Ein gutes Spiel zu Beginn verführt die Nation zum Überschwang (»Was ist überhaupt mit dem Finale?«), bei einem schlechten bricht gleich der nationale Notstand aus.

Plötzlich wird alles in Frage gestellt, was vorher hymnisch gelobt wurde: Ist Philipp Lahm im defensiven Mittelfeld überfordert? Wäre er in der Viererkette nicht besser aufgehoben? Braucht man auf den Außenpositionen nicht doch ausgebildete Außenverteidiger? Wird Sami Khedira im Laufe des Turniers überhaupt noch richtig fit? Muss der Bundestrainer jetzt nicht endlich mit Miroslav Klose als klassischem Mittelstürmer spielen?

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