04.03.2013

Wie RCD Mallorca von der Europa League ins Abseits rutschte

Der 19. Bundesligist

Der deutsche Manager Utz Claaßen wollte den RCD Mallorca als 19. Bundesligisten inszenieren und zur Nummer Drei in Spanien machen. Jetzt steht der Klub vor dem Abstieg in die Bedeutlungslosigkeit. Ein Besuch am Abgrund.

Text:
Sebastian Stier
Bild:
Imago

Heute geht es wieder raus aufs Dorf. Immer Montags machen sich einige Fußballer des RCD Mallorca von Palma de Mallorca auf ins Hinterland der Insel, um dort die Fans zu besuchen. Der Ausflug ist Teil einer Imagekampagne, RCD sucht die Nähe zur eigenen Anhängerschaft. An den Spieltagen verlieren sich im Schnitt nur um die 13.000 Fans im Son Moix, das inzwischen den Namen eines Flugunternehmens trägt.

Das Zuschauerproblem ist nur eines von vielen, mit denen sich der spanische Erstligist dieser Tage herumschlägt. Der Klub befindet sich in großer Abstiegsgefahr, auch wenn der 2:1-Sieg vom Wochenende beim FC Granada wieder etwas Hoffnung geben dürfte. Es war der erste Erfolg nach zuletzt acht Spielen ohne dreifachen Punktgewinn. Mallorca bleibt dennoch Vorletzter der Primera Division, der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz beträgt vier Punkte.

Und wäre die sportliche Situation nicht schon kritisch genug, tobt in den Klubbüros ein erbitterter Rosenkrieg. Als Hauptfiguren stehen sich gegenüber: Der deutsche Manager Utz Claassen, ehemals bei EnBW, und Llorenc Serra Ferrer, derzeit Sportdirektor, Mitglied des Verwaltungsrats, Vizepräsident und Interimspräsident. Beides sind zudem wichtige Aktionäre, Claassen hält 20 Prozent an dem Verein, Ferrer schätzungsweise 45. So ganz genau weiß das wohl nur Ferrer, zu verworren sind die Besitzstrukturen. Der Zwist gipfelte im Dezember im Rücktritt von Präsident Jaume Cladera, der von Claassen vehement gefordert wurde. Wenig später wurde auch Trainer Joaquin Caparros entlassen. Als Nachfolger kam Gregorio Manzano. 
Für Utz Claassen ist die Personalie ein Skandal. »Laut Satzung hätte der Verwaltungsrat über den neuen Trainer entscheiden müssen. Das ist nicht geschehen. Ferrer hat Manzano in Eigenregie installiert, obwohl er dazu nicht berechtigt war.«

Wenig Feingefühl

Die Wahl von Manzano zeugt tatsächlich von wenig Feingefühl. Zur ersten Trainingseinheit des neuen Trainers rückten einige Fans mit Schmähplakaten an und protestierten vehement. Manzano, den den sie auf der Insel den Philosophen nennen, weil er sich gewählt ausdrücken kann und über keine Spielerkarriere im professionellen Fußball verfügt, war nämlich schon zwei Mal Trainer bei RCD Mallorca. Während seiner zweiten Amtszeit beschwerte er sich über die Fans. Die Leute würden am Sonntag lieber Paella essen gehen und auf ihren Fincas verweilen, als ins Stadion zu gehen. Geht es um Fußball, sei Mallorca ein schwer zu beackerndes Feld, sagte Manzano damals. Auch wenn er damit nicht ganz Unrecht hatte, mehr Anhänger dürfte der Trainer mit dieser Aussage nicht ins Stadion locken.

 
 
 
 
 
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