30.03.2012

Wie Pyrotechnik legalisiert werden könnte

Zündeln erlaubt

Seite 2/3: Die Situation in Norwegen
Text:
Ron Ulrich
Bild:
Imago

In der Mitteilung hieß es, dass eine sogenannte »Legalisierung« von Pyrotechnik nicht in Frage komme. »Bestätigt wird das Verbot durch ein vom DFB-Präsidium in Auftrag gegebenes unabhängiges Rechtsgutachten.« DFB und DFLbekräftigten in der Folge immer wieder ihr kategorisches Nein, so bleibt das Abbrennen von Pyrotechnik in deutschen Stadien verboten. Hendrik Große Lefert, der Nachfolger von Helmut Spahn als Sicherheitsbeauftragter des DFB, sagte im Januar gegenüber 11 FREUNDE: »Man hat sich dazu entschlossen, keine Experimente durchzuführen und sich für die Sicherheit entschieden. « Von einem Ende der Diskussion allerdings kann keine Rede sein.

Denn das angesprochene Rechtsgutachten, auf das die Verbände ihre Ablehnung stützen, bestätigt zwar das Verbot, nennt aber auch mögliche Ausnahmeregelungen.

Es erklärte, dass Pyrotechnik unter bestimmten Bedingungen zulässig wäre.

Diese Passagen wurden von den Verbänden verschwiegen - zum Ärger der Fan- Initiative »Pyrotechnik legalisieren - Emotionen respektieren«. »Genau jene Bedingungen aus dem Gutachten hatten wir dem DFB bereits vorgeschlagen«, sagt Anke Wiedenroth, eine Sprecherin der Initiative.

Ein dicker Katalog - aber möglich

Die Fan-Organisation wird von über 100 Ultra-Gruppierungen in Deutschland unterstützt und setzt sich für ein legales Abbrennen von Pyrotechnik ein. Dabei distanziert sie sich ausdrücklich von der Verwendung von Böllern, Leuchtspurgeschossen und sonstigen Knallkörpern sowie dem Werfen von Pyrotechnik. Im Fokus stehen die bengalischen Feuer. Diese sollen nur unter gewissen Rahmenbedingungen abgebrannt werden - jenen, die auch im Gutachten benannt werden und in Chemnitz erprobt wurden: Dazu müsste der Verein als Veranstalter mit der Zustimmung des Stadionbetreibers einen Antrag stellen, den die örtlichen Behörden genehmigen.

Das Abbrennen von Pyrotechnik dürfte nur in ausgewiesenen Bereichen, von namentlich bekannten und befähigten Personen und zu festgelegten Zeiten durchgeführt werden. Zudem müsste der Sicherheitsabstand eingehalten sowie die Art und Menge der Pyrotechnik geprüft werden. Ein dicker Katalog.

Christian Lohrer von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung sagt: »Ich halte das für eine enorme Herausforderung. « Neben den hohen Hürden bei der Zustimmung von Polizei und Behörden verweist Volker Löhr, der das Gutachten für den DFB erstellte, auf die Verantwortung der Stadionbetreiber: »Sie müssten den Einsatz von Pyrotechnik erlauben.

Das ist vor dem Hintergrund der Haftungsrisiken nicht zu erwarten.« Denn für jede Verletzung würde der Betreiber zur Verantwortung gezogen werden.

Unverständnis aus Norwegen

Das Modell, das den Fans vorschwebt, scheint also schwierig zu realisieren. Doch es wird in zwei Ländern Europas bereits praktiziert - in Norwegen und Österreich.

Arne Christian Eggen kann nicht verstehen, warum die Situation in Deutschland so verfahren ist. Er ist Norweger und Fan von Rosenborg Trondheim. Dort ist bei Heimspielen das Abbrennen der bengalischen Feuer in der Fankurve mittlerweile eine Selbstverständlichkeit - ganz legal.

Bis zu 16 Bengalos zünden die Rosenborg- Fans während eines Spiels, mit der Genehmigung von Feuerwehr, Polizei, Verein und Verband wohlgemerkt.

Mindestens drei Tage vor einem Spiel müssen die Vereine einen Antrag bei den Behörden einreichen. Darin verzeichnet sind die Anzahl der geplanten Fackeln, die Orte im Fanblock, an denen sie abgebrannt werden sollen, und die Namen der verantwortlichen Fans. Jede Fackel muss zertifiziert sein, Böller und Rauchpulver werden von vornherein ausgeschlossen. Zudem sind die Zeitpunkte für das Abbrennen klar definiert: vor und nach dem Spiel sowie in der Halbzeitpause. Ist der Antrag eingereicht, führen Vertreter der Feuerwehr, der Polizei, des Vereins und der Fans eine Inspektion im Stadion durch und entscheiden über die Bewilligung des Antrages.

Das Prozedere klingt aufwendig und bürokratisch, doch das Modell hat seit seiner Einführung im vergangenen Jahr zu einem Friedensabkommen zwischen den Parteien geführt. »Bei uns ist seither niemand zu Schaden gekommen«, erzählt Eggen. »Wir achten darauf, dass der Sicherheitsabstand eingehalten wird und die Fahnen in der Nähe aus feuerfestem Stoff sind.« Der Pyro-Bereich wird mit Absperrband markiert, meistens misst er zwei Quadratmeter.

Sandeimer stehen zum Löschen bereit, laut Eggen verzieht sich der Rauch dadurch innerhalb einer Minute.

In Norwegen wurde die Pyro-Debatte bereits 2009 angestoßen, zuerst gab es eine Ausnahmeregelung für drei Vereine, die später auf alle Klubs ausgeweitet wurde.

 
 
 
 
 
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