Wie polnische Ultras Stimmung gegen Flüchtlinge machen

Die Hetzer

In einigen Stadien Polens gehört Flüchtlingshetze zum guten Ton. »Willkommen in der Hölle« ist noch das harmloseste. Der Verbandspräsident macht auch mit.

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Wie wirkungsvoll Fremdenfeindlichkeit in Polen sein kann, ließ sich Mitte September in Posen beobachten. Lech Posen, amtierender polnischer Meister mit einer notorisch rechten Ultraszene, traf im ersten Gruppenspiel der Europa League auf CF Belenenses aus Portugal. Die Uefa hatte die Teilnehmer der Champions- und Europa League aufgerufen, pro verkauftem Ticket einen Euro zu Gunsten der Flüchtlinge zu spenden. An einem normalen Tag wären in Posen damit knapp 20.000 Euro zusammen gekommen. Doch weil die führenden Ultragruppierungen zum Boykott aufgerufen hatten, kamen nur 7900 Zuschauer in das Stadion, vor den Toren hing ein »Stoppt die Islamisierung«-Banner. Die Botschaft war klar: Wir spenden nicht für Flüchtlinge.

Flüchtlinge in Polen: Bedrohung und Terroristen

Eine der Gruppierungen ließ in einem Statement wissen, dass sie sich seit Jahren für die Armen in Polen einsetze und deshalb nicht Teil der aufgezwungen Uefa-Kampagne werden wolle. Damit griff sie ein zentrales Element der aktuellen Flüchtlingsdebatte in Polen auf. Die Polen wollen, wenn überhaupt, nur flüchtende Christen aufnehmen, weil sie sich für die Flüchtlinge nicht verantwortlich fühlen.

Während in anderen europäischen Stadien »Refugees-Welcome«-Banner hängen, Vereine Geld und Klamotten spenden und Deutschland allein in diesem Jahr wohl über eine Million Geflüchtete aufnehmen wird, zeigen polnische Ultras auf riesigen Choreographien, wie sie Flüchtlingen sehen: Als Bedrohung und als Terroristen.

Anfang November erreichte der Protest seinen vorläufigen Höhepunkt: Ultras von Slask Wroclaw hatten im Heimspiel eine riesige Choreographie vorbereitet. Darauf zu sehen war ein Kreuzritter, der Europa mit einem Schwert verteidigt, während am Mittelmeer Flüchtlingsboote ankommen. »Verteidigt das christliche Abendland, wenn Europa von der islamischen Pest überzogen wird!«, stand darunter. Die drei Boote trugen in Anspielung auf die US-amerikanischen Kriege im mittleren Osten die Aufschriften »USS ISIS«, »USS Hussein« und USS Bin Laden«.

»Arbeitsintensiven Rassismus«, kommentierte das ein Blogger, der sich mit osteuropäischem Fußball beschäftigt.


Woher kommt dieser Hass?

»Ihr lebt in einer multikulturellen Gesellschaft, die Zeit hatte, sich zu entwickeln«, sagt Christopher Lash über Deutschland, »Polen hatte seit dem Ende der Sowjetzeit noch nicht genug Zeit.« Lash ist Brite, wohnt aber seit 2011 in Warschau. In seiner Freizeit betreibt der Historiker einen Blog, auf dem er über polnischen Fußball schreibt. Erst langsam werde Polen liberaler und moderner, »das braucht Zeit«, sagt er. Auch Lash ist entsetzt über den wöchentlichen Plakatrassismus der polnischen Ultras, differenziert aber: »Nicht jeder Verein hat dieses Problem.«

»Schmeißt sie raus, die Flüchtlinge!«

Allerdings sind es die großen Klubs, deren Ultras die rassistischen Töne angeben. In Posen: »Islamist, du dreckige Hure, uns Polen wirst Du niemals ebenbürtig sein.« Das ganze Stadion singt mit uns: »Schmeißt sie raus, die Flüchtlinge!« Und bei Legia Warschau: »Herumirrende Schafe, Willkommen in der Hölle!«

Sie entlarven damit wieder das Märchen, dass Politik und Fußball nichts miteinander zu tun hätten. Was die polnischen Ultras betreiben, ist Politik, und zwar am rechten Rand. Linke Fankulturen wie in einzelnen deutschen Szenen gibt es in der ersten Liga Polens nicht. »Ich warne aber davor, das Bild vom dunklen und wilden Osten zu zeichnen«, sagt Lash.

Denn die Bevölkerung Polens kennt kaum Fremdes und ist äußerst katholisch geprägt. Nur 0,1 Prozent der Einwohner haben einen muslimischen Glauben. Das rechtfertigt keinen Rassismus, die Angst vor Fremden ist aber einer der Hauptgründe für die Plakate in Polens Stadien. Schon das leiseste Signal der Politik, eine kleine Zahl von Flüchtlingen aufnehmen zu wollen, hat im Wahlkampf, der mit den Wahlen Ende Oktober zu Ende gegangen ist, zu kontroversen Diskussionen geführt.

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