03.02.2013

Wie Polens Nationaltrainer Franciszek Smuda in der Zweiten Liga landete

Der geflüchtete Hoffnungsträger

Im Sommer 2012 führte Franciszek Smuda die polnische Nationalmannschaft bei der EM im eigenen Land als Trainer an. Heute debütiert er als Übungsleiter beim Letzten der 2. Bundesliga, Jahn Regensburg. Wie ist er eigentlich dahin gekommen?

Text:
Thomas Dudek
Bild:
Imago

Ein Hauch der großen Fußballwelt schien an die Grünwalder Strasse zurückzukehren, als Mitte Januar die Ankunft von Sven-Göran Eriksson bei 1860 München angekündigt wurde. Der Traum von einem ehemaligen Nationaltrainer in der 2. Bundesliga, der auch in den feinsten Adressen des europäischen Vereinsfußballs gearbeitet hat, platzte jedoch ziemlich schnell. Noch bevor sich Eriksson einen Trainingsanzug bei den Löwen überstreifte, sagte er lieber ab und entschied sich für den Job des Technischen Direktors bei al-Nasr Sports Club in Dubai.

Bei dem ganzen Trubel um Eriksson ging jedoch unter, dass einem anderen bayerischen Zweitligisten bereits Anfang des Jahres ein Trainercoup gelungen ist. Ausgerechnet beim Tabellenletzten Jahn Regensburg unterschrieb Franciszek Smuda bis zum Ende der Saison. Jener Smuda, der noch sieben Monate zuvor Stars wie Robert Lewandowski, Lukasz Piszczek, Jakub Blaszczykowski oder Wojciech Szczesny aufstellte, um Polens Traum von einem eigenen Sommermärchen zu erfüllen.

Ein Sommermärchen, dass für die Polen bekanntlich in einem Alptraum endete. Mit nur zwei erzielten Toren endete für die Co-Gastgeber die EM bereits nach der Gruppenphase. Und dies, obwohl nach Ansicht der Experten Polen mit Russland, Griechenland und Tschechien die leichtesten Gruppengegner hatte.

Harte Kritik von Robert Lewandowski

Den Verantwortlichen für dieses Desaster hat man an der Weichsel ziemlich schnell ausgemacht: Franciszek Smuda. Schon wenige Minuten nach der entscheidenden 0:1-Niederlage gegen Tschechien überboten sich viele polnische Medien und Fans in ihren Vorwürfen gegen Smuda. 2009 war er noch Liebling der polnischen Öffentlichkeit, die dem Verband PZPN Smuda als Nationaltrainer quasi aufdrang. Wenig Rückhalt erhielt der Trainer in dieser Situation auch vom Verband und einigen Spielern. Während der damalige PZPN-Präsident Grzegorz Lato erklärte, dass eine polnische Nationalmannschaft noch nie zuvor so gute Bedingungen bei einer Turniervorbereitung hatte, gab Robert Lewandowski allein Franciszek Smuda die Schuld für den enttäuschenden Turnierverlauf. »Der Trainer hatte sehr viel Zeit, um uns auf das wichtigste Turnier unseres Lebens vorzubereiten. Doch er hat es nicht getan«, sagte der Dortmunder Stürmer in einem vielbeachteten Interview für die »Gazeta Wyborcza«. Dass es Smuda war, der ihn 2008 vom damaligen Zweitligisten Znicz Pruszkow zum polnischen Spitzenclub Lech Posen holte und ihm somit seine internationale Karriere ebnete, hat Lewandowski in dem Interview nicht erklärt.

»Smuda wurde nach dem Turnier zu so etwas wie einem Sündenbock gemacht«, sagt Michal Pol, einer der bekanntesten polnischen Fußballjournalisten, gegenüber 11freunde.de. Auch wenn Pol dem Trainer dafür eine Mitschuld gibt. »Kurz nach dem Turnier-Aus hat Smuda ein Interview gegeben, in dem er jede Kritik von sich wies und sagte, dass er alles noch einmal so machen würde. Dies hat den Zorn der Fans auf ihn verstärkt.«

 
 
 
 
 
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