Wie Peter Meyer alles verlor

Der Ibisevic von 1967

Ein halbes Jahr lang war Peter Meyer der beste Stürmer der Bundesliga. Doch dann brach sein Wadenbein »wie eine Holzlatte«. Hier blickt er zurück auf den Moment, der ihn die große Karriere, ein Vermögen und den Seelenfrieden kostete. Wie Peter Meyer alles verlor

Das Ende aller Träume jagt Peter Meyer 42 Jahre danach immer noch einen Schauer über den Rücken. Als er an diesen einen unachtsamen Moment denkt, der ihn »wenigstens drei bis fünf Millionen Mark« und eine große Fußball-Karriere gekostet hat, atmet er schwerer und schluckt.

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Er war 1967 der Star für ein halbes Jahr und hatte als Torjäger von Borussia Mönchengladbach den Lauf seines Lebens, bis ein Schien- und Wadenbeinbruch die »schönste Zeit« seines Lebens beendete. Peter Meyer war der Vedad Ibisevic von 1967. »Diese Verletzung war eine Katastrophe«, sagt Meyer. »Das hat mich die WM gekostet, wenigstens 3, 4, 5 Millionen Mark, meine Torjäger-Kanone, dazu die Auszeichnung als Sportler des Jahres. Hoffentlich bleibt dem Jungen das erspart!«

»Als wäre eine Holzlatte gebrochen«


Mit der großen Karriere wurde es nichts, heute, mit 68, macht sich Meyer immer noch jeden Tag auf zur Arbeit. Er leitet eine Werkstatt, die auf den Austausch von PKW-Kupplungen spezialisiert ist. Dabei hätte alles ganz anders kommen können, wenn er an einem Trainingstag im Winter 1967 vor den Augen der Verbandstrainer nicht reichlich übermotiviert gewesen wäre. »Das muss man sich erst einmal vorstellen«, erzählt er und schlägt dabei mit der Handfläche vor die Stirn. »Wir spielten auf gefrorenem Boden, da fällt mir der Torhüter aufs Bein, und der Knochen stach durch meine Hose hinaus. Das konnte man 200 Meter weit hören, als wäre eine Holzlatte gebrochen.« Ein oder zwei Jahre, sagt Meyer, habe sich die Genesung hingezogen, sein Bein konnte er nicht schonen - »ich musste ja ständig für die Firma fahren«. Dabei steht für ihn heute noch fest: »Ich war klar besser als der Ibisevic. Haken schlagen und mit rechts oder links abziehen, das kann der nicht. Ich hab mir die Bälle ganz hinten geholt, bin 40 Meter gerannt, habe noch fintiert, dann abgezogen. Das geht nur, wenn du zwei Füße hast.«

Auch der ewige Vergleich mit Gerd Müller, die magischen 40 Tore, an denen sich auch Ibisevic plötzlich messen lassen musste - für den Düsseldorfer Aufstiegshelden ein alter Hut. »Ich hatte ja einen unglaublichen Lauf, wie Ibisevic, absoluter Wahnsinn. An die 40 Tore von Müller wäre ich ganz gut rangekommen. Ich weiß nicht, ob der Rekord heute so stehen würde. Ich war bärenstark.« So stark, dass er für die WM 1970 auf dem Zettel des damaligen Bundestrainers Helmut Schön stand. »Der Beinbruch, das hat meine Karriere ruiniert. Deswegen halte ich Ibisevic beide Däumchen, er ist einer wie Toni: Das ist kein Fußballer, aber der macht die Tore. Doch der wird nicht noch so eine Saison spielen, da bin ich mir sicher. Dafür ist er nicht gut genug.«

Für Ibisevics Klub hat er dennoch ein Faible, manchmal verzichtet er bei Premiere auf die Spieltagskonferenz. »Ich drücke dann nur Hoffenheim. Die Kameradschaft, dieses Spiel, das ist fast so wie bei Fortuna Düsseldorf, als wir Amateurmeister wurden.« 1899 prophezeit er jedoch einen Absturz: »Das Schicksal trifft einen Aufsteiger immer. Erst verletzt sich einer, dann kommen die Schwaderlappen von Bayern München, und es wird ganz schwer.«

So schwer, wie es auch für Peter Meyer war, im Winter 1967. »Über solche Verletzungen wie meine lacht man heute. Ibisevic wird zurückkommen. Ich kam nicht mehr zurück«, sagt Meyer und klingt ein bisschen traurig. Was ihm verwehrt blieb? »Ich darf gar nicht daran denken.«

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