Wie Klinsmann den US-Fußball revolutionierte

Amerikas Deutschwerdung

Wenn die Nationalelf am Donnerstag gegen die USA spielt, spielt sie auch ein bisschen gegen sich selbst. Denn US-Coach Klinsmann hat jede Menge deutsches Know-how importiert.

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Der deutsche Teampsychologe Hans-Dieter Hermann hat neulich eine Episode aus dem Jahr 2004 erzählt, die einiges über den deutschen Fußball in jener Zeit erzählt, aber noch mehr über die Arbeitsweise von Jürgen Klinsmann. Es war die Zeit, als der deutsche Fußball im Reformstau steckte und deshalb sturmreif war für neue, mutige Ideen, die der schwäbische Kalifornier Klinsmann längst im Gepäck hatte.

Der neue Bundestrainer hat seinerzeit nicht nur Fitnesstrainer aus den USA geholt, die die Nationalspieler mit geheimnisvollen grünen Gummibändern an den Knöcheln über den Platz watscheln ließen; nach ein paar Monaten im Amt holte Klinsmann auch den Sportpsychologen Hermann hinzu. »Jürgen hat mich vor die Mannschaft gestellt und gesagt: Das ist der Hans, der gehört hier jetzt dazu«, erzählt Hermann. Noch bevor der erste Aufschrei verhallt war, kam Oliver Kahn um die Ecke, der nicht unbedingt den Sympathisanten des neuen forschen Bundestrainers zuzurechnen war. Klinsmann hatte ihm als eine der ersten Amtshandlungen die Kapitänsbinde entzogen. Doch was tat Kahn, als er befragt wurde, was nach den US-Fitnesstrainern jetzt auch noch der Psycho solle? Kahn zischte kurz sein Zischen und sagte, dass das ja wohl überfällig sei. Er habe sich auch schon einen Termin geben lassen.

Spezialisten aus allen Bereichen

Das war ein wenig geschwindelt, weil der Teampsychologe gar keine Termine verteilt, sondern eher informell mit den Spielern spricht. Aber es war eben auch die Zeit, in der alles, was Klinsmann tat, nach Revolution roch und kritisch beäugt wurde. Klinsmann brach damals Strukturen auf, er wollte den Blick weiten und scharrte deshalb Spezialisten aus allen relevanten Bereichen um sich.

Interessant daran ist aus heutiger Sicht, dass es Jürgen Klinsmann in seiner Wahlheimat ganz ähnlich ergeht. Als er 2011 Trainer des US-Teams wurde, musste er zwar niemanden vom Sinn der Spezialisten überzeugen, vielmehr war es seine Personenauswahl, die die amerikanische Öffentlichkeit hat stutzig werden lassen. Denn so wie er sich als Bundestrainer seine Mitarbeiter aus den USA geholt hat, so holt er sie jetzt als US-Coach aus Deutschland.

Didis Bruder

Der bekannteste Import ist Berti Vogts. Der frühere Bundestrainer (1990 bis 1998) stieß erst in diesem Frühjahr zu Klinsmanns Team. Länger dabei ist Matthias Hamann, der frühere Profi unter anderem von Tennis Borussia und Bruder des früheren Nationalspielers Dietmar Hamann. Der 46-Jährige ist als Scout für Europa zuständig. Und dann sind da noch Kurt Mosetter als Teamarzt sowie der Bochumer Niklas Albers, der als Ass auf dem Gebiet der Myoreflex-Therapie gilt, die sich auf die eigenen Körperreflexe auswirkt und relativ schnell anschlägt. Die Therapie ist in den USA noch ziemlich unbekannt. Den Kontakt stellte einst Mosetter her, der Klinsmann wiederum vor einigen Jahren erfolgreich an der Bandscheibe behandelt hat.

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