Wie in Karlsruhe mit dem Wildparkstadion Wahlkampf gemacht wird

Die unendliche Geschichte

Seit Jahren behindert ein Tauziehen zwischen Stadt und KSC-Präsidium den Ausbau des Wildparkstadions. Die einen wünschen sich ein neues Stadion, die anderen einen Umbau der alten Stätte. Die Fans sagen: Hauptsache, es passiert mal irgendwas.

Das Wildparkstadion ist eine der ältesten Spielstätten Deutschlands und hat seit seiner Einweihung 1955 schon einiges erleben dürfen: 1956 gewann der KSC hier den DFB-Pokal, 1993 waren die Zuschauer Zeugen des »Wunders vom Wildpark«, als Karlsruhe im Europapokal nach einer 3:1-Niederlage im Hinspiel die haushohen Favoriten vom FC Valencia mit 7:0 vom Platz fegte. In jenen Zeit siegte der Karlsruher SC auch mühelos gegen den AS Rom oder Girondins Bourdeaux mit einem gewissen Zinedine Zidane.

Die unendliche Geschichte

Doch die glorreichen Neunziger sind lange vorbei. Der Wildpark glänzt nicht mehr. Seit inzwischen 15 Jahren ringen verschiedene Interessensgruppen um das Stadion. Anders als bei vielen anderen Zweit- und Drittligisten, die sich in den letzten zehn Jahren reihenweise moderne Fußballarenen mit VIP-Logen und Business-Seats zugelegt haben, rostet das Wildparkstadion vor sich hin. Grund dafür sind nicht etwa fehlende Gelder – Karlsruhe steht im Vergleich zu anderen Städten und Kommunen finanziell hervorragend da –, sondern Differenzen zwischen Stadt und Verein.

Der Stillstand in der Stadionfrage bewog letztlich einige Bürger Karlsruhes im Juni 2012 dazu, die Initiative »Ein Stadion für Karlsruhe« zu gründen. Swen Kraus, einer der Mitbegründer der Initiative, steht dem Thema heute pragmatisch gegenüber: »Wir wollen eine möglichst schnelle und realistische Lösung, denn der beste Zeitpunkt ist bereits vorbei.« Der Wahlspruch der Initiative trägt deswegen auch den Namen: »Es ist fünf nach zwölf!«

Betrachtet man die andauernden Differenzen zwischen Stadt und Verein, bekommt die Geschichte einen spannenden Dreh: Selbst nachdem im Herbst 2007 nach jahrelangem Tauziehen der Gemeinderat Karlsruhe bereits den Umbau des Wildparks beschlossen hatte und unter Beteiligung des Landes Baden-Württemberg schlappe 58 Millionen Euro für den Umbau zur Verfügung gestellt wurden, kamen die Verhandlungen für den Umbau zwischen Stadt und dem Karlsruher SC nicht ins Rollen.

Karlsruhe 21

Anstatt mit den eigentlich schon beschlossenen Umbauarbeiten zu beginnen, jonglierte der Verein auf einmal mit Plänen für ein neues Stadion. 2008 legte der damalige Vorsitzende des KSC-Wahlausschusses Ingo Wellenreuther Entwürfe für eine moderne Arena mit 40.000 Plätzen vor. Eine Kleingartenkolonie sollte weichen – Proteste der Betroffenen waren die Folge. Karlsruhe hatte sein eigenes kleines Stuttgart 21 unter dem Motto »Kein Stadion an der Mastheide!«

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