22.06.2014

Wie Jürgen Klinsmann und Berti Vogts harmonieren

Flipper und sein Terrier

Jürgen Klinsmann und Berti Vogts beweisen bei kongeniale Partner beim US-Team, wie Wille Berge versetzen kann. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft
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Die Geschichte beginnt in den späten Siebzigern. Berti Vogts hat seine erste Trainerstation bei der U16 des DFB angetreten. Zu einem Turnier nach Portugal lädt er Jürgen Klinsmann ein. Nach dem Lunch ist Mittagsruhe angeordnet, doch der Schwabe schleicht sich heimlich aus dem Hotel. Als der Übungsleiter Wind davon bekommt, heftet er sich an Klinsmanns Fersen und folgt ihm unbemerkt an den Strand. Doch in Erwartung einer Disziplinlosigkeit, entdeckt er den Bäckersohn wie er dort allein auf einer Klippe sitzt und aufs Meer schaut. Vogts wird nie Wort über den Vorfall verlieren. Erst als ihn im Frühjahr 2014 der Ruf ereilt, als Berater der US-Nationalelf bei der WM zu fungieren, würzt der 68-Jährige im Gespräch mit Spielern seine Erinnerungen an den Trotzkopf Klinsmann mit dieser Anekdote.

Zwei unterschiedliche Lebenswege


Auf den ersten Blick könnten die Gegensätze kaum größer sein. Hier der polyglotte Sunnyboy, den der Fußball zum Weltmann gemacht hat. Der nach bleiernen Jahren die Nationalelf zu seinem Projekt machte und runderneuerte. Wohnhaft in Newport Beach, dem Küstenort, der so exklusiv ist, dass Filmaufnahmen am Strand nur gegen Gebühr gestattet sind, weil Hollywood den Landstrich exklusiv hat. Unser Grinsi-Klinsi, bei dem das schwäbischen Idiom zunehmend mit US-Slang kollidiert. Dort der dröge Wadenbeißer vom Niederrhein, der Kohl-Bewunderer, der nach einer Laufbahn durch alle Instanzen des DFB sein Glück als Trainer in Aserbaidschan sucht.

Jedoch eint die beiden, dass sie als Aktive nie zu den Hochbegabten zählten. Der Trainer Vogts bescheinigte dem Spieler Klinsmann Zeit seiner Karriere große Probleme bei der Ballan- und -mitnahme in höchster Geschwindigkeit. Klinsmann war dennoch an allen Titeln des DFB in den vergangenen 30 Jahren beteiligt, weil er mangelndes Talent mit eisernem Willen kompensierte. Vogts seinerseits war des Kaisers Terrier. Ein beharrlicher Köter an den Rockzipfeln der Fußballgrößen. Doch die Hingabe, mit der er diese undankbare Aufgabe verrichtete, machte auch ihn zum Welt- und Europameister.

 
 
 
 
 
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