02.05.2012

Wie Jay-Jay Okocha die USA verzaubert

»Of course, Eintracht Frankfurt!«

Daniel King ist schwer verliebt. In Jay-Jay Okocha, den Helden seiner Kindheit. Das Schöne daran ist: King lebt in den USA und wenn er auf dem Bolzplatz seine Trickkiste öffnet, braucht er nur zu sagen: »Jay-Jay« – und seine amerikanischen Freunde verstehen.

Text:
Daniel King
Bild:
Imago

Mir wurde das »Eintrachtgen« auf eine sehr ungewöhnliche Weise eingeimpft.  Mein Vater war ein US-Soldat, stationiert in einer Kleinstadt im Norden von Baden-Württemberg, etwa eine Stunde südlich von Frankfurt.  Für ihn gab es, bevor er nach Deutschland kam, nur eine Religion, das waren die »Crimson Tide«, ein prestigetraechtiges Footballteam aus Alabama. Ich weiß immer noch nicht, wie er eigentlich zur Eintracht gekommen ist, aber er hat sein Wohnzimmer in einer Vorstadt von Atlanta heute immer noch voll mit Tetra-Pak-Trikots und allerlei SGE-Fan-Utensilien. 

Ich erzähle das, weil mein Vater mich zu meinen ersten Eintrachtspielen mitgenommen hat. Heute fragt er mich immer noch: »You remember, Waldstadion,  the G-Block?«. Zu jener zeit gab es noch den Fussball 2000 in Frankfurt zu bewundern. Mit Maurizio Gaudinho, Uwe Bein, Anthony Yeboah und eben Jay-Jay Okocha. Als Kind glaubte ich, dass die Eintracht die beste Mannschaft der Welt war.

Jay-Jay half mir auf die Beine

Doch in der Saison 1995/1996 stieg die Eintracht ab und gab anschließend ein Freundschaftsspiel auf dem Platz meines damaligen Heimatvereins SV Wertheim. Mein Vater nahm mich natürlich mit zum Sportplatz an der Tauber, was dort passierte, werde ich nie vergessen. Groß und Klein waren alle sofort nach dem Abpfiff auf Autogrammjagd, erstes Opfer war der völlig abgenervte Andy Köpke, der mir eine Pfütze auf meine Autogrammkarte malte. Gut, meine F-Jugend-Freunde haben mich ausgelacht, das wir mir allerdings egal, schließlich war eigentliches Zielobjekt er: Jay-Jay Okocha.

Er stand vor dem Mannschaftbus, ein riesiger Menschenmob rannte auf ihn zu, ich in meiner kindlichen Naivität natuerlich vorne weg. Ich rannte, soweit mich meine kurzen Beine tragen konnten, dann wurde ich vom Mob hinter mir kurz vor »JJ« niedergerissen, die älteren Fans rannten mich einfach über den Haufen.

Wie die Szene aus Slumdog Millionaire

Jay-Jay sah das und griff ein, schubste die anderen Fans weg, half mir auf und gab mir ein Autogramm. Die Szene ist in etwa mit der vergleichbar, in der der Junge von Slumdog Millionaire mit Kot überdeckt seinem Lieblings-Filmstar begegnete.

Seitdem habe ich keine Folge von EuroGoals auf Eurosport verpasst. Mario Jardel war zwar toll, aber Okocha war für mich der eigentliche Star der Sendung, ich habe es sogar geschafft, meine Mutter trotz Fernsehverbots mehrfach zu überreden, wenigstens am Dienstag EuroGoals zu sehen. Es gab für mich nichts Schöneres, als mit zehn Jahren im lokalen Schwimmbad die »JJ-Hackenschleuder« nachzuahnen...

Jay-Jays Karriere ging weiter. Er wechselte Vereine, gewann und verlor und zaubert, während ich langsam erwachsen wurde. Inzwischen wohne ich in Texas und spiele mit Südamerikanern und Nigerianern Fußball. Nach erfolgreichen Tricks fragen sie mich: »Where do you got those mad moves?« Ich antworte nur: »Jay-Jay Okocha« und alle nicken und sagen: »Of course, Frankfurt!«.

Heute sitze ich mit meinem Vater neben einer Crimson Tide-Flagge und Eintracht-Trikot auf seiner Terrasse in Georgia und wir schwärmen jeden Abend von Oka Nikolov, Anthony Yeboah. Und meinem lebenslangem Vorbild, Jay Jay Okocha.

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