Wie Indoor Soccer in den USA populär wurde

Flippern mit Kickern

Trockeneisnebel, Lasershows und Spieler aus Raumschiffen – Indoor Soccer war die bizarrste Blüte des Fußballs in den USA. Und ein Modell für die Zukunft.

Missile
Heft: #
167

Wenn er von damals spricht, bekommt der rheinisch-amerikanische Singsang von Heinz Wirtz einen enthusiastischen Unterton. »Das war meine beste Zeit im Fußball«, sagt er und meint nicht den Gewinn des DFB-Pokals mit Fortuna Düsseldorf 1980 gegen den 1. FC Köln. Zwar hat er die Bilder vom Cup-Gewinn heute noch auf dem Smartphone immer dabei, aber viel besser war’s in einer der absonderlichsten Fußballligen, die es jemals gab: der Major Indoor Soccer League.

Wirtz landete 1982 in der MISL, weil ein paar Dinge ziemlich falsch gelaufen waren. Nach dem Pokalsieg war er in Düsseldorf plötzlich nur noch Reservist gewesen und daraufhin kurzentschlossen zu den Washington Diplomats gewechselt. Dort hatte er zwar einen gutdotierten Vertrag, und einer seiner Mitspieler hieß Johan Cruyff, aber schon nach einem Jahr war sein Klub pleite. Aufgrund komplizierter Regularien konnte Wirtz nicht nach Deutschland zurück, also wechselte er zu Baltimore Blast – in die Halle.

»Was ist denn hier los?«

Den Amerikanern wurde damals zurecht vorgeworfen, dass sie nach Lust und Laune am Fußball herumbastelten, um das Spiel attraktiver zu machen. Schon die North American Soccer League (NASL) hatte sich wenig an Traditionen gehalten. Es gab Abseitslinien, Penalty-Shootouts bei Unentschieden und den ganzen amerikanischen Quatsch von Cheerleadern bis Kunstrasen. Aber das war nichts gegen den Irrsinn des MISL-Hallenfußballs.


(Bild: Missile Magazine)

»Am Anfang habe ich mich schon gefragt: Was ist denn hier los?«, sagt Wirtz. Indoor Soccer war der erste amerikanische Sport, bei dem das Betreten des Spielfelds dramatisch inszeniert wurde. Mit ganz viel Trockeneisnebel und flackernden Lasern, dem damals gerade heißesten Scheiß in Sachen Effekthascherei.

In Baltimore kletterte Wirtz vor den Spielen erst aus einem Raumschiff, das von der Hallendecke gelassen wurde. Im Jahr darauf hatten er und seine Kollegen ihre Auftritte aus einem Riesenfußball im Look einer Diskokugel. Nach überwundenem Kulturschock fand Wirtz das klasse: »Die Show war einmalig, und dadurch hat man sich richtig ins Spiel reingesteigert.«

Darth Vader führte Clevelands Spieler an

1983 schrieb das amerikanische Magazin »Sports Illustrated«: »Indoor Soccer ist der erste Sport, der sich bewusst als Produkt vermarktet wie eine Seife oder Autoreifen.« Um Feinsinnigkeit scherte man sich dabei nicht, alles sollte groß und laut sein. Die Drehs für die Einspielfilme auf der Stadionleinwand, so erinnert sich Wirtz, dauerten tagelang.

Jedes Jahr gab es eine andere Themenmusik für die Mannschaft, die bei ihren Angriffen zudem durch donnernde Akkorde aus der Hallenorgel angefeuert wurde. Bei Cleveland Force liefen die Spieler zur Musik von Stars Wars ein – angeführt von Darth Vader. Das überspannte Video zum holprigen Rap »One for the Thumb« der San Diego Sockers ist heute noch eine Youtube-Perle. Und in der Arbeiterstadt Pittsburgh wurde zweideutig für die lokalen Indoor-Kicker geworben: »Wir haben 20 Jungs in kurzen Hosen, die es die ganze Nacht bringen.« Sogar das erste Fußball-Computerspiel war eines auf Basis der MISL-Kicks, »Micropose Soccer« für den Commodore 64.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!