21.10.2012

Wie indische Nachwuchsfußballer nach Europa streben

»Sie kommen alle wieder zurück«

Der 18-Jährige Brandon Fernandes absolviert derzeit ein Probetraining beim Premier-League-Klub FC Reading. So weit, so langweilig, wäre Fernandes nicht Inder und ein Beispiel für das bedenkliche Streben indischer Nachwuchsfußballer nach Europa.

Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
Imago

Dies ist die Geschichte eines erfüllten Traums. Manche sprechen sogar von einer Zeitenwende im Fußball. Es die Geschichte von Jugendlichen, die neue Idole für sich entdeckt haben: Messi, Ronaldo, Rooney, Idole, die jahrelang von den Alten belächelt wurden. Es ist die Geschichte einer Jugendbewegung, die in die gelobten Länder strebt, nach England, Spanien, Italien und Deutschland. Die Geschichte des zweitbevölkerungsreichsten Landes, dessen Jugend den traditionellen Sportarten wie Hockey und Cricket abschwört und sich dem Fußball zuwendet. Es ist auch die Geschichte von Brandon Fernandes, 18 Jahre alt, der nun vor seine großen Ziel steht. Er trainiert derzeit bei einem Premier-League-Klub - als erster Inder überhaupt.

Der indische Messi

Damit ist Brandon Fernandes ein leuchtendes Beispiel tausender indischer Jugendlicher, deren Familien mittlerweile Geldbeträge im sechsstelligen Bereich an Vermittler zahlen, damit diese ihrem Nachwuchs ein paar Trainingswochen in den Jugendakademie europäischer Klubs vermitteln. Und so brechen Monat für Monat immer mehr Jungs auf, um ihrem Traum ein Stückchen näher zu kommen. Jungs wie der No-Name Joshua Vaz, der 2007 im Alter von 16 Jahren als einer der ersten für fünf Monate nach Europa ging, um beim portugiesischen Klub Vitoria Guimares in der Jugend zu trainieren. Der Trainer Daniel Barreira, der seinerzeit in einer Fußball-Akademie in Goa arbeitete, hatte den Kontakt nach Portugal hergestellt, Guimares testete den hochgelobten Vaz, Verwendung für ihn hatte man aber nicht. Er kehrte heim und spielte fortan in der ersten indischen Liga.

Bei Brandon Fernandes ist es anders. Er durchlief alle Jugend-Auswahlteams des Landes, bereits mit 13 Jahren wurde er von Scouts in eine Jugendakademie nach Südafrika eingeladen, trainierte zwischenzeitlich bei der Jugend von Manchester United und scheint nun im gelobten Land angekommen zu sein. Denn er wurde tatsächlich zu einem Probetraining beim Premier-League-Aufsteiger FC Reading geladen. Nur ein Probetraining für einen 18-Jährigen, sagen die einen. Eine Sensation, jubelt man in seiner Heimat. »Ich kann das wirklich immer noch nicht glauben. So eine Chance bekommt man als indischer Fußballer nicht. Ich hoffe, ich kann mein Land stolz machen«, sagte Fernandes nun der indischen Presse. Sie nennen ihn schon jetzt, na klar, den indischen Messi.

 
 
 
 
 
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