Wie gefährlich ist die Egal-Haltung der Bayern?

Nur Menschen mit Gefühlen

War es das falsche Signal, die Bundesliga zur unbedeuteten Nebensache zu erklären? Haben Bayerns Niederlagen gegen Augsburg oder Dortmund für das Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid wirklich überhaupt keine Relevanz?

imago

Als Pep Guardiola, der vielleicht beste Trainer der vielleicht beste Mannschaft der Welt, bei der Pressekonferenz nach Erklärungen für die höchste Bundesligaheimniederlage seit September 2008 rang, wirkte er tatsächlich ein bisschen verunsichert. Verunsicherung – ein Wort, das im Fußball so häufig fällt, im Zusammenhang mit dem FC Bayern aber doch ausgedient zu haben schien.

Zwar nahm Guardiola selbst an diesem Abend das schlimme Wort nicht in den Mund – womöglich kennt er es noch gar nicht –, sprach aber von Gefahr, Problemen im Spielaufbau und fehlender Ordnung, was den Zustand der Verunsicherung wiederum ganz gut umschreibt. »Ja«, antwortete Guardiola auf die Frage eines Journalisten, »wir haben den Rhythmus verloren.«

Wirkungsloser Selbstzweck
 
In der Tat hat das Spiel seiner Mannschaft seine Selbstverständlichkeit eingebüßt. Zuerst das Remis gegen Hoffenheim im eigenen Stadion, dann die erste Niederlage in Augsburg und jetzt die Pleite gegen den BVB. Auch gegen Dortmund war der Ballbesitz mit 71 Prozent scheinbar erdrückend hoch. Allerdings ist diese Form der Dominanz nicht mehr nur Mittel zum Zweck, sondern entwickelte sich zuletzt zum wirkungslosen Selbstzweck. Das war schon in der ersten Halbzeit im Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester United zu sehen. Dortmunds wiedererstarkte Pressingmaschine schaffte es diesmal sogar, das Ballgeschiebe der Bayern in deren eigene Hälfte zu verlagern.
 
Was vor allem am Mut seines Teams lag, meinte anschließend Jürgen Klopp. Den brauche es, wenn man gegen »die beste Mannschaft der Welt« (Klopp) derart früh stören wolle. Dieses »Hoch Anlaufen« – ein an diesem Abend gern verwendeter Ausdruck – sei weniger eine Sache der Kraft, denn der Courage gewesen, betonte ein sichtlich entspannt wirkender BVB-Trainer. Sein Nebenmann zog dagegen die Stirn in Sorgenfalten. Seit dem Sieg in Berlin, als seine Mannschaft den Meistertitel frühzeitig festzurrte, »ist die Luft raus«, stellte Guardiola fest. »Danach haben wir«, setzte Pep Guardiola an und führte den Satz nach kurzer Gedankenpause mit einem »Puff« fort, wobei er das Ganze mit einer Handbewegung nach unten unterlegte.

Ein falsches Signal?
 
Der vielleicht beste Trainer der Welt ist wohl nicht ganz schuldlos an dieser Entwicklung. Weil er in den Tagen nach der Partie gegen die Hertha die Bundesliga zur unbedeutenden Nebensache erklärt hatte – ein falsches Signal. Und auch Guardiolas taktischen Maßnahmen wirkten zuletzt unglücklich. So hat das Einrücken der Innenverteidiger dem Bayern-Spiel nicht wirklich gut tut. Das konnte man  bereits gegen Manchester United erkennen und schien auch gegen Dortmund mehr den Bayern-Flow zu stören, denn ihm neue Inspiration zu verleihen. Guardiola muss sich Gedanken machen, ob die Fehler im Spielaufbau und dessen schleppendes Tempo nicht damit zusammenhängen. »Es kann sein, dass ich einen Fehler gemacht habe«, gab sich der Katalane selbstkritisch. »Dass es ein Fehler war, nicht so weiterzumachen.«

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