Wie Fredi Bobic Bulgariens Fußball ordnen will

Der Himmel ist die Grenze

Fredi Bobic probt den Aufstand in Bulgariens Fußball. Als Boss des PSFC Chernomoretz Burgas will er den Klub auf internationales Niveau hieven. Tim Jürgens hat ihn für die aktuelle 11FREUNDE-Ausgabe am Schwarzmeer besucht. Wie Fredi Bobic Bulgariens Fußball ordnen willTim Jürgens
Heft#98 01/2010
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Wer heute die Welt verändern will, braucht ein Handy. Pausenlos stößt das Telefon von Fredi Bobic einen dieser diskreten Business-Klingeltöne aus. Ein Spielerberater will über Siegprämien verhandeln. Marco Bode ruft wegen eines Spiels der Traditionsmannschaft an. Ein deutscher Reporter möchte etwas über Bobics Erfahrungen mit einem Sportmediziner wissen. LED-Banden fürs Stadion werden geliefert, der Boss soll die Rechnung abzeichnen. Und einer der Europameister von 1996 will einfach nur mit ihm quatschen.

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Jeden Anrufer empfängt Bobic mit einem optimistischen Tonfall, einer Mischung aus Geschäftig- und Verbindlichkeit. Vor seiner Profilaufbahn hat er im Stuttgarter Kaufhof eine Ausbildung in der TV- und Radioabteilung gemacht, weil er in seinem Beruf mit Menschen zu tun haben wollte. Das ist ihm auf ganzer Linie gelungen. Fredi Bobic ist Geschäftsführer von Chernomoretz Burgas und damit Chef von 126 Angestellten. Ein Hauch von Sozialismus liegt noch immer über dem Verein vom Schwarzen Meer. Allein vier Putzfrauen stehen auf der Payroll. Dabei war Chernomoretz nie ein großer Klub, auch nicht zu Zeiten des Ostblocks. Keine Meisterschaft, kein Cup-Sieg in einer wechselhaften Geschichte seit 1919. Aber was nicht ist, das soll nun werden.

Ein Hauch von Sozialismus

Mit dem Klischee des CEO hat Bobic nichts gemein. Es scheint, als habe er sich die Leichtigkeit des Spielers ins Funktionärsdasein hinübergerettet. Wie ein galanter Juniorchef flattert er durch die Katakomben des Lazurstadions, in dem die Geschäftsstelle liegt. Ein Schwätzchen mit Kalina oben in der Cafeteria. Zlatko Jankow, Veteran aus dem großen Team Bulgariens, das Deutschland 1994 aus dem WM-Turnier schoss, gleicht den Zwischenstand beim Endlos-Turnier ab, das die beiden in Arbeitspausen im Fußballtennis ausspielen. In seinem Büro ein kurzer Blick auf Bild.de: »Jürgen Klopp kommentiert die WM bei RTL? Hat der in der Sommerpause nichts Besseres zu tun?« Bobic ist ein Kumpeltyp, dennoch strahlt er eine angenehme Bestimmtheit aus. Die braucht er auch, angesichts der hohen Erwartungen, die sie in Burgas an ihn knüpfen. Chernomoretz soll das Aushängeschild eines neuen bulgarischen Fußballs werden. Bobic wurde als Brückenkopf nach Westeuropa geholt. Durch seine Innovationen soll der Klub innerhalb der nächsten dreieinhalb Jahre internationales Niveau erreichen – sowohl sportlich als auch hinsichtlich seiner Strukturen. Deshalb macht Bobic bei Burgas das, was Klinsmann einst beim DFB vorhatte: Er dreht jeden Stein um.

Kumpeltyp mit angenehmer Bestimmtheit

Seine wichtigste Stütze in diesem System ist Krassimir Balakow, der als Manager englischer Prägung den Sportdirektor und Trainer in Personalunion gibt. Mitte der Neunziger hatte der Bulgare Bobic beim VfB Stuttgart mit genialen Pässen versorgt und damit zum neuen Stürmerstar gemacht. Als Balakow Anfang 2009 nach Burgas kam, griff er direkt zum Hörer: »Fredi, du musst kommen.« Denn es lag einiges im Argen. Im März begannen sie gemeinsam die Entrümpelungsaktion. Als Co-Trainer von Felix Magath in Stuttgart hatte Balakow eine Vision entwickelt, wie ein moderner Profiklub zu führen ist. Eine Idee, die er bei seinen ersten Stationen als Cheftrainer noch nicht umsetzen konnte. Die Funktionäre in Zürich und St. Gallen waren partout nicht bereit, Balakow mit ausreichend Machtfülle auszustatten.

2006 lernte er aber den bulgarischen Unternehmer Mitko Sabew kennen. Dieser hatte zwar keine Ahnung von Fußball, dafür war er fasziniert vom Sportbusiness. Mit Sabews Geld und Balakows Know-how träumten sie davon, einen ganz anderen bulgarischen Verein zu entwickeln. Ab März 2009 komplettierte Bobic das magische Dreieck 2.0 – und das Experiment nahm Fahrt auf...

Die vollständige Reportage über Fredi Bobic und sein Reformierung des bulgarischen Fußballs könnt Ihr in der aktuellen Ausgabe von 11FREUNDE lesen. Jetzt im Handel!

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