21.03.2014

Wie findet die Welt eigentlich die Bundesliga?

Bier, Hitler, FC Bayern

Wie bedeutend ist die Bundesliga im internationalen Vergleich? Während bei uns viele schon wieder von der besten Liga der Welt träumen, fristet die deutsche Eliteklasse in Fernost ein eher stiefmütterliches Dasein. Urlaubsimpressionen von Tim Jürgens.

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imago

Es ist ja allgemein verpönt, hierzulande Weltmachtbestrebungen zu äußern. Ist ja auch besser so. Nur beim Fußball gehen mit uns öfter mal die Gäule durch. Bis heute klingen mir die blechernen Stimmen der Sportreporter in den Ohren, die um die Wendezeit – und den Gewinn der WM 1990 in Italien – mit plärrendem Landserstolz verkündeten, die Bundesliga sei die stärkste Spielklasse der Erde. Mein Gott, was waren wir geil.

2013 brachen die Allmachtsphantasien wieder heraus

Bald darauf aber geriet die deutsche Eliteliga ins Hintertreffen. Der Bedeutungsverlust war grausam. Wie ein Fixer, der sehnsüchtig dem allerersten Schuss nachhängt, sehnten wir uns fortan nach der verlorengegangenen Hegemonie. In der Fünfjahreswertung der UEFA fiel die Bundesliga auf Platz vier zurück. Wir quittierten die Verbandsarithmetik mit stiller Depression – und in der Hoffnung, dass wir irgendwann in unseren rechtmäßigen Rang in der Weltspitze zurückkehren würden. Als 2013 nach der andauernden Dürre die Champions League plötzlich vom BVB und dem FCB dominiert wurde, brachen die unterdrückten Allmachtphantasien wieder heraus. Und obwohl im März 2014 in der Europa League kein deutscher Klub mehr vertreten ist und auch in der Königsklasse nur noch zwei Vereine mitspielen dürfen, lassen wir uns die gute Laune nicht vermiesen: Wir sind wieder wer! Wir sind oben, und selbst als wir unten waren, war unten irgendwie oben. Sollte jemand frech werden, lautet das Totschlagargument neuerdings: Aus welchem Land kamen 2013 die beiden Champions-League-Finalisten?

Wie furchtbar provinziell diese Perspektive ist, durfte ich soeben während eines Urlaubs in Fernost besichtigen. Schon während des Fluges berieselte mich ein Werbespot, der den Zuschauer in ein fiktives Fußballmetropolis entführt. Dort herrscht jedoch nicht etwa der amtierende Weltpokalsieger, sondern das Team des FC Barcelona. Gerard Pique spielt den Zöllner, Andres Iniesta malt in Jackson-Pollock-Manier mit Fußbällen Gemälde an öffentliche Wände und Carles Puyol mimt den Schutzmann der alte Omas rettet, indem er fallende Blumentöpfe aus der Gefahrenzone köpft.

 
 
 
 
 
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