Wie Felix Magath auf Schalke empfangen wurde

24 Days Later

Kein Jubel, keine Pfiffe: Die Fans des FC Schalke 04 sind schon in der Post-Magath-Ära angekommen und ignorieren den Ex-Trainer. Ihr Team fügt Felix Magath allerdings eine empfindliche Pleite zu. Wie Felix Magath auf Schalke empfangen wurde

24 Tage nur. 24 Tagen vor dieser Rückkehr hatte der FC Schalke 04 Trainer-Manager-Vorstand Felix Magath entlassen und ihm mehr oder minder Misswirtschaft und diktatorische Umgangsformen vorgeworfen. Der Bundesliga-Spielplan machte sich nun einen Spaß daraus, dass Magath an diesem Samstag mit seinem neuen Klub VfL Wolfsburg wieder vor seinen alten Fans vorspielen musste.

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War es nun ein Vorteil, dass Magath den Gegner so gut kannte, wie vielleicht noch nie ein Bundesliga-Trainer zuvor einen Gegner gekannt hatte? Oder sollte die Extra-Motivation der Schalker Spieler gegen ihren mehrheitlich unbeliebten Ex-Trainer den Ausschlag geben? Keins von beiden. Ein zähes, sehr mittelmäßiges Spiel wurde entschieden von einem Tor von José Manuel Jurado nach 76 Spielminuten, Schalke gewann 1:0 und setzt sich im Mittelfeld der Bundesliga fest. Während Felix Magath und seine Wolfsburger mit nur 28 Punkten weiterhin mitten im Abstiegskampf stehen.

Viele Spieler hätten in Angst gelebt

Einige Schalker Spieler hatten in den vergangenen Wochen von Psychodruck unter Magath, von Bevorteilung Einzelner, von einer spaßfreien Zeit im Allgemeinen berichtet. »Wir lachen wieder in der Kabine«, sagte Jefferson Farfan in der Sport Bild, es hätten »viele Spieler in Angst gelebt«, die Mannschaft habe »gelitten« und Magaths »unterschiedliche Behandlung» habe »uns als Gruppe kaputt gemacht«. Wie Farfan hatte auch Hans Sarpei, den Magath in die Reserve schickte, angekündigt, sich für die schlechte Behandlung zu rächen.

Die Stimmung auf dem Spielfeld war also abzusehen. Doch wie würden die Schalker unter den 60.000 Zuschauern in der Arena auf ihren umstrittenen früheren Trainer reagieren? Magath ließ sich vor dem Spiel nicht im Innenraum blicken, gab Interviews in den Katakomben. »Besonders ist natürlich die Kurzfristigkeit, mit der ich hierher zurückkomme. Es ist ja für mich nichts Ungewöhnliches, zu alten Vereinen zurückzukommen, aber jetzt ist Erinnerung noch frisch.«

Als wollten die Fotografen seine Mandeln ausleuchten

Die Zuschauer allerdings schienen sich kaum mehr zu erinnern. Als Magath zu Spielbeginn auf den Rasen kam, gab es kaum eine Reaktion. Weder positiv noch negativ. Es schien, als wären die Schalker durch das 5:2 im Champions-League-Viertelfinale in Inter Mailand längst in der Post-Magath-Zeit angekommen und kümmerten sich einfach nicht um ihn. Nur die Fotografen scharten sich um den Mann mit dem dunklen Anzug und der grün-weiß-gestreiften Krawatte. Sie drängelten sich im doppelten Dutzend um ihn und es schien, als wollten sie ihm mit ihren Objektiven die Mandeln ausleuchten. Auf die Frage, wie er die Atmosphäre empfand, sollte Magath nach dem Spiel wie immer etwas süffisant sagen: »Ich mach mir um das Umfeld nicht so viel Gedanken, ich muss mich um meine Mannschaft kümmern.«

In den ersten Minuten hatten die Spieler gleichmal ihre Pfründe abgesteckt. Es ging beherzt in die Zweikämpfe, und vor allem Farfan hatte sich merklich viel vorgenommen. Schon nach 1:22 Minuten ging für ihn ein großer Wunsch in Erfüllung, er lupfte bei der ersten Schalker Chance den Ball ins Tor. Allerdings stand der Peruaner dabei im Abseits. Immer wieder über Farfan kamen die Gastgeber über rechts nach vorne. Doch schon nach zehn Minuten setzen die Wolfsburger die Vorgaben ihres neuen Trainers Magath zusehends wirkungsvoll um.

Der hatte Farfan eigentlich eine Sonderbehandlung von Linksverteidiger Marcel Schäfer und sehr frühes Stören verordnet. Insgesamt wollte Magath seinen alten Schalkern den neuen Spaß am Fußballspielen gleich wieder verderben, in dem er harte Zweikämpfe verordnet hatte. 64 Prozent davon gewannen die Gäste bis zur Halbzeit, das entfaltete zusehends Wirkung. Wolfsburg stoppte die Schalker Kombinationen bald mühelos, vor allem Stürmer Edu verlor vorne jeden Ball. Die Wolfsburger offenbarten selbst auch kein schlüssiges Offensiv-Konzept, weshalb sich ein zähes Hin und Her entwickelte. Bemerkenswert jedoch auch hier die Reaktion des Schalker Publikums: Sie feuerten ihr Team weiter fröhlich an, verziehen Fehlpässe und ratloses Ballgeschiebe. Die Schalker Gemeinde hat durch den Trainerwechsel ihren Frieden gemacht mit ihrem Verein, ihrer Mannschaft.

Binnen der vergangenen 24 Tage haben Rangnick und Magath ihren neuen Mannschaften auch deutlich ihre Ideen vermitteln können. Magaths Schalker jagten ihre Gegenspieler über den Rasen, um nach Ballgewinn schnell und bisweilen hoch auf Grafite zu kontern. Rangnicks Schalker versuchten deutlich über Flachpass-Kombinationen sich nach vorne zu spielen.

Zurückhaltung bei Gesten gegen den Ex-Trainer

Dieser Plan gewann zunächst an Kraft durch die Einwechslung von Alexander Baumjohann in der Halbzeit. Auch den hatte Magath ja in der Reserve spielen lassen, doch schon in Mailand zeigte der Offensivspieler sein durchaus vorhandenes Können. In der turbulentesten Szene des Spiels hätte er sich fast an Magath revanchiert. Endlich kamen die Schalker nach 62 Minuten mal in den Strafraum, ein Schuss von Jurado wurde abgeblockt, ein zweiter Schuss von Baumjohann wurde abgeblockt, und der dritte Schuss wieder von Baumjohann landete an der Latte.

Noch immer jagten die Wolfsburger ihre Gegenspieler, doch bald schon entwischte ihnen wieder einmal der motivierte Farfan. Der stand am Strafraum, hätte selbst schießen können, bediente aber stattdessen per Außenrist den völlig freien Jurado, der per Linksschuss das 1:0 erzielte (76.). Magath versteinerte, Hans Sarpei stürmte als erster Gratulant heran, Farfan umarmte den Schützen als würde er einen nahen Verwandten zum ersten Mal seit Jahren wieder sehen. Ansonsten aber hielten sich die Schalker im Moment des Jubels mit Gesten gegen ihren Ex-Trainer zurück.

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