Wie feierten die Regionalligisten ihre Pokalsiege?

Der erlösende Schluck

Drei Regionalligisten schafften im DFB-Pokal die Sensation und zogen in die zweite Runde ein. Was ging danach bei ihnen ab? Wir fragten nach beim Berliner AK, TSV Havelse und bei Wormatia Worms.

Das erste Bier trank Henning Lichte erst einige Stunden nach dem Schlusspfiff. Der Kapitän des Regionalligisten Berliner AK öffnete es sich in der heimischen Küche. Natürlich hatte Lichte schon im Stadion Lust, mit seinen Kollegen anzustoßen. Daraus wurde nichts. Zur Halbzeit waren die Bierreserven im Poststadion aufgebraucht. Die Berliner Fans hatten ausgiebig auf ihren BAK, die 3:0-Pausenführung gegen die TSG Hoffenheim, die fast schon sichere Sensation im DFB-Pokal getrunken. »Ich hoffe, dass es in der zweiten Runde mehr Bier im Stadion gibt«, sagt Lichte. Und ergänzt lachend. »Natürlich für unsere Fans.« Damit sie im Falle eines Falles auch nach Schlusspfiff standesgemäß feiern können.




Der Berliner AK hat für eine der größten Pokalsensationen der vergangenen Jahre gesorgt. Mit 4:0 fegten die Hauptstadt-Kicker die Hoffenheimer vom Platz. Dass die Berliner nach diesem Triumph zunächst auf Bier verzichten mussten, fiel ihnen im ersten Moment kaum auf. »Nach so einem Sieg will plötzlich jeder etwas von einem. Das kennt man ja nicht aus dem Alltag. Wir hatten einen Interviewmarathon zu absolvieren«, erläutert Lichte. »Und danach mussten wir ja auch noch auslaufen.« Trainer Jens Härtel schickte seine Spieler nach kurzer – alkoholfreier – Feierpause zurück auf den Platz. Den trainingsfreien Sonntag mussten sich die Berliner erst noch verdienen. Wohin es später gehen würde, stand bereits fest.

Rocco Teichmann hatte den Erfolg seiner Kollegen 90 Minuten lang von der Bank beobachtet. Der Abwehrspieler nutzte die Zeit, um einen Partyplan zu schmieden. Direkt nach Schlusspfiff reservierte Teichmann der Mannschaft einen abgesperrten Bereich in der Wilmersdorfer Nobeldisco »Maxxim«. Bis vier Uhr soll die Party gegangen sein. Lichte zog noch weiter. »Wann ich zu Hause war? Gute Frage, ich weiß es nicht mehr«, versagt später sein Erinnerungsvermögen. Seine Freundin hilft ihm auf die Sprünge. »Wir waren etwa um 6 Uhr daheim.« Dann war der Pokaltraum vorbei. Zumindest bis zur zweiten Runde.

Kein Stress auf der Arbeit

Für Tim Bauer fiel eine rauschende Feier aus. »Wir hatten nicht das Glück, samstags zu spielen«, sagt der Mann, der beim 2:1 von Wormatia Worms gegen Hertha BSC das 1:0 geschossen hatte. »Die meisten von uns mussten am Montag wieder arbeiten. Außerdem spielen wir am Mittwoch schon wieder gegen Ulm in der Regionalliga.« Nach ein paar Bier in der Kabine gingen die meisten nach Hause. So wie Bauer. »Wir waren eben richtig kaputt.« Als um 18 Uhr die Höhepunkte der Pokalspiele im Fernsehen gezeigt wurden, saß der 28-Jährige zu Hause vor dem Fernseher. Statt den Erfolg zu begießen zog er es vor, den Moment zu genießen. Bauer nahm alles mit, was es vom Wormser Triumph im Fernsehen zu sehen gab. Mit dem Auftritt seiner Kollegen Sandro Rösner, Kevin Knödler und Wormatia-Trainer Ronny Borchers in der SWR-Sendung »Fluchtlicht« als Höhepunkt.



Als Torhüter Knödler nach der Sendung nach Hause kam, war es bereits 1 Uhr. Um 8.30 Uhr musste er wieder auf der Arbeit sein. Der 36-jährige Torhüter bildet bei SAP Mitarbeiter durch Schulungen weiter. Die standen am Tag nach dem Triumph nicht im Vordergrund. »Wenn selbst der Chef an einem vorbeigeht und aufgeregt fragt, wie sich so ein Sieg gegen Hertha angefühlt hat, weiß man, dass man sich heute nicht so sehr auf der Arbeit stressen muss«, erklärt Knödler. Dass er kaum fünf Meter gehen konnte, ohne auf das Spiel angesprochen zu werden, war eine weitere schöne Begleiterscheinung. »Wenn sich andere dafür interessieren, was du tust, macht der Fußball besonders Spaß.«

Das lange Warten auf das Maschseefest

Patrick Posipal vom TSV Havelse weiß, wovon Knödler spricht. Für den 24-Jährigen, der mit dem TSV Havelse den 1. FC Nürnberg nach Verlängerung mit 3:2 bezwang, war der Sonntag ähnlich rasant. Nach dem Sieg folgten die Interviews am Spielfeldrand und eine kurze Kabinenfeier. Für Posipal war sie noch kürzer als für die Kollegen. Er folgte dem Ruf des MDR, um im Fernsehen den Sensationssieg zu erklären. Dass sich die Medien um ihn rissen, überraschte kaum. Jupp Posipal, der Großvater des Sportmanagement-Studenten, wurde 1954 mit Deutschland Weltmeister. Eine familiäre Verbindung, die anlässlich des Nürnberg-Spiels 58 Jahre oft gezogen wurde. Genervt hat das den Enkel nie. »Ich bin stolz auf das, was mein Großvater geleistet hat. Wenn mich jemand danach fragt, antworte ich gerne.« Ausführliche Auskünfte kann er zum Opa allerdings kaum geben. Als Jupp Posipal 1997 starb, war Patrick gerade einmal zehn Jahre jung.

Seine Pflichten hatte Posipal erst am späten Abend erfüllt. Die Kollegen warteten bereits auf dem Maschseefest in Hannover, wo der TSV im großen Partyzelt eine Ecke für sich angemietet hatte. »Wir wären dort auch hingegangen, wenn wir verloren hätten, um die Teilnahme am DFB-Pokal zu feiern.« Das Maschseefest zählt zu den größten Feiern Norddeutschlands, es geht insgesamt drei Wochen und lief am Sonntagabend aus. Havelse liegt als Teil der Stadt Garbsen direkt neben Hannover, doch für Posipal und Co. war ein Party-Ausflug in den vergangenen Wochen tabu gewesen. »Wir mussten uns ja auf das Spiel vorbereiten.« Mit dem 3:2-Sieg im Rücken genossen sie den Ausklang des Festes umso mehr, erst nach 4 Uhr machten sich die letzten Spieler auf den Heimweg. Das Warten auf das erlösende Bier hatte sich gelohnt.

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