Wie einsatzbereit ist Bastian Schweinsteiger?

In Ehren ergraut

Sein Spiel wirkt erhaben, unantastbar, dominant - wenn er fit ist. Vor dem Halbfinale gegen Brasilien ringt Bastian Schweinsteiger um Konstanz.

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Bastian Schweinsteiger tat das, was ein Spieler auf seiner Position tun sollte, bevor der Ball kommt. Er scannte die Umgebung, blickte einmal konzentriert nach links, drehte den Kopf und blickte konzentriert nach rechts. Bastian Schweinsteiger saß im Pressezelt der Nationalmannschaft in Santo André, es war Tag 29 der deutschen Fußballer auf der Insel an der Atlantikküste - und Schweinsteiger musste sich erst einmal ein Bild von der ungewohnten Umgebung machen. Der Münchner, 29 Jahre alt, 106 Länderspiele, Vizekapitän der Nationalmannschaft, gilt immer noch als Wortführer innerhalb des Teams, doch in der Öffentlichkeit ist zuletzt der Eindruck entstanden, als hätte er seine Stimme verloren. Vier Wochen hat Schweinsteiger geschwiegen. Bis zum gestrigen Sonntag.

»Ich sprech' die Dinge lieber intern an«

Einmal, nach dem Vorrundenspiel gegen Ghana und seinem ersten Einsatz bei der Weltmeisterschaft in Brasilien, zog Schweinsteiger seinen Rollkoffer durch die Mixed-Zone, den offiziellen Kontakthof für Spieler und Journalisten. Einen Schritt hinter ihm lief sein Münchner Vereinskollege Mario Götze. Wann immer Schweinsteiger angesprochen wurde und fast unmerklich seinen Kopf schüttelte, konnte sich Götze ein schadenfrohes Lachen nicht verkneifen. Was ist los mit ihm, fragten sich die Journalisten: Hadert er mit seiner Rolle als Joker und Wackelkandidat? Ist er sauer auf die Medien? Fühlt er sich ungerecht behandelt? »Ich habe mich mehr darauf konzentriert, fit zu sein und gesund zu werden«, sagt Schweinsteiger nun also. »Ich bin nicht so der Freund von viel Drumherumreden. Ich sprech' die Dinge lieber intern an.«

Zehn Jahre ist es her, dass Schweinsteiger, damals noch in der Rolle des lustigen Schweini, sein erstes Turnier mit der Nationalmannschaft bestritten hat; zwei Jahre später, bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land, gab er mit seinem Kumpel Lukas Podolski das lustigste Duo des deutschen Fußballs seit den 74ern WM-Maskottchen Tip&Tap; doch während Podolski stets der alberne Poldi geblieben ist, der immer noch durch die Mixed-Zone läuft und bei Interviews seiner Kollegen wie ein Pferd wiehert, hat sich Schweinsteiger mehr und mehr mit einer Aura der Ernsthaftigkeit umgeben. Er ist gewissermaßen in Ehren ergraut.

Ist Schweinsteigers WM grau oder bunt?

Sein Imagewandel wird auch durch seine neue Rolle auf dem Platz unterstrichen. Aus dem Wusler von der Außenbahn ist der Stratege in der Mitte geworden. Schweinsteiger gefällt sich auch auf dem Feld als Staatsmann: erhaben, unantastbar, dominant - so ist sein Spiel in den guten Momenten. In den schlechten hingegen wirkt es inzwischen leicht ergraut. »Wir haben alle ein bisschen Farbe bekommen«, sagt Schweinsteiger über die vier Wochen in Brasilien. Doch ob die WM 2014 für ihn einmal bunt schillern oder in der Erinnerung eher grau daherkommen wird, das ist noch nicht abschließend geklärt.

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