Wie ein wilder Stier: Best of Romario

»Pelé redet nur Scheiße«

Für die aktuelle Ausgabe von 11FREUNDE trafen wir Romario, Brasiliens WM-Held von 1994, um mit ihm über seine neue Passion zu sprechen: die Politik. Lest hier die kuriosesten Anekdoten aus der langen Karriere Romarios: von Drogenbaronen, unehelichen Kindern und 1000 Toren.

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Fast wäre die Karriere des Fußballer beendet gewesen, bevor sein Leben überhaupt begonnen hätte: Am 29. Januar 1966 kam Romario in einer Favela Rio de Janeiros zur Welt, bei seiner Geburt wog er lediglich 1,8 Kilogramm und litt unter Atemnot. Mit Glück überlebt der Winzling die ersten Tage.

Wie und wo hat Romario seine Angebetete Monica 1990 zur Frau genommen? Selbstverständlich im Strafraum eines Fußball-Platzes. Des Priesters Helfer hatten dafür extra einen Altar auf den Rasen schleppen müssen.

In den frühen neunziger Jahren unvorstellbar: Dass es ausgerechnet Romario mal auf die politische Bühne treiben würde. Denn ein Diplomat war der Brasilianer eigentlich nie. Seinen Trainer Guus Hiddink beim PSV Eindhoven bezeichnete er als »Dummkopf«, die medizinische Abteilung als »absolut unfähig«, seine Mitspieler als »Arbeitspferde« und Brasiliens Fußball-Heiligen Pelé als »geistig zurückgeblieben«. Pelés Reaktion war dann allerdings ein Lehrbeispiel in Sachen angewandter Diplomatie: »Ich bin ein wirklicher Fan von ihm!«

Schon 1985, bei der Junioren-WM in der Sowjetunion, hatte der damals 19-jährige Romario für einen Skandal gesorgt, als er aus seinem Hotelzimmer heraus voller Inbrunst Passanten angespuckt hatte. Folge: Die brasilianischen Offiziellen schickten den Stürmer nach Hause. Brasilien holte auch ohne Romario den Titel.

Im Mai 1994 entführte eine kriminelle Bande den Vater von Romario und forderte sieben Millionen Dollar Lösegeld. Romario reagierte prompt in einem offenen Brief an die Entführer und drohte damit, nicht für sein Heimatland bei der anstehenden WM aufzulaufen, falls sein alter Herr nicht bald wieder auf freiem Fuß sein sollte. Das zeigte Wirkung, mehr als 1000 Polizisten meldeten sich freiwillig zur Suche, selbst Drogenbarone schickten ihre Schergen los. Kurz darauf wurde Romario Senior freigelassen.

Herrliche Ausrede des trainingsfaulen Romario, warum er immer wieder Übungseinheiten seines Klubs und der Nationalmannschaft schwänzen würde: »Das ist für mich nur Kalorienverschwendung.« Ihr Faulpelze der Gegenwart: Schneidet euch eine Scheibe ab. Aber nicht zu viel. Wäre sonst, richtig, Kalorienverschwendung.

Kurz vor der WM 1994 überschlugen sich die deutschen Experten mit ihren Lobeshymnen auf Romario. Franz Beckenbauer verglich Romario mit Gerd Müller und Karl-Heinz Rummenigge sah in dem klein gewachsenen Angreifer eine Mischung aus »Gerd Müller, Johan Cruyff und George Best«.

Im Vorfeld der Weltmeisterschaft in den USA zahlte eine brasilianische Brauerei viel Geld, um die Stars Rai, Bebeto, Zinho und Romario für einen Werbespot abzulichten. Zum verabredeten Zeitpunkt tauchten alle Spieler auf – bis auf Romario. Der hatte die Nacht durchgesoffen und war noch nicht aufnahmefähig. Der Dreh musste um einen Tag verschoben werden.

Immerhin: Romario war sich während des Turniers nicht zu schade, jedes seiner Tore auf ein- und dieselbe Art zu feiern – mit einem erhobenen Zeigefinger, der einen durstigen Kunden an den Theke imitieren sollte. Besagte Brauerei hatte ihm eine ordentliche Stange Geld für die die vorgefertigte Freude überwiesen.

In einem Interview mit dem »Kicker« verfasste Romario einst ein einleuchtendes Jobprofil: »Ich bin Mittelstürmer. Das Einzige, was ich zu tun habe, ist Tore schießen. Nicht mehr und nicht weniger. Etwas Einfacheres gibt es nicht.«

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