13.03.2014

Wie ein wilder Stier: Best of Romario

»Pelé redet nur Scheiße«

Seite 2/3: »Wenn ich abends nicht ausgehe, schieße ich keine Tore!«
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Zitat im »Spiegel« vom 20. Juni 1994: »Wird Brasilien aber dennoch wieder nicht Weltmeister, ist immerhin schon ein Nachfolger für Romario gefunden. Ein gewisser Ronaldo Luis Nazario de Lima, der ›neue Pelé‹, melden brasilianische Reporter, hat in 57 Jugendspielen 59 Tore geschossen. Er ist 17 Jahre alt und trägt eine Zahnspange.«

Wie heißt noch mal der Sohnemann von Romario? Genau: Romarinho.

Bei der Geburt seines Sohnes weilte Romario übrigens gerade im Heimaturlaub in Brasilien. Seine Gattin Monica brachte das Kind in Barcelona zur Welt. Weil der werdende Vater allerdings keine Anstalten machte, die Niederkunft seiner Frau als Anlass zu nehmen, den Urlaub vorzeitig abzubrechen, kümmerte sich sein Sturmpartner Hristo Stoitchkov samt Ehefrau um die hochschwangere Monica. Als Romario Tage später in Barcelona landete und Stoitchkov am Flughafen nach dem Befinden seines Nachkommen fragte, gab der zu Protokoll: »Er ist jetzt schon größer als du.«

Stoitchkov und Romario bildeten jahrelang ein unberechenbares Sturmduo in Barcelona, und entwickelten auch außerhalb des Platzes eine enge Bindung. Romario: »Ich nenne ihn liebevoll ›el gitano‹ – den Zigeuner

Muss man auch erstmal schaffen: In einem Benefizspiel eine Schlägerei anzuzetteln. 1994, Romario hatte gerade den WM-Titel gewonnen, bat der Stürmer zu einem Spielchen zwischen »Romario and Friends« gegen eine Oldie-Auswahl aus Rio de Janeiro. Das wollte Mauro, ein ehemaliger Mitspieler Romarios, nutzen, um seinen alten Weggefährten persönlich zu begrüßen. Romario reagierte nicht gerade freundlich und schmiss Mauro aus der Kabine. Was den wiederum so im Stolz kränkte, dass er Romario noch vor dem Anpfiff die Faust aufs Kinn rammte. Was wiederum Romario zum Anlass nahm, seinen Urlaub um genau 23 Tage zu überziehen.

Es hat eben jeder Mensch einen anderen Lebensrythmus. Während seiner Zeit beim FC Barcelona legte Romario sehr viel Wert auf eine ausgiebige Siesta, durchschnittliche Dauer: vier Stunden. Die überschüssige Energie ließ das Feierbiest erst nach Einbruch der Dunkelheit ab. Zitat Romario: »Wenn ich abends nicht ausgehe, schieße ich keine Tore!«

1995 war Romarios Zeit beim FC Barcelona plötzlich sehr schnell beendet, der »Weltfußballer des Jahres« von 1994 wechselte zu Flamengo Rio de Janeiro. Weil er sich aufgrund seiner Unpünktlichkeit mit Trainer Johan Cruyff überworfen habe, meinten die einen. Weil Spaniens Schlagerstar Sonia Moorig ein uneheliches Kind von dem Brasilianer erwarte, raunten die anderen. »Der Wunsch nach meiner Rückkehr stand dem brasilianischen Volk ins Gesicht geschrieben«, erklärte der Spieler selbst.

Kurz nach seinem Wechsel in die Heimat ging Romarios Ehe mit Monica in die Brüche, was die Gerüchteküche der Klatschpresse in wilde Betriebsamkeit versetzte. Nahezu täglich wurden dem Stürmer nun Techtelmechtel mit einheimischen Schönheiten angedichtet, Romario selbst tat einiges dafür, um die Küche mit Zutaten zu versorgen. Grund für den Testosteronüberschuss des neuen Flamengo-Stars soll eine Aussage von Renato Gaucho, seines Zeichens Vorzeigespieler von Ligakonkurrent Fluminense, gewesen sein. Der habe Romario in einem beliebten Szenelokal vor versammelter Gästeschar verhöhnt und behauptet, wesentlich mehr Chancen bei den Damen zu haben als der Weltmeister. Romario habe die Herausforderung angenommen. Schwanzvergleich im ganz großen Stil.

1996 verließ Romario Flamengo wieder. Um beim FC Valencia anzuheuern. Dort flog er nach fünf Spielen (vier Tore) wieder raus. Und wurde Spieler von Flamengo. 1997 verließ Romario Flamengo wieder. Um beim FC Valencia anzuheuern. Den er nach sechs weiteren Spielen (ein Tor) erneut verließ. Um bei Flamengo anzuheuern. In Spanien hatte es sich der Mittelstürmern endgültig verhagelt, nachdem er sich zunächst wegen einer Halsentzündung hatte krankschreiben lassen, nur um kurz darauf zu später Stunde in einer Kneipe beim Hüften schmeißen abgelichtet zu werden. Brandbeschleuniger-Kommentar von Romario nach Kritik der Kollegen: »Meine Mitspieler können mich mal. Die Nacht war schon immer meine Freundin. Wenn ich ausgehe, tanze ich mit den Beinen und nicht mit dem Hals. Ich trinke keinen Alkohol und rauche nicht. Der Hals ist also überhaupt nicht betroffen!«

Weil ihn Trainer Mario Zagallo kurz vor der WM 1998 aus dem Kader strich, reagierte der völlig aufgelöste Romario (»Der schlimmste Moment meiner Kariere!«) auf seine Weise – und ließ Karikaturen anfertigen, die Zagallo mit herunter gelassener Hose auf dem Klo zeigten. Damit nicht genug: Diese Zeichnungen hängte Romario in der Herrentoilette seines Cafés (einfallsreicher Name: »Das Tor-Café«) auf und zeigte das stolz Fotografen aus aller Welt. Zagallo war so wütend, dass er seinen Ex-Schützling verklagte und Recht bekam. Die Strafe: Knapp 450.000 Euro Schadensersatz.

 
 
 
 
 
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