Wie ein Schiedsrichter auf einer Briefmarke landete

Peter Hertel: »Ich war ja nicht prominent«

Der Kreisliga-Schiedsrichter Peter Hertel aus Brandenburg wurde in Norwegen zum Star. Weil sein Gesicht auf Millionen Briefmarken gedruckt wurde – aus Versehen. Hier erinnert er sich an seine Tage des internationalen Ruhms. Wie ein Schiedsrichter auf einer Briefmarke landeteMario Wagner
Heft#110 01/2011
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Es gibt einige berühmte Fußballer, die es auf eine Briefmarke geschafft haben. Aber Schiedsrichtern wird diese Ehre selten zuteil. Insofern bin ich natürlich stolz, dass ich das erreicht habe, wenn auch nur aus Versehen.

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Eigentlich wollte die norwegische Post 2002 zum 100. Geburtstag des Fußballverbandes eine Sondermarke mit dem Porträt ihres einheimischen Referees Lars Johan Hammer herausbringen. Doch als die 5,50-Kronen-Marke in Anwesenheit des Kollegen und seiner Verwandtschaft feierlich präsentiert wurde, stellte der leider fest, dass er gar nicht der abgebildete Mann war. Er trug ja auch weder Brille noch Bart. Ich schon! Der Typ auf der Jubiläumsmarke war ich! Peter Hertel! Kreisligaschiedsrichter der SG Borussia Fürstenwalde in Brandenburg!

Die Post schrieb von einem »bedauerlichen Zwischenfall«

Als ein Journalist mir am Telefon in einer Mischung aus Englisch und Norwegisch zu verstehen geben wollte, dass ich auf eine norwegische Briefmarke geraten sei, glaubte ich zunächst an einen Scherz. Wie wollte er mich überhaupt gefunden haben? Ich war ja nicht gerade prominent ... Aber nachdem die norwegische Post den »bedauerlichen Zwischenfall« eingeräumt hatte, wurde in einer Osloer Zeitung ein Bild von mir veröffentlicht, unter der Überschrift: »Gesucht wird ...«.

Letztlich kam man durch einen Schiedsrichter auf meine Spur, der mich von einem gemeinsamen Turnier her kannte. Ich hatte 1997 am »Norway Cup« teilgenommen. Bei diesem weltgrößten Jugendturnier pfiffen 400 Schiris, und ich gehörte zu den sechs ausländischen. Offensichtlich wurde ich dort, ebenso wie Lars Johan Hammer, fotografiert, und die Fotos wurden später vertauscht. Dabei hatte ich gar keine Ähnlichkeit mit dem norwegischen Kollegen! Außerdem war auf dem Foto doch deutlich zu erkennen, dass ich ein deutsches Schiri-Trikot trug, noch dazu mit einem Brandenburger Emblem darauf! Aber als die norwegische Post das vertauschte Foto zur Kontrolle an Lars Hammer faxte, hat der wohl nicht so genau draufgeschaut. Jedenfalls hat er es abgenickt.

Es folgten Einladungen von Stefan Raab und Günter Jauch

Der norwegischen Post war das extrem peinlich, aber sie fragte mich, ob sie die Millionenauflage trotzdem drucken dürfe, wegen der bereits entstandenen Kosten. Ich sagte ja, aber der Herr Hammer soll darüber wohl nicht so begeistert gewesen sein. Nach dieser verrückten Geschichte bekam ich etliche Einladungen ins Fernsehen, unter anderem von Stefan Raab und Günter Jauch. Auch zahlreiche ausländische Zeitungen berichteten über den Fall. In der norwegischen Botschaft in Berlin bekam ich sogar feierlich einen Ersttagsbrief mit der Unterschrift des Fußballpräsidenten und einen Scheck als kleine Entschädigung überreicht. Und nicht zu vergessen: Die Post schenkte mir einen dicken Stapel Briefmarkensätze mit den, nun ja, Fehldrucken.

Heute pfeife ich immer noch im Spreekreis zwei bis drei Spiele am Wochenende und bin als Schiedsrichteransetzer tätig. Aber mittlerweile sind die Zeiten vorbei, in denen mir die Zuschauer aus Flachs zugerufen haben: »Hey Briefmarke!« Ich habe zwar noch etliche von »meinen« Briefmarken zu Hause im Wohnzimmerschrank, aber ein paar habe ich auch für fünf Euro pro Block verkauft. Ich selbst war ja ohnehin nie Briefmarkensammler. Und dennoch wurde ich nach der Geschichte mit den Norwegern vom Deutschen Philatelistenverband hin und wieder mal zu Sammlermessen in Berlin und Leipzig eingeladen, quasi als eine Art Stargast. Verrückt. Ich glaube, ich bin immer noch der einzige deutsche Schiri auf einer Briefmarke. Kann sein, dass Markus Merk von der Deutschen Post dafür vorgesehen ist. Verdient hätte er es auf jeden Fall

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