Ein Greis versöhnt Essen und Schalke
09.03.2014

Wie ein Greis Essen und Schalke versöhnt

Dat is unsa Oppa!

95 Prozent Hass stehen zwischen Schalke 04 und Rot-Weiss Essen. Behaupten wir jedenfalls in unseren neuen 11FREUNDE-Spezial »Rivalen an der Ruhr«. Doch es gibt einen Mann, der die großen Rivalen versöhnt. Sein Name: Oppa Pritschikowski, pardon: Oppa Luscheskowski.

Text:
Ron Ulrich und Dirk Gieselmann
Bild:
Jens Nieth

Das Ruhrgebiet – das ist Maloche, Currywurst und wenig Platz. Fünf Millionen Menschen leben hier auf nur 4500 Quadratkilometern, in Städten, die zu einer einzigen Riesenstadt zusammengewachsen scheinen. Doch innerhalb seiner Grenzen gibt es etliche Demarkationslinien: Hinterm Gartenzaun ist Feindesland. Fußball ist Religion im Pott, und Religion führt zu Konflikten.

Die Rivalität zwischen Schalkern und Dortmundern gehört längst zur Bundesligafolklore. In Gelsenkirchen verscheucht man gern mal eine Biene vom Butterkuchen, weil sie ja schwarz-gelb ist. Aber zwischen diesen Städten liegen immerhin 40 Kilometer, genug Raum, um sich aus dem Wege zu gehen. Gelsenkirchen und Essen jedoch gehen direkt ineinander über – da kann man froh sein, wenn einen überhaupt noch ein Zaun vom verhassten Nachbarn trennt.

Sogar eine Ikone teilt man sich

Die Stimmung an der A 40 war nicht immer feindselig. Im Gegenteil. Früher ging man samstags in die Schalker Glückauf-Kampfbahn und am Sonntag an die Hafenstraße zu Rot-Weiss, schiedlich-friedlich. Sogar eine Ikone teilte man sich: Der inzwischen wegen seiner nationalsozialistisch belasteten Vita in Misskredit geratene Fritz Szepan gründete in den dreißiger Jahren den Schalker Kreisel, 1955 führte er RWE als Trainer zur Deutschen Meisterschaft.

Doch 1971 zerriss das Band der Freundschaft, es war das Jahr des Bundesligaskandals. Spiele waren verschoben worden, auch Profis des FC Schalke gehörten zu den Tätern. Während ihr Verein aber im Oberhaus blieb, stiegen die unschuldigen Essener ab. Noch 40 Jahre danach halten sie die Tatsache, dass sie vier Ligen unter dem Erzrivalen spielen müssen, für eine historische Ungerechtigkeit.

Zerkratzter Lack in Essen

Der Schalker Klaus Fichtel wurde damals wegen Manipulation verurteilt. In den letzten Jahren arbeitete er als Scout für seinen alten Klub, auch auf den Tribünen an der Hafenstraße. Im Feindesland. »Das war für mich nie angenehm«, sagt er. »Als ich einmal das Stadion mit meinem Auto verließ, kamen RWE-Fans vorbei und zogen einen Schlüssel an der Wagentür entlang.« Essen gegen Schalke – für Liebhaber von Krawall und Remmidemmi das einzig wahre Revierderby. Die Sicherheitsexperten des DFB verfolgen jede Pokalauslosung mit Angstschweiß auf der Stirn – im Falle eines Aufeinandertreffens dürfte mehr zu Schaden kommen als nur Fichtels Lack.

 
 
 
 
 
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