Wie ein Fußballer seine Liga in den Wahnsinn trieb

Cowboy, Telefon!

Ein Spieler wird entlassen, weil er mit einem Ball eine Geburt nachstellte, mit Cowboyhut auflief oder Telefonanrufe auf dem Spielfeld annahm. Wir trauern.

imago

Es heißt, dem Fußball gehen die Typen aus. Profis, die nicht von Spiel zu Spiel, sondern auch mal um die Ecke denken. Spieler, die etwas Überraschendes machen. Man muss sich ja nicht gleich die Hosen in einer Hotellobby runterlassen. Nur ein bisschen mehr Eric Cantona, ein bisschen weniger Philipp Lahm – das wäre im schablonisierten Fußballgeschäft manchmal ganz schön.
 
Brian Garruto war auf einem guten Weg, ein Protagonist in Cantonas »Rebellen«-Reihe zu werden. Zumindest in den sozialen Medien stieg er in den vergangenen Tagen zu einer Art Anti-Superheld auf, der sich den Fesseln des turbokapitalistischen und gefräßigen Leistungsfußballs entledigt hatte und sich offenbar auf einem Feldzug für das Anarchische und Spontane im Spiel befand.
 
Es fing damit an, dass die Nachricht seiner Fußballliga, der »U17/18 Co Ed Soccer League«, auf Twitter postete. Sie beginnt mit dem Satz:
 
»Wir haben dich aus unserer Liga ausgeschlossen. Wir haben dich mehrmals gewarnt, aber anscheinend akzeptierst du immer noch nicht unsere Autoritäten.«

»Auf dem Platz einen Telefonanruf getätigt«
 
Darunter folgt eine Auflistung von Vergehen, die sogar Wolfram Wuttke ein anerkennendes Nicken abgerungen hätten und die an einigen Stellen eher an ein verschwundenes Skript zu »Die nackte Kanone« erinnern als an ein Fußballspiel. Der erste Eintrag lautet etwa:
 
»6. Dezember 2015: Während des Spiels auf dem Platz einen Telefonanruf getätigt.«
 
Etwas unscheinbarer folgt danach ein Vergehen, das zeigt: Garruto ist einer von uns. Ein Kind der Achtziger. Einer, der eine Zeit herbeisehnt, als Spieler Spitznamen wie »Eisen Karl« oder »Die Axt« trugen, mit heruntergelassenen Stutzen spielten und auf ihren Füßen Pflastersteine jonglieren konnten. Er lautet: »Refusing to wear shinguards«. Geweigert, Schienbeinschoner zu tragen.


Brian Garruto, rechts, Bild: Facebook
 
Auch eine Woche später, am 13. Dezember 2015, verzichtete Garruto auf die Schonbeinschoner. Dafür soll er in einer Situation den Ball unterm Trikot versteckt haben und dann ins Tor gerannt sein. (»Running into goal while hiding ball in shirt«).
 
Garrutos bester Auftritt folgte aber am 17. Dezember, als er sich auf die Auswechselbank des Gegners setzte und während des Spiels einen Cowboyhut trug. Warum sich die Liga-Obereren darüber echauffieren, bleibt ein Rätsel. Jupp Heynckes trug früher Zylinder, Rudi Völler war bei der WM in Mexiko beinahe täglich mit Sombrero unterwegs, und Ottmar Hitzfeld setzte sich 1997, ganz General, eine Pickelhaube auf.

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