Wie ein Fußballer für einen Profivertrag seine Vita fälschte

Der Mann, der niemals spielte

Wisla Krakau suchte händeringend nach neuen Spielern. Wie gerufen kam da die Bewerbungs-DVD des rumänischen Mittelfeldspielers Sorin Oproiescu. Das Dumme nur: Der Spieler war gar kein Profi – er hatte einfach seine Vita gefälscht.

Der weiße Stern im Wappen des polnischen Erstligisten Wisla Krakau zeugt von einer glorreichen Vergangenheit. 13 Meisterschaften, davon acht seit 1999, vier Pokalerfolge und einen Superpokal konnte der Traditionsverein aus der einstigen Residenzstadt der polnischen Könige bisher sammeln. Doch von dem Glanz vergangener Tage ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Nachdem Wisla 2011 gegen den zyprischen Meister APOEL Nikosia zum wiederholten Male in der Champions-League-Qualifikation scheiterte, verlor Klubeigner Boguslaw Ciupal sein Interesse an dem teuren Spielzeug. Der laut Forbes neuntreichste Pole drehte kurzerhand den Geldhahn zu. Seitdem hat Wisla in der Liga mit dem Mittelmass zu kämpfen und in der Bank mit leeren Konten.

Der ehemalige Jugendnationalspieler?
 
Wie gerufen kam in dieser schweren Situation eine DVD, die im Sommer 2013 auf dem Schreibtisch der Verantwortlichen landete. Perfekte Ballannahme, Pässe mit dem Außenrist, gute Raumübersicht, Zweikampfstärke, Drang zum Tor und dies auch noch mit erfolgreichem Abschluss. Sorin Oproiescu, der sich mit dem Video bewarb, schien tatsächlich was zu können. Und das Beste: Der rumänische Mittelfeldspieler, der laut seiner Vita unter anderem bei Politehnika Timisaora kickte sowie den rumänischen U-17 und U-19 Nationalmannschaften, war ablösefrei. Nach einem Jahr beim saudischen Erstligisten Hajer FC wolle Oproiescu wieder auf dem europäischen Kontinent gegen den Ball treten. So hieß es jedenfalls in den nach Krakau zugeschickten Unterlagen, die Wisla veranlassten, den 25-jährigen Oproiescu zu einem Probetraining inklusive Testspiel einzuladen.

Kurz darauf berichtete auch die polnische Presse über den rumänischen Gastspieler. Es gibt zwar nicht viele Quellen im Internet, doch ein englischsprachiger Wikipedia-Artikel, ein Profil bei »football-talents.co.uk«, einige Fotos, die Oproiescu im Trikot von Timisoara und beim Training zeigen, ein Profil bei LinkedIn, laut dem Oproiescu neben seiner Fußballkarriere auch ein Wirtschaftsstudium abschloss, und ein Twitter-Account des »Professional Football Players«, bei dem noch nie gezwitschert wurde, reichten aus, um einige Berichte über den jungen Rumänen zu verfassen.

Dass man dabei auch auf einige rumänische Artikel von 2012 stieß, in denen verwundert von einem Transfer eines »Nobody« nach Saudi-Arabien berichtet wird, schien die Journalisten nicht besonders zu stören. Den Widerspruch überdeckten sie mit einem Youtube-Filmchen, auf dem die schon beschriebenen Fähigkeiten Oproiescus zur Musik von Rihanna präsentiert werden.

Ein seltsames Video
 
Der von den polnischen Journalisten verlinkte Film machte jedoch einen Wisla-Anhänger neugierig. Der Fan ist in einem Portal unter dem Pseudonym »K4millo« aktiv, und je öfter er sich den Film anschaute, desto mehr Unstimmigkeiten fielen ihm auf. Die Trikots des beworbenen Spielers hatten nichts mit den Vereinsfarben von Politehnika Timasoara zu tun. Auch die serbischsprachigen Transparente auf den Tribünenzäunen passten nicht zu einem Spieler, der laut eigener Vita niemals in Serbien gespielt hat. Und warum war der gepriesene Kicker gelegentlich kleiner als in den vorherigen Szenen? Und dann noch der Autor des Films: »sorinely007«! Das kam ihm alles etwas spanisch vor. Und siehe da, nach etwas intensiverer Recherche fand »K4millo« heraus, dass es sich bei dem Spieler im Film nicht um Sorin Oproiescu handelt, sondern größtenteils um den serbischen Profi Branko Ostojic, der in diesem Sommer von Serbien nach Griechenland wechselte.

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