Wie ein chinesischer Investor ADO Den Haag in den Ruin treibt

Warten auf Wang

Vor 13 Monaten feierten die Anhänger von ADO Den Haag die Übernahme ihres Vereins durch einen chinesischen Investor. Nun droht dem Klub die Insolvenz. Wie konnte es dazu kommen?

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Wang ist nicht da. Nicht, dass er erwartet worden wäre, hier, am Stadtrand von Den Haag, an diesem eisigen Samstagabend, zwischen Autohäusern und Lagerhallen. Herr Wang kommt schon lange nicht mehr hierher, in das Stadion von ADO Den Haag – in dieser Saison blieb sein Platz auf der Ehrentribüne bei jedem Spiel leer. Auch dieses Wochenende Anfang Februar, an dem der Verein gegen Roda Kerkrade um Punkte gegen den Abstieg kämpft, wird Hui Wang fehlen, das wissen die Offiziellen und Fans des Klubs natürlich. Was sie nicht wissen ist, wann Herr Wang wieder kommt. Oder ob er überhaupt noch mal auftaucht.

Nun ist es nicht so, dass sich dieser Hui Wang nur in die Straßenbahn zu setzen braucht, Linie 3 oder 4, um in zehn Minuten Fahrzeit vom Hauptbahnhof zur Station Forepark zu gelangen, einen kurzen Fußweg vom Stadion entfernt. Herr Wang lebt nicht in Den Haag, sondern in Peking, 7900 Kilometer weit weg von der holländischen Küste. Und doch schaut eine ganze Stadt bei jedem Heimspiel auf die Ehrentribüne, ob er es dieses Mal nicht vielleicht doch geschafft hat. Ob er mit seiner bloßen Anwesenheit ein Zeichen setzen will, er, Hui Wang, der Mehrheitseigner von ADO Den Haag. Er, der Boss, der nicht mehr zahlt.

Die Geschichte von ADO Den Haag und Hui Wang ist eine Geschichte mit vielen Fragezeichen. Sie handelt von großen Hoffnungen und schweren Enttäuschungen, von Missverständnissen und offenen Drohungen, von unbeantworteten E-Mails und Kommunikation über die Medien. Vor allem aber erzählt sie das Schicksal eines Vereins, der sich einem chinesischen Investor an den Hals warf – und dem in diesem Sommer, 111 Jahre nach seiner Gründung, die Insolvenz droht. Eben deswegen.

»Er versprach uns den Europapokal – natürlich mochten wir das«

Um die aktuelle Situation bei seinem Herzensverein zusammenzufassen, braucht Jacco van Leeuwen nicht viele Worte: »It’s fucked up«. Der 47-jährige Glatzkopf und ADO-Anhänger steht zwei Stunden vor dem Abstiegsduell gegen Kerkrade im Supportershome, einer Holzhütte vor dem Stadion. Hier treffen sich die Fans vor jedem Spiel und stimmen sich bei Bier und schlechtem Techno auf die anstehenden 90 Minuten ein. Van Leeuwen scannt mit seinen tiefliegenden Augen den Raum, schüttelt Hände, winkt Hereinkommenden. Er ist bekannt hier, als Vorsitzender des SV Haagsche Bluf, des größten Fanclubs der Stadt. Van Leeuwen kennt seine Leute und deren Sorgen. »Die meisten von uns haben Angst«, sagt er. »Angst, dass wir kein Geld mehr kriegen.«

Dieses Geld sollte eigentlich Hui Wang beisteuern. Der chinesische Geschäftsmann besitzt über seine Firma United Vansen Sport 98 Prozent an dem Verein aus der Eredivisie. Er allein bestimmt über ADOs Schicksal.

Offiziell hat Wang seit Ende Januar 2015 in Den Haag das Sagen, damals überwies er zwischen acht und zehn Millionen Euro nach Holland. Zwar einige Monate später als vereinbart, aber immerhin. Die Fans freuten sich trotzdem – denn hatte der Investor nicht tolle Nachrichten im Gepäck? Innerhalb von drei Jahren wolle Wang ADO mit seinem Geld unter die Top 5 des Landes bringen, internationaler Fußball in Den Haag sei somit nur noch eine Frage der Zeit. »Er versprach uns den Europapokal – natürlich mochten wir das«, erinnert sich Jacco van Leeuwen. Als sich die Übernahme im Sommer 2014 andeutete, hieß ihn die Haagsche Bluf mit einem großen Banner willkommen: Wang, reitend auf einem chinesischen Drachen, der die Stadien von Ajax, Feyenoord und PSV zerstört, den Schwergewichten im holländischen Fußball. Mit Hilfe aus Fernost geht es bergauf, das war die Botschaft.

Der chinesische Drache erobert die Eredivisie

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