Wie ein Amateurfußballer ein Bundesliga-Probetraining ergatterte

Der Fußball, Werner Lorant und ich

Im Sommer 1995 erfüllte sich 11FREUNDE-Leser Valentin Ries einen Traum – und ergatterte sich in Form eines Praktikums ein Probetraining bei Bundesligist 1860 München. 17 Jahre lang war er zu aufgeregt, um einen vernünftigen Artikel über seine Erfahrungen zu schreiben, jetzt hat ihm sein Hausarzt das OK gegeben. Gedanken an Olaf Bodden, Manni Schwabl und Co.

Das Training meines Lebens begann mit einem dreckigen Abstiegskampf in der Bezirksliga Darmstadt-Ost. Einer unserer Vereinsvorsitzenden war mit Werner Lorant verschwägert. In der Saison 1991/92 trainierte Lorant Viktoria Aschaffenburg und kam in derselben Saison zweimal bei uns beim SV 1919 Münster zum Einsatz. Ohne Frage konnte er noch mit seiner Technik brillieren, bestach durch ein gutes Auge, aber sein Hüft- und Knieleiden brachten selbst auf diesem Spielniveau keinen zählbaren Erfolg. Im Gegenteil: Die Gegner waren motiviert ohne Ende, mit unserem Ex-Profi in den eigenen Reihen gingen wir zweimal als gedemütigte und verspottete Verlierer vom Platz. Den Abstieg vermieden wir schließlich ganz klassisch in einem Herzschlagfinale am letzten Spieltag. Die Freude darüber war grenzenlos, Werner Lorant natürlich eine Anekdote unserer Saisongeschichte. Unsere Wege sollten sich anschließend aber überraschenderweise erneut kreuzen.

Lorant übernahm kurze Zeit später den Trainerposten beim TSV 1860 München. Er führte die Mannschaft durch seine unnachahmliche Art sensationell durch zwei Aufstiege in Folge zurück in die Bundesliga. Zum damaligen Zeitpunkt studierte ich Sportwissenschaften und bat den besagten Vereinsvorsitzenden ein Praktikum bei den Sechzigern zu arrangieren. Werner Lorant sagte – wahrscheinlich im Freudentaumel der ersten erfolgreich beendeten Bundesligasaison 1994/95 – überraschend zu.

»Nur, wenn Du nix kaputtmachst!«

Im September 1995 war es tatsächlich so weit: Ich meldete mich wie verabredet bei Werner Lorant auf der Geschäftsstelle mit meiner kompletten Fußballtrainingsausrüstung in der Sporttasche unter dem Arm an. Er erklärte mir, dass ich die nächsten zwei Wochen beim Training dabei sein könne und ich freute mich wie ein Schneekönig mit Spielern wie Schwabl, Jeremies, Heldt, Stevic, Nowak, Trares, Bodden & Co. auf dem Platz stehen zu dürfen. Das alles jedoch unter einer Bedingung: »Du darfst nur mittrainieren, wenn Du nix kaputtmachst!« Somit hatte ich als zweiundzwanzigjähriger Student mein erstes Probetraining bei einem Profiklub, um mich für eine aktive Teilnahme am Trainingsbetrieb zu qualifizieren. Alternativ hätte ich die Trainingseinheiten als Zaungast unter den Kiebitzen verfolgen müssen.

Ich war voller Adrenalin und bestand diese Prüfung ohne groben Unfug im flüssigen Passspiel zu produzieren oder gar einen Profispieler wegzugrätschen. So stand ich dann Tag für Tag im Laufe der nächsten zwei Wochen auf dem Platz, spielte als Warm-up 5:2 mit den Torhütern und den Co-Trainern und wurde in den Trainingsbetrieb voll integriert. Immer wieder versuchte ich mich in Kopfballduellen mit dem Sturmtank Olaf Bodden zu behaupten, lieferte mir Laufduelle auf dem linken Flügel mit Horst Heldt und schoss an guten Tagen von zehn ruhenden Bällen an der Strafraumlinie fünf in das Tor von Bernd Meier. Lässiger Kommentar von Co-Trainer Roland »Magic« Kneißl: »A guada Spuia macht vo fünf Bälln mindestn acht rein!«

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