05.03.2014

Wie die Staatskrise den ukrainischen Fußball bedroht

In der Auflösung

Der politische Ausnahmezustand in der Ukraine trifft jetzt auch den Fußball. Ligaspiele sind bis auf weiteres gestoppt, ausländische Profis verlassen das Land. Und niemand weiß, wie es weitergeht.

Text:
Thomas Dudek
Bild:
imago

Im November 2013 war die ukrainische Nationalmannschaft schon so gut wie qualifiziert für die WM in Brasilien. Im Hinspiel der WM-Playoffs  besiegten die Ukrainer Frankreich mit 2:0 und wurden dabei im Kiewer Olympiastadion von frenetischen 70.000 Zuschauern angefeuert. Ein WM-Traum, der beim Rückspiel in Paris nach einer 0:4-Niederlage wie eine Seifenblase zerplatzte. 

Knapp vier Monate später wirken die Tage der Playoff-Spiele wie eine Erinnerung an längst vergangene, gute alte Zeiten. Die politischen Proteste, die nach Schätzungen um die 100 Menschenleben gekostet haben, der Sturz des autoritären Präsidenten Viktor Janukowitsch und das aktuelle Säbelrasseln auf der Krim haben nicht nur das Land verändert, sondern auch den ukrainischen Fußball. Statt in einer vollen Arena, wird die ukrainische Nationalmannschaft ihr heutiges Spiel gegen die USA wahrscheinlich vor fast leeren Rängen austragen. Aus Sicherheitsgründen wurde die Partie nach Zypern verlegt. So, wie schon zwei Wochen zuvor das Europa-League-Spiel von Dynamo Kiew gegen den FC Valencia.

Ein bewegendes Video der Fußballer

Auch wenn das Spiel auf die Mittelmeerinsel verlegt wurde, sind die Spieler sind trotzdem mit ihren Gedanken in der Heimat. In einem bewegenden Video, das dieser Tage veröffentlicht wurde, sprechen sich die Profis für die Einheit des Landes aus. Selbst Anatolij Timoschtschuk und Andrij Dikan, Profis die ihr Geld in Russland verdienen, verkünden in dem Video ihre Liebe zur Ukraine – während immer wieder eine Landkarte eingeblendet wird, auf der alle 16 Klubs der »Premjer Liha« gekennzeichnet sind.

Denn wie politisch gespalten das Land ist, zeigt sich besonders in der ukrainischen Fanszene. Schon vor dem Beginn der Proteste auf dem Kiewer Maidan waren die Begegnungen zwischen westukrainischen Teams und den Mannschaften aus dem Ostteil des Landes politisch aufgeladen. Während im Westen der ukrainische Patriotismus seit Jahren Hochkonjunktur hat und dabei vor allem in den Stadien auch seine hässliche, rechtsradikale  Fratze zeigte, fühlt man sich in Donezk und Charkow mit Russland verbunden.

Eine Zerrissenheit, die sich auch in den vergangenen Monaten offenbarte. Zu den Kämpfern, die sich rund um den Maidan heftige Auseinandersetzungen mit der Miliz lieferten, gehörten Ultras west,- und zentralukrainischer Vereine. Ultras, die jedoch nicht nur dem »Rechten Sektor« zuzuordnen sind, wie in der hiesigen Presse oft irrtümlich behauptet wird. Auch Anhänger von Arsenal Kiew, der einzigen Fangruppierung in der Ukraine, die sich offen links gibt, gehörten zu den Verteidigern des Maidan.

 
 
 
 
 
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