Wie die Bayern sich selbst ausssprechen

Der Äff Z'bäijen

Es gibt Vereine, die heißen Hertha, Werder oder BVB. Und dann gibt es einen Verein, der heißt eigentlich FC Bayern, wird aber von seinen Angestellten »Der Äff Z'bäijen« genannt. Hinter diesem Claim verbirgt sich seine ganze herrliche Arroganz. Wie die Bayern sich selbst ausssprechen Es war ein anstrengender Herbst für den FC Bayern München. Niederlagen gegen Mainz, Hamburg, Bordeaux, dazwischen nicht viel Ansehnliches. Der Trainer schien schon wieder nicht der richtige zu sein, Übervater Uli Hoeneß befand sich auf dem Weg in die Altersteilzeit, sein Nachfolger: ein Lehrlinger. Die Vorherschafft bröckelte. Bayernhasser jubelten bereits: Nun werde endlich alles zusammenbrechen! Der Weg sei frei. Hurra!

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Hurra? San mia wirklich nimmer mia? Mitnichten: Nach zwei Kantersiegen ist der FC Bayern wieder ganz bei sich selbst. Obwohl de facto Tabellendritter, fühlt man sich an der Säbener Straße schon als Deutscher Meister 2010. Plötzlich passt alles, selbst der ungeliebte Louis van Gaal ist über Nacht der liebenswerte Onkel, zu dem man auch mal auf den Schoß darf. Es kann Zufall sein, wenn ein Knoten platzt, für die Bayern-Bosse ist es der Triumph eines Konzepts. Der Klub hat die Krise nun hinter sich, die alle anderen noch vor sich haben. 

Drei Monate haben diese anderen Wachablösung gespielt. Nach einem 5:1 in Bochum ist sich der FC Bayern wieder absolut sicher, dass niemand ihn jemals ablösen wird. Stand das denn überhaupt zur Debatte? Dass auch in den eigenen Reihen die Möglichkeit durchgespielt wurde, an Macht einbüßen zu müssen, Uli Hoeneß' Sorge um sein sportliches Erbe – das scheint mit einem Mal nicht mehr als eine Illusion gewesen zu sein, Blendwerk, Kriegspsychologie. Der FC Bayern ist schöner denn je. Dominanter. Unbesiegbarer. Und das noch vor dem Anpfiff.

Diese geile Arroganz des FC Bayern München. Wo hat sie ihren Sitz? Wo hat sie bloß überlebt, als die Siegesserien rissen und die Pokalhände ins Leere griffen? Wo ballt sich dieses Selbstvertrauen, das im Verborgenen stets so prall bleibt wie die Blase von Franz-Josef Strauß beim Oktoberfest 1976? Wo?      

Als mein Kollege unlängst ein Interview mit Vorstopperlegende Norbert Eder führte, wurde es mir plötzlich klar: Die Keimzelle der Münchner Siegermentalität liegt in der Aussprache des eigenen Vereinsnamens: »Der Äff Z’bäijen«, sagte Eder und immer wieder: »Der Äff Z’bäijen«. Das ist kein Wort mehr mit einem bestimmten Artikel davor. Das eine Wagner-Symphonie, abgespielt innerhalb eines Sekundenbruchteils. Und sie handelt von einem Verein, der immer gewinnt.   

Wie der Bürgermeister von Obergiesing persönlich   

»Der Äff Z’bäijen« – man spricht das bayrisch aus, man plärrt es und presst es heraus, dieses »Der Äff Z’bäijen«, wie der Bürgermeister von Obergiesing persönlich. Norbert Eder fällt das leicht, er wuchs im Freistaat auf und lebt heute noch dort. Ebenso seinem langjährigen Nebenmann Hansi Pflügler, der Anzinger Katze Sepp Maier und Paul Breitner aus Kolbermoor bei Rosenheim. Franz Beckenbauer, geboren in München, brachte »Der Äff Z’bäijen« zur Vollendung, hat es wahrscheinlich sogar erfunden – immer mit dem Zusatz »Ja, gut, äh...«, einer Art Treppchen hinab zum Fußvolk, von dem man, ja, gut, äh... nicht erwarten kann, auf Augenhöhe zu stehen mit irgendwem von »dem Äff Z’bäijen«.     

Doch nicht nur Ur-Bayern sagen »Der Äff Z’bäijen«, auch der Berliner Christian Ziege, die Karlsruher Mehmet Scholl und Oliver Kahn und der Hamburger Stefan Effenberg haben es drauf. Der Stuttgarter Mario Gomez ist vielleicht sogar nach München gekommen, um »Der Äff Z’bäijen« sagen zu dürfen. Es ist eingewachsen in ihr eigenes Selbstbewusstsein. Als müssten sie nicht nur Lederhosen zum ersten Fototermin beim Rekordmeister anziehen, sondern auch direkt nach der Vertragsunterzeichnung zehntausend Mal sagen: »Der Äff Z’bäijen, der Äff Z’bäijen, der Äff Z’bäijen...«.  

Mehr noch als aller Dialekt steckt also eine Haltung in dieser Zusammendrängung von Lauten: das Gefühl der Erlesenheit, des Forever-Number-One-Seins. Und »forever« heißt: Auch wenn man in Mainz verloren hat. Eine Siegesgewissheit, die sich den Vereinsnamen »FC Bayern« einverleibt und ihn wieder preisgibt als eine Ansage, ein Programm, eine Regierungserklärung: »Der Äff Z’bäijen«.

»Wir sind der Äff Z’bäijen«. Das klingt zwar nicht so cool wie »Meine Name ist Bond. James Bond.«  – es meint aber dasselbe: Schade für dich, dass du nicht so bist wie ich. 

Dieter-Thomas Heck sagte »Zättee-Äff«, wenn er das ZDF meinte, Helmut Kohl nannte die Bundesrepublik »Indiesmunsrmlande« – so errichteten sich die Majestäten ihre Verbalpaläste. Auch Lothar Matthäus spricht über sich selbst als »Einloddarmaddäus«, das jedoch ist wohl nur eine Verbalzweitwohnung, bis er eines Tages wieder bei »dem Äff Z’bäijen« einziehen darf, in diese Trutzburg.

Stolz steht sie in jedem Interview, und geht es auch nur um den Cup der Verlierer, die Scheißstimmung oder Ärger beim Bankett – »der Äff Z’bäijen« definiert, was der FC Bayern zu sein hat: das Maß aller Dinge. Über allem stehend. Nicht von dieser Welt. So wie dieses Wort: »Der Äff Z’bäijen«.  

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