Wie der SV Werder in den Abstiegskampf geriet

Meine Damen und Herren, wir sind auf dem Boden der Tatsachen gelandet

Gerade eben war der SV Werder doch noch Deutscher Meister! Und plötzlich steckt er mitten im Abstiegskampf. Was ist in der Zwischenzeit bloß geschehen? Gedanken eines Fans.

Derzeit gibt es täglich schlechte Nachrichten aus Bremen. Doch diese hier ging beinah unter, also noch mal zum stillen Gedenken: Der OLT ist pleite. Die gute, alte Fluggesellschaft, sie wird nie wieder abheben.

Der »Ostfriesische Lufttransport« war 1958 gegründet worden, um die Nordseeinseln mit dem Festland zu verbinden. Und in späteren Jahren diente er dazu, den SV Werder mit der großen, weiten Fußballwelt zu verbinden. Dass beim OLT jetzt, im Jahr der größten Krise in der jüngeren Geschichte Werders, die Lichter ausgehen – das mag ein Zufall sein. Aber wer von uns, der den an Omen und Metaphern so reichen Fußball liebt, will schon an Zufälle glauben?



Am 8. Mai 2004, auf der Rollbahn des Bremer Flughafens, lugte Thomas Schaaf aus dem Cockpit einer OLT-Maschine, Fabrikat Saab 2000. In der einen Hand hielt er eine Vereinsfahne, in der anderen eine Videokamera. Der Coach wollte dokumentieren, was er sah, einen Moment für die Ewigkeit: 15.000 Fans hatten bis zum späten Abend ausgeharrt, um ihre Mannschaft nach einem furiosen 3:1-Sieg beim FC Bayern München zu empfangen. Andreas Reinke, Paul Stalteri, Valerien Ismael, Mladen Krstajic, Christian Schulz, Tim Borowski, Frank Baumann, Fabian Ernst, Johan Micoud, Ailton, Ivan Klasnic – die neuen Deutschen Meister.



Deutsche Meister heißen nicht mehr Stalteri

Die laue Mainacht am Bremer Flughafen geriet zu einer Siegesfeier irgendwo zwischen Himmel und Erde: Balljungen verteilten rote Rosen an die Spieler, auf zwei eilig zu einem Triumphbogen zusammengeschobenen Gangways weinte Ailton Tränen der Rührung auf die Menge hinab und rief: »Schampan, Wasser, Bier brasilian! Musse heute alles alle!« Bürgermeister Henning Scherf wurde mit grün-weiß geschminkten Wangen gesichtet. Dass er mit Manager Klaus Allofs am Gepäckband Lambada tanzte, ist allerdings ein Gerücht.

Neun Jahre sind seit der Orgie auf dem Rollfeld vergangen. Vieles hat sich verändert, ist verschwommen, sogar verschwunden. Ganz so, als wäre es nie dagewesen: Deutsche Meister lassen sich nicht mehr von ostfriesischen Postfliegern transportieren, Deutsche Meister heißen nicht mehr Paul Stalteri, Deutsche Meister kommen nicht mehr aus Bremen. Am Tag, bevor der OLT seine Pleite bekannt gab, verlor der SV Werder das Nordderby beim Hamburger SV mit 2:3, Clemens Fritz und Marko Arnautovic flogen vom Platz, und Thomas Schaaf sagte müde: »Rote Karten bringen uns nicht weiter.« In der Folge konnte seine Mannschaft nur noch zwei Mal gewinnen, inzwischen ist sie seit elf Spielen sieglos und steht auf dem 14. Tabellenplatz. Akute Abstiegsgefahr. Wie hätte es beim »Ostfriesischen Lufttransport« geheißen? Meine Damen und Herren, wir sind soeben auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Bitte bleiben Sie angeschnallt sitzen.

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