»Mit Gott auf Schalke« – sogar einen eigenen Fanverein haben sie dem Allmächtigen gewidmet, die Schalke-Bibel, Auflage 8500 Stück,ist längst vergriffen. Nur konsequent also, dass Filthaus in seiner Kapelle auch Kinder im Namen des S04 tauft: »Ich als Pastor darf dafür beten, dass ein Kind in den Verein hineinwächst. Die christliche Botschaft wird dadurch nicht gemindert.«
In der Arena-Kapelle gehen sie auf die 1000 Taufen zu, auch Hochzeiten und Trauerfeiern können arrangiert werden. Man lebt und stirbt königsblau – in keiner anderen deutschen Stadt gibt es neben der Kapelle eine Geburten-Suite in Vereinsfarben und sogar einen Fan-Friedhof. Nirgendwo sonst findet man mit der »Schalker Meile« eine ganze Straße in den Vereinsfarben blau und weiß. »An keinem anderen Ort würde eine Braut zum Altar gehen in einem Hochzeitskleid, das sie aus einem Vereinstrikot genäht hat.« Fußball und Religion gehören hier nicht einfach nur zusammen, der Fußball ist Religion.
»Gott ist die Botschaft – und Fußball die Basis«, schmunzelt Filthaus über seinen Brillenrand, seine wachen Augen strahlen auch noch nach neun Vizemeisterschaften und über 50 Jahren ohne Schale in der Bundesliga. »Hier auf Schalke ist Samstags Fußball und Sonntags Kirche.« Die Stadion-Kapelle mittendrin zwischen Beidem, »ein Raum für alle Seiten des Lebens«.
Der ehemalige Fan-Beauftragte hat seine Grabstelle schon reserviert. Nummer? 04...
»Alles hier ist Schalke«, so Filthaus. »Wie andere über das Wetter reden, reden wir über den Verein. Das ganze Leben wird um Schalke herum organisiert.« Und sogar für den Tod treffen sie hier Vorkehrungen: Rolf Rojek, Vorstand des Schalker Fanclub-Verband e.v., hat sich auf dem Fan-Friedhof, der erst im vergangenen Dezember eingeweiht wurde, bereits seinen Platz reserviert. Unter den bisher vorbestellten Gräbern hat er sich, Fan für die Ewigkeit, die Nummer 04 gesichert. 1904 Königsblaue werden hier dereinst ihren Platz finden, die Symbolik weitergetragen bis hin zum Gründungsjahr des Vereins.
(Videocredit: Pablo López Hurtado)
Filthaus selbst ist kein Mann dieses Hypes, kein Freund des Marketings, er sieht sich immer noch vor allem als Diener Gottes. »Gott steht über allem, und gibt uns die Kraft zu allem anderen.« Er bete nicht für Schalke-Siege - für das Wohl des Vereins allerdings schon. Zum Abschied ein Lachen: »Und wenn Schalke das nächste Mal um die Meisterschaft mitspielt, werde ich schon eine Kerze anzünden.«