Wie der FC Bayern Arsenal sezierte

Ein dunkler Diagnosearzt

Mit der gestrigen Leistung zeigte der FC Bayern, dass in dieser Saison mehr drin ist als nur die Deutsche Meisterschaft. Unser Autor Christoph Biermann erkennt in der Mannschaft sogar jene Willenszüge, die einst Effenberg und Co. auf Europas Thron brachten.

Einen großen Moment hatte der Arsenal Football Club am Ende eines aus Sicht der Londoner total deprimierenden Abends doch noch. Verantwortlich waren dafür allerdings weder die überforderten Spieler noch der tief frustrierte Trainer Arsene Wenger, sondern die Anhänger des gedemütigten Klubs. Viele von ihnen waren zwar nicht mehr im Stadion, als die Spieler aus München gut gelaunt vom Rasen trollten, aber jene, die geblieben waren, erhoben sich – und applaudierten. Der Beifall für die Sieger war warm und freundlich. Es lag darin keine Häme gegenüber der eigenen Mannschaft, sondern allein die sportlich faire Anerkennung eines besseren Gegners. Das Hinspiel im Achtelfinale der Champions League hatte keine Zweifel gelassen, keine Rätsel und kein Raum für Konspirationstheorien. Der FC Bayern hatte den Applaus für einen 3:1-Sieg als deutlich bessere Mannschaft schlicht verdient.

Arsenal keine Spitzenmannschaft mehr

Als die Bayernspieler eine halbe Stunde später durchs Parkhaus unter den Tribünen zu ihrem Mannschaftsbus gingen, ließen sie einen Gegner zurück, der nun umso mehr über seine Zukunft und wohl auch die seines Trainers debattieren wird. Die Münchner irrten sich vielleicht in dem Eindruck, eine internationale Spitzenmannschaft geschlagen zu haben, die Arsenal längst nicht mehr ist, aber das war egal. Die Qualität des FC Bayern in dieser Saison besteht darin, wie ein dunkler Diagnosearzt des Fußballs, den Gegnern ihre Schwächen vorzuführen. Vor dem Kick im Emirates-Stadion hatten sie das schwache Umschaltspiel eines Gegners ins Visier genommen, der nicht geordnet genug vom Offensiv- in den Defensivmodus wechseln kann. Entsprechend fielen das erste und das letzte Tore auch wirklich nach Kontern, und London schrumpfte zu nicht viel mehr als einem kurzen Zwischenstopp einer Dienstreise zu den Titeln.

Bemerkenswert bei diesem Trip ist vor allem, auf welch beängstigende Weise sich die Bayern dieser Tage wohl bei Auswärtsspielen fühlen. Man wäre versucht zu sagen, im Stil einer Heimmannschaft, aber genau das ist es nicht. Während die gegnerischen Mannschaften in der Münchner Arena inzwischen nur noch mit ihren Maurerkolonnen anrücken, wagt so viel Defensive im eigenen Stadion kaum ein Team. Schon gar nicht eines im eigenen Selbstverständnis so offensives wie Arsenal. Und so fand Bayern in London, wie so oft unterwegs die Lücken und Ritzen, um vorne durchzuschlüpfen, während im eigenen Stadion die schweren Bohrwerkzeuge ausgepackt werden müssen.

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