Wie der Boulevard Gerüchte streut

Also doch!

Saisonende, Sommerpause und nun: Sommerloch. Jetzt schlägt die große Stunde der fleißigen Gerüchtestreuer aus den Boulevard-Medien. Was läuft da eigentlich mit den dicken Überschriften voller fetter Fragezeichen? Wie der Boulevard Gerüchte streut Wer gerne der kurzfristigen Unterhaltung frönt, der sollte doch einfach mal mit folgenden Suchbegriffen spielen: »Also doch« und »Was läuft da mit«. Die Ergebnisse sind so schön wie gruselig. »Was läuft da mit Klinsmann?«, fragt die Hamburger Mopo. »Was läuft da mit Lincoln?«, die Bild-Zeitung. »Also doch!«, raunt die BZ und meint einen bekannten Fußballer mit Vorliebe für großflächige Tattoos. Das Spiel mit den auffällig unschuldigen Fragen und erleichterten Feststellungen ist ein beliebtes Spiel des Boulevards. Nie war es einfacher, Gerüchte auf dem Transfermarkt zu streuen. Nie war es einfacher, Falschmeldungen als brandaktuelle News zu verkleiden.  

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Die Sache mit Klinsmann? Heiße Luft, aber eine aufregende Geschichte vor dem Europa League-Halbfinale der Hamburger gegen Fulham. Was da mit Lincoln lief? Nicht viel, der angeblich von langer Hand geplante Wechsel zur Frankfurter Eintracht kam nie zu Stande. Hier geht es nicht um korrekte Informationen über den ständig aufgeheizten Transfermarkt, sondern um die schmale Unterhaltung für zwischendurch. »Bei diesen gezielt gestreuten Gerüchten ist es eben unglaublich schwer zu erfahren, wie viel Wahrheit und wie viel Unwahrheit in den angeblichen Informationen steckt«, bestätigt Lukas Heinser von bildblog.de. Mit ernsthaftem Journalismus habe das nichts zu tun. Diese Tatsache ist an sich keine große Überraschung, allerdings darf die Frage gestellt werden, wie sehr die brodelnde Gerüchte-Küche im Hause Springer und Co. den Markt beeinflusst.

Manche Spieler müssen erstmal beruhigt werden

»Solche Schlagzeilen haben schon einen gewissen Einfluss«, gibt Spielerberater Björn Bezemer von »starsandfriends« einen Einblick ins Innenleben des Fußballeralltags. »Besonders Spieler, die nicht deutsch sprechen können, sehen in der Zeitung nur ihren Namen und das Wappen eines anderen Vereins. Schon hat sich das Gerücht im Kopf des Spielers festgesetzt. Als Ya Konan von Hannover 96 seinen Namen in Verbindung mit dem VfB Stuttgart gesehen hat, bekam ich gleich einen nervösen Anruf von ihm. Da muss man erstmal bestätigen, dass das frei erfunden ist.« Einer von Bezemers Klienten ist auch der Hoffenheimer Vedad Ibisevic. Als der im Sommer 2008 Tore nach Belieben schoss, durfte Bezemer fast täglich neue Transfergerüchte lesen. Das Geschäft boomt, wann es will.

Für Fans und Leser dürften die Spekulationen derweil längst zum festen Bestandteil des kunterbunten Jahrmarktgeschreis im Profi-Fußball gehören. Lukas Heinser vom bildblog sagt: »Ein Großteil der Gerüchte sind doch harmlos, sie gehören eigentlich schon zur Fußball-Folklore.«  Wobei es sich die Zeitungen durchaus einfach machen – bestätigt sich ein vor langer Zeit vermuteter Deal zwischen den Vereinen, reimt sich auf den Klassiker »Was läuft da mit?« ganz vorzüglich die Knallerzeile: »Also doch!« Andersherum erinnert sich keiner mehr an angebliche Transferverhandlungen in dunklen Hotelbars, wenn Spieler X plötzlich einen ganz anderen Klub bevorzugt.

Quantität statt Qualität

Ganz krude wird es, wenn sich die Bild-Zeitung ganz offenherzig bei den Vielschreibern aus dem transfermarkt.de-Forum bedient, quasi der Großküche für Gerüchte. Schnell landen dann mal Wunschgedanken und Tagträume von meinungsfreudigen Fußball-Fans als brandheiße News auf der Online-Präsenz des Springer-Riesen. Journalismus im eigentlichen Sinne sieht anders aus. Quantität statt Qualität. Also doch.

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