Wie der 1. FC Union eine neue Haupttribüne finanzieren will

Rechenschieber aus Berlin

Um eine neue Haupttribüne zu finanzieren, braucht Zweitligist Union Berlin Geld. Geld, das durch den Verkauf von Stadion-Aktien an die eigenen Fans aufgebracht werden soll. Nun hat der Verein sein Konzept vorgestellt – und viele Frage unbeantwortet gelassen. Wie der 1. FC Union eine neue Haupttribüne finanzieren will

Es ist ein Szenario, das die Fans des 1. FC Union erschaudern lässt: Die Einweihung einer Always-Ultra-Tribüne in der Hakle-Feucht-Arena. Um dies zu verhindern, drängen sich am Sonntagnachmittag mehr als 2000 Anhänger des Berliner Zweitligisten in die Ballsporthalle an der Hämmerlingstraße in Köpenick. Der 1. FC Union hat zu einer außerordentlichen Versammlung geladen, um seine Mitglieder über den geplanten Bau einer neuen Haupttribüne mit 3520 Sitzplätzen zu informieren. Dabei sollen die Fans eine wesentliche Rolle spielen: Der Verein hatte in den vergangenen Tagen seine Stadionbetriebsgesellschaft in eine AG umgewandelt, nun können die Anhänger vom 1. bis zum 31. Dezember Aktien am Stadion An der Alten Försterei erwerben und Mitbesitzer werden.

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Finanziellen Gewinn versprechen die Aktien kaum. Zumindest gibt es darüber noch gar keine konkreten Festlegungen. »Wie mit dem Gewinn umgegangen wird, muss in Zukunft die Hauptversammlung entscheiden«, sagt Unions Präsident Dirk Zingler. Im Vordergrund steht »der Schutz der Fußballkultur«, betont Zingler immer wieder. Der Verein hatte die ungewöhnliche Aktion damit beworben, die Arena lieber in die Hände der Fans zu geben anstatt die Namensrechte am Stadion an einen finanzkräftigen Sponsor zu verkaufen. Natürlich nicht für umsonst: 10 000 Aktien will der 1. FC Union zum Stückpreis für 500 Euro veräußern und so fünf Millionen Euro an Mehreinnahmen erzielen. Am Ende sollen die Anhänger 58 Prozent der Anteile am Stadion halten und so über dessen Zukunft entscheiden. Eine Umbenennung der Arena wäre dann nur noch mit Zustimmung der Aktionärsversammlung möglich.

1,5 Millionen plus 3 Millionen plus 5 Millionen = 15 Millionen Euro?

Das Geld, das der 1. FC Union durch den Stadionverkauf einnimmt, scheint er dringend zu benötigen. Zumindest wird das auf der Mitgliederversammlung zwischen den Zeilen deutlich. Zwar betonen Dirk Zingler und Vorstandsmitglied Dirk Thieme, dass die Finanzierung für die mit 15 Millionen Euro veranschlagte Haupttribüne stehe; allerdings sind davon lediglich 4,5 Millionen Euro kein Fremdkapital. Diese Summe setzt sich folgendermaßen zusammen: 1,5 Millionen Euro bringt der Verein mit Hilfe seiner Sponsoren ein, drei Millionen Euro kommen vom Berliner Senat aus dessen Vereinsinvestitionsprogramm. Selbst wenn es dem Verein darüber hinaus gelingen sollte, alle Aktien zu verkaufen und so fünf Millionen Euro einzunehmen, bleiben immer noch 5,5 Millionen Euro, die der Klub abbezahlen müsste. Eine außerplanmäßige, aber durchaus mögliche Erhöhung der Baukosten ist da noch nicht eingerechnet. Als genau diese Rechnung von einem kritischen Redner zur Sprache gebracht wird, antwortet Dirk Zingler ausweichend. Er sagt: »Wir gehen heute von 15 Millionen Euro Baukosten aus – und es haben auch 15 Millionen Euro zu bleiben.« Auf die Kostendeckung geht er nicht ein.

Die Bauarbeiten an der neuen Haupttribüne sollen nach Ablauf der aktuellen Saison beginnen, als Bauzeit sind 14 Monate eingeplant. Union wird seine Heimspiele während der Bauphase trotzdem in der Alten Försterei austragen, die Zuschauerkapazität aber um etwa 2500 Plätze auf rund 16 000 reduzieren. Damit gehen dem Verein zur Saison 2012/13 Zuschauereinnahmen im fünfstelligen Bereich verloren.

»Eine anspruchsvolle Aufgabe, alle Aktien zu verkaufen«

Noch ist nicht abzusehen, wie viele Aktien Union tatsächlich verkauft. Dirk Zingler sagt: »Es wird eine anspruchsvolle Aufgabe werden, alle 10 000 Aktien zu verkaufen.« Ob die Stadionaktien für Sponsoren genau so attraktiv sind wie für die Anhänger, ist ebenfalls unklar. Es können nur 10 Aktien pro (juristischer) Person gezeichnet werden, der Einfluss, den sich Sponsoren normalerweise erhoffen, bleibt gering. Selbst für den Fall, dass Union kaum Aktien verkauft, sagt Zingler: »Auch dann werden wir bauen.« Jubel brandet auf, einige Mitglieder schauen trotzdem skeptisch. Ihr Gesichtsausdruck zeigt, dass längst nicht alle Fragen beantwortet sind.

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