Wie der 1. FC Kaiserslautern in die Saison startet

Die Euphoriker

Die Begeisterung der FCK-Fans ist kaum zu bremsen. Für das Spiel gegen den FC Bayern hätten 130.000 Karten verkauft werden können. Doch wie bundesligatauglich ist das Team eigentlich? Wir machen den Check. Wie der 1. FC Kaiserslautern in die Saison startetImago Was hat sich verbessert?

Das neue Logo nicht unbedingt, dafür spielt der FCK im 111. Jahr seines Bestehens wieder erstklassig. Nach vier Jahren Paderborn, Oberhausen und Jena wieder gegen die größten Klubs Deutschlands antreten zu können, ist nicht nur Balsam für die Fanseele, sondern schlicht überlebensnotwendig für den klammen Traditionsverein. Nicht einfacher wird die Mission Klassenerhalt dadurch, dass trotz Platz eins in der Zweiten Liga einmal mehr ein Umbruch stattfand. Elf Neue, zwölf Abgänge – der Aufsteiger ist vor den ersten Pflichtspielen eine wahre Wundertüte.

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Wer sind die Stars?

Die Stars der vergangenen Saison haben den Verein verlassen. Die Gehaltswünsche von Toptorjäger Erik Jendrisek (15 Treffer), den es nach Gelsenkirchen zog, und von Sidney Sam, mit zehn Toren und sieben Vorlagen der Shootingstar der vergangenen Saison (nun in Leverkusen), konnten nicht erfüllt werden. Dazu verließ auch der Kameruner WM-Teilnehmer Georges Mandjeck den Klub in Richtung Frankreich. Herausragende Spieler verbleiben vor allem in der Defensive. U-21-Torwart Tobias Sippel wird ebenso wie sein Ziehvater Gerry Ehrmann von den Fans verehrt und von den gegnerischen Stürmern gefürchtet, davor ist Kapitän Martin Amedick der Mann für die Stabilität. Amedicks brasilianischer Nebenmann Rodnei ist wegen seiner gleichzeitig lässigen und kompromisslosen Art auf dem Weg zur Kultfigur – muss sich aber gegen Neuzugang Jan Simunek behaupten. Wer von den offensiven Neuzugängen zum Star taugt, ist noch nicht abzusehen. Die von vielen Fans herbeigeträumte Rückkehr von Miroslav Klose in die Pfalz könnte frühestens im Sommer 2011 Realität werden.

Welche Taktik ist zu erwarten?

Unter Trainer Marco Kurz hat im vergangenen Jahr die moderne Spielkultur Einzug gehalten im Klub der Kämpfer und Grätscher. Statt wie sein Vorgänger Milan Sasic über die Variablen „hoch“ und „weit“ den Erfolg zu suchen, hat Kurz seinem Team schnelles Kurzpassspiel beigebracht. Praktisch alle Angriffe werden über die beiden Außenverteidiger Dick und Bugera eingeleitet, welche die meisten Ballkontakte aller Zweitligaspieler hatten. Der Kaiserslauterner Coach wird auch in der Bundesliga in 4-4-2-Formation spielen lassen, wobei Kurz im Mittelfeld dank neuer offensiver Alternativen (Tiffert, Moravek) neben der Anordnung mit zwei zentralen Defensivspielern plus zwei offensiven Außen auch die Raute wählen kann.

Wie viel Macht hat der Trainer?

Der starke Mann im Verein ist Stefan Kuntz. Der Deutsche Meister von 1991 repräsentiert den 1. FC Kaiserslautern mit Charme und Charisma und ist als Vorstandsvorsitzender auch intern in oberster Verantwortung. Auch hat sich Trainer Marco Kurz durch die beeindruckende vergangene Spielzeit endgültig vom Makel befreit, bei der Trainerfindung angeblich nur dritte Wahl gewesen zu sein. Wie er mit Rückschlägen und Kritik umgeht, wird sich allerdings noch herausstellen.

Was erwarten die Fans?

Die Euphorie in der Pfalz ist kaum zu übertreffen. Für das erste Heimspiel, das der FCK gegen seinen ewigen Erzrivalen aus München bestreitet, hätten 130.000 Karten abgesetzt werden können, die Zahl der Vereinsmitglieder stieg im Sommer auf mehr als 15.000 an. Die Fans also haben ihre Erstklassigkeit schon unter Beweis gestellt. Diese Begeisterung mit den Realitäten des Abstiegskampfs in Einklang zu bringen, dürfte eine der schwierigsten Aufgaben der Verantwortlichen in den nächsten Monaten sein.

Was ist in dieser Saison möglich?

Sofort unterschreiben würde er eine Garantie auf Platz 15, ließ Stefan Kuntz verlauten. Er betont bei jeder Gelegenheit, dass es nur ein Ziel gebe: den Klassenerhalt. Mit einem Spieleretat von rund 13 Millionen Euro hat der FCK mit Freiburg und St. Pauli den engsten Finanzrahmen aller Erstligisten. Kuntz warnte auch vor Heckenschützen im Verein, die im Fall einer Niederlagenserie aus der Deckung kommen könnten. Kein Zweifel: Ein solch harmonisches Comeback-Jahr wie nach dem letzten Aufstieg 1998, als die Pfälzer vom ersten Tag an die Liga beherrschten, wird es nicht wieder geben. Nach dem Saisonauftakt beim Pokalschreck aus Osnabrück warten in den ersten fünf Partien teilweise schwere Gegner: Köln, Bayern, Mainz, Hoffenheim und Dortmund. Zur Verdeutlichung der Schwierigkeit: Zum letzten Mal konnte der FCK gegen die Bayern vor elf Jahren gewinnen.

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