Wie China auch im Fußball zur Weltmacht aufsteigen will

Mit Reichtum in die Mitte

In Sachen Fußball ist China ein Entwicklungsland. Jetzt will der schlafende Riese zur Weltmacht aufsteigen – mit Spielern wie Ramires und Gervinho und einer kuriosen Klausel in Portugal.

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Darko Matic wuchs in Berlin auf und spielte in seiner Jugend für Hertha 03 Zehlendorf und Tennis Borussia. In Deutschland kam der Kroate allerdings nie über die Regionalliga hinaus. Erst in China nahm seine Karriere Fahrt auf. Zwischen 2009 und 2015 machte er über 200 Profispiele für Beijing Guoan. Eigentlich hält Matic viel vom chinesischen Fußball, trotzdem spottete er einst über eine Fußballakademie: »Es gab da 100 Zwölfjährige. Von denen konnten 80 nicht richtig laufen.«
 
Aus europäischer Perspektive mag es absurd erscheinen: In China leben rund 1,4 Milliarden Menschen – beinahe doppelt so viele wie in Europa –, und trotzdem gelingt es den Teams bislang nicht, elf gute Spieler auf ein Fußballfeld zu schicken.

In der Weltrangliste rangiert China hinter Kap Verde
 
Über die Wertigkeit der Fußball-Weltrangliste lässt sich sicherlich streiten. Belgien wird auf Platz eins geführt, hat allerdings noch nie einen Titel gewonnen. Dennoch hat es eine gewisse Aussagekraft, dass China derzeit hinter Kap Verde, Uganda, Äquatorial-Guinea oder Haiti steht.

Bei Weltmeisterschaften wurde den Asiaten oft die Rolle eines Balljungen zuteil: Sie schauten zu, wenn andere um große Titel spielten. Bei der einzigen WM-Teilnahme 2002 schied die Nationalmannschaft nach drei Niederlagen und 0:9 Toren aus. In chinesischen Fankreisen kursiert ein Sprichwort, das tief in das seelische Innenleben des Fußballs blicken lässt. Unter den Anhängern sagt man sich: »Schaust du die englische Premier League, ruinierst du deinen Geldbeutel. Schaust du aber die chinesische Liga, ruinierst du dein Leben.«
 
Der Staatspräsident träumt vom WM-Titel

Keine Frage: Unter der Strahlkraft des europäischen Fußballs ist das Reich der Mitte eher am Rande anzusiedeln. Die Gründe für die Misere sind vielschichtig, der zentrale besteht darin, dass es keine Fußballkultur in China gibt. Im zurückliegenden Jahrhundert begeisterte sich die Jugend eher für Tischtennis oder Basketball, daher sind im Fußball die Nachwuchsarbeit und das Scouting rückständig, erst 1994 gründete sich eine nationale Liga. Neun Jahre später wurde sie aufgelöst, als ein Korruptionsskandal publik wurde. Die Hälfte aller Spiele war manipuliert worden.

Für den Fußball hatte das fatale Folgen. Zwar startete 2004 die bis heute bestehende Super League, viele Fans und Nachwuchsspieler wandten sich aber ab. Im Jahr 2000 waren noch 610.000 Jugendliche beim Verband registriert, zehn Jahre später nur noch 7000.
 
Trotzdem hegt Xi Jinping, amtierender Staatspräsident und glühender Fußballfan, hat trotzdem drei Träume: China soll sich noch einmal für eine WM qualifizieren, eine WM austragen und eine WM gewinnen. Uferloser Größenwahn oder gesunde Ambition?

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