Wie Brasilien wieder eine Fußballmacht werden kann

Zurück zum O

Im kommenden Jahr ist Brasilien Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft. Und natürlich rechnet das gesamte Land mit dem Titelgewinn. Aber der WM-Pokal scheint für die Selecao derzeit weiter entfernt, als je zuvor. Dabei weiß unser Autor Benjamin Kuhlhoff, dass es so einfach sein könnte.

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Dem brasilianischen Fußball geht es schlecht. Genauer gesagt: Ihm geht es sehr schlecht. Und das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, schließlich träumt der gesamte Zuckerhut vom WM-Titel 2014 im eigenen Land. Doch mit Zucker haben die fußballerischen Vorträge Brasiliens anno 2013 in etwa so viel zu tun wie Ronaldinhos Gebiss mit erotischen Phantasien von Zahnärzten. Doch woran hakt es im Land des Samba-Fußballs? Wie konnte der Rekordweltmeister bis auf den 18. Platz der Fifa-Weltrangliste abrutschen? Hinter Fußball-Zwergstaaten wie Ecuador, Griechenland und der Schweiz?

Lassen wir mal strukturelle Probleme wie die unmoderne Spielanlage, das inflationäre Verheizen von Talenten und eine im Grunde trotz Millionenförderung noch immer nicht wettbewerbsfähige Liga außen vor und widmen uns dem Kernproblem des brasilianischen Fußballs: den Spielern. Keine Frage, die Südamerikaner entsenden immer noch ein ganze Reihe exzellenter Kicker in die weite Welt, einzig ist jenen Gesandten die Fähigkeit abhanden gekommen, aus der Masse herauszustechen. Und das hat einen guten Grund.

Erinnerungen an eine Großstadt-Kita

Oscar, Fred, Jean, Lucas – lässt man sich die Namen der derzeitigen Selecao einmal auf der Zunge zergehen, schmeckt man kein bisschen Glamour, kein bisschen Zuckerhut, sondern allenfalls den filzig-faden Grünkern-Geschmack einer durchgentrifizierten Großstadt-Kita. Vorbei scheint die Zeit, in denen Gegenspieler allein beim Gedanken an Zaubernamen wie Ronaldinho, Romario oder Ronaldo die Hüftgelenke versteiften. Denn diese Namen klangen nach Übersteigern von der Geschmeidigkeit einer dahinschmelzenden Wachskerze, nach Pässen, vor denen selbst Sherpas zurückschrecken würden und natürlich nach Spielzügen, auf die Brasilianer ein Patent hatten. Brasiliens Fußball endete lange Jahre auf einem sanft dahin gehauchten O: »Joga bonito«, das schöne Spiel, in dessen Erwartung jeder Gegner schon vor dem Anpfiff in Angst und Schrecken erstarrte. Gegen diese phonetischen Feuerwerke wirkt die Generation Akademiker-Name genauso wie sie spielt: grau, satt, uninspiriert.

Oder denken wir an Socrates, der allein durch seinen Namen eine philosophische Ebene in das Spiel brachte, die seine Gegenspieler nicht nur intellektuell überforderte. Heute findet man an seiner Stelle einen Jungen, dessen Name klingt wie eine billige Achtziger-Jahre-Brause, die im Zuge des allgemeinen Retro-Hypes massenhaft in die Kühlschränke der Großstadt-Agenturen gespült wurde. Ein Namen, der nach jener beißenden Ironie klingt, die in diesen Tagen alles Schöne zersetzt. Er heißt: Miranda.

Rückkehr zur psychologischen Kriegsführung

Herrgott, wie soll das nur weitergehen? Heißen Brasiliens Spieler bald iPad, Slimfit und Fail? Man kann es leider nicht mehr ausschließen! Wird das dem brasilianischen Fußball aus der Klemme helfen? Sicher nicht!

Gerade in Zeiten, in denen Fußballspiele immer öfter auch im Kopf entschieden werden, sollte sich Brasilien vom Sportlichen abkehren und sich der psychologischen Kriegsführung zuwenden. Man sollte sich endlich wieder auf seine echten Stärken berufen. Und das sind nun mal mystische Namen, die den Gegnern Angst machen. Das reicht. Ganz bestimmt.

Immerhin, mit der Neu-Besetzung seiner Innenverteidigung hat Nationaltrainer Felipe Scolari schon mal ein Zeichen gesetzt. Dort spielt jetzt Dante. Wenn das so weitergeht, ist mit Brasilien 2014 also wieder zu rechnen.

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