Wie Bayerns Kingsley Coman über Nacht zum Nazi gemacht wurde

Like mich am Arsch

Kingsley Coman ist beim FC Bayern bisher lediglich durch atemberaubende Angriffsaktionen auffällig geworden. Bei Instagram hat er nun etwas zu offensiv agiert – und wurde zum Nazi abgestempelt.

imago

Es ist aber auch wirklich kompliziert mit diesem Internet. Gerade noch hat man mit einer lustigen Strichmännchengrafik die Herzen seiner Social-Media-Fans erobert, schon ist man Minuten später sowas von out, dass man sich am liebsten hinter seinem C64 verkriechen möchte, um seine Disketten neu zu beschriften. Auch Fußballer neigen in den Sozialen Netzwerken zum Fauxpas. Und wir sprechen hier nicht von modischen Ausrutschern der Kategorie Mitchell Weiser, sondern von zu schnellen Fingern auf Likebuttons, die fatale Folgen haben können. Und deswegen sprechen wir von Bayerns Außenstürmer Kingsley Coman. 

Geschmacklose Witze zum falschen Zeitpunkt

Denn der war gestern für einige Stunden trendender Hashtag auf Twitter. Für die Ältereren unter uns: Er war die Topmeldung der Stunde. Aber was war passiert? Coman, 19 Jahre, geboren in Paris, 371.000 Instagram-Abonnenten, drückte auf der Foto-Plattform den »Gefällt mir«-Button unter einem Bild des französischen Komikers Maff Derulo. So weit, so langweilig, wenn dieses Bild nicht eine SA-Uniform samt Hakenkreuzbinde gezeigt hätte und zudem mit dem Kommentar »Als Trainingsanzug der Bayern aus der Saison 1940 im Handel« garniert gewesen wäre. Dass es sich hierbei um tiefschwarzen Humor handelt, dürfte klar sein. Dass das nur wenig lustig ist, ebenso. Und dass das Timing dieses Posts (einen Tag vor dem Jahrestag der Befreiung von Auschwitz) mehr als dämlich ist, ist unbestritten. 



(Hinweis: Das Bild wurde von uns bearbeitet, das Hakenkreuz entfernt / Quelle: http://www.instagram.com/maff_derulo)


Dass nun aber ein bekannter Profi des FC Bayern sich erblödet diesen Post auch noch zu liken, war dann zuviel. Und so ergoss sich ein Sturm aus Beleidigungen und Nazivorwürfen über den jungen Franzosen. Prompt bildetet sich auch gleich eine Gegenfront aus Coman-Verteidigern und Humoraposteln. Über einige Stunden fetzte sich also die Netzgemeinde über die entscheidenden Fragen: Darf man dieses Foto samt Kommentar gut finden? Oder muss man den Spieler Coman dringend einmal zu ein paar Nachhilfestunden in Vereins- und Welthistorie verdonnern? Darf Humor historisch inkorrekt sein? Wo liegen die Grenzen des guten Geschmacks? Und ist Coman ein Nazi?

Ist Coman ein Nazi?

Comans Aktion war dumm. Dass der 19-Jährige jedoch heimlich davon träumt, in einer Nazi-Uniform über den Champs Elysee zu spazieren, ist absurd. Bedenklich bleibt aber der Umgang der Beteiligten mit der Causa. Coman löschte seinen Eintrag, der FC Bayern hält die Füße still und hofft, dass der Sturm der Entrüstung an allen vorbeizieht.

Fehler von Klub und Spieler

Es ist auf vielerlei Ebenen ein Beispiel dafür, wie naiv die Akteure mit dem Umgang der Sozialen Medien manchmal sind. Spieler, Klubs, Medien und Fans machen immer mal wieder dumme Sachen, nur müssen sie heute unmittelbar mit den Konsequenzen in Form von Gegenwind und Diskussionen leben. Alles kommentarlos zu entfernen, ist falsch, weil es das, was  mit seinem Engagement in den Sozialen Netzwerken suggerieren will ad absurdum führt. Das ist der offene Austausch mit den Fans und Followern. Das ist Nähe. Und sei sie noch so konstruiert. Das macht nicht immer Spaß und kann sehr oft äußerst schmerzhaft sein. Das bekommt Kingsley Coman gerade zu spüren.

Wahrscheinlich würde ein einfacher Satz von Coman oder dem FC Bayern zur Klärung schon reichen. Den gibt es nicht. Es bleibt ein Geschmäckle. Und einige Fragezeichen.

Es ist aber auch wirklich kompliziert mit diesem Internet.

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