Wie Bayern-Fans auf den Katar-Deal reagieren

Mia san bald weg

Das umstrittene Katar wird künftig den FC Bayern sponsern. Auf Fanproteste und Vereinsaustritte reagiert der Klub gelassen. Wie lange noch?

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Um die Aufregung wegen des neuen Sponsors der Bayern zu verstehen, hilft ein Blick zurück: Nach dem Ende der Bundesligasaison 2009, in welcher der VfL Wolfsburg Meister wurde und Grafite das 5:1 per Hacke ins Tor der Bayern legte, überlegten die Münchner Manager öffentlich, wie man sich für die Zukunft rüsten könnte. Es gab Gerüchte um einen neuen Megasponsor, der bis zu 100 Millionen Euro investieren wollte. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hatte kurz zuvor erklärt: »Wir würden uns mit diesem Thema nur dann auseinandersetzen, wenn so ein Partner perfekt zu dem FC Bayern passen würde wie Adidas. Also kein Scheich aus Dubai, kein Russe aus Moskau.«

Scheich aus Dubai, das klang für Fußballdeutschland damals noch nach Abu-Dhabi-Manchester-City, Russe aus Moskau nach Abramowitsch-Chelsea, aber es klang sicher nicht nach dem Miasanmia-München, das Frank Ribery immer als seine Familie nannte.

Und heute?

Passt ein Scheich offenbar doch ganz gut. Am Mittwoch hat der Verein bekannt gegeben, künftig mit dem »Hamad International Airport« aus Katar zu kooperieren. »Ich freue mich, mit Doha Airport einen Sponsor aus der Tourismusbranche begrüßen zu dürfen«, sagte nun Karl-Heinz Rummenigge und klang ganz anders als noch vor sieben Jahren. Nach sechs Trainingslagern in Doha ist der Flughafen jetzt einer von neun »Platinumpartnern«. Die Flughafengesellschaft aus dem Land des WM-Gastgebers Katar sponsert künftig mehrere Millionen Euro und bekommt im Gegenzug Werbebanden in der Allianz Arena.

»Der moralische Kompass ist nicht existent«

Die Empörung über den Deal ließ nicht lange auf sich warten: »Neue Dimension des Ekels« und Übleres twitterte eine Anhängerin der Münchner. »Willkommen in der Welt der Global Player«, sagt Oliver Schmidt. Er ist seit fast 40 Jahren Fan, sein Blog »Breitnigge« wird auch beim FC Bayern gelesen. Schon die Katar-Trainingslager hat er ausführlich kommentiert und kritisiert, nun geht der Klub mit dem Flughafen-Deal noch einen Schritt weiter. »Der moralische Kompass, den sich einige Bayern-Fans bis jetzt immer noch erhofft hatten, ist nicht existent«, sagt Schmidt.

Nach dem sechsten Katar-Trainingslager in Folge hatten einige Fans auf eine Reaktion gehofft und sich gewünscht, dass der Verein sein Winterquartier auch unter politischen Gesichtspunkten auswählt. Oder zumindest mal eine der WM-Baustellen vor Ort besichtigt und mit Arbeitern spricht.

Vergeblich.

Katar steht seit der Vergabe der WM 2022 wegen der miserablen Arbeitsbedingungen von WM-Bauarbeitern in der Kritik. »Es ist davon auszugehen, dass auch beim Bau des Flughafens Hamad Airport Arbeitsmigranten beteiligt waren«, sagt ein Sprecher der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zum neuen Bayern-Sponsor. Amnesty hat in vier Berichten auf die Lage der WM-Arbeiter hingewiesen und sieht kleine Verbesserungen. Dennoch: »Wir würden es sehr begrüßen, wenn der Vorstand des FC Bayern die Situation der Arbeiter zur Sprache bringen würde. Wir sind gespannt.«

»Ein Trainingslager ist keine politische Äußerung«

Katar ist auch für die deutsche Regierung ein wichtiger Handelspartner, über die noch immer vorhandenen Menschenrechtsprobleme auf den WM-Baustellen schweigt man lieber. Oder darüber, dass israelischen Spielern wie 2013 Dan Mori von Vitesse Arnheim aus politischen Gründen die Einreise verboten wurde. Besonders wegen der erst vor kurzem aufgearbeiteten jüdischen Vergangenheit des Klubs ist das ein heikles Thema für den FC Bayern.

Karl-Heinz Rummenigge hat vor dem vergangenen Trainingslager ungelenk versucht, diese Problematik darzustellen: »Wir fahren in ein Land, in dem die Menschen teilweise eine andere Kultur als in Deutschland pflegen. Wir informieren uns. Aber ein Trainingslager ist keine politische Äußerung«, sagte er im Dezember. 

Viele waren schon damals entsetzt, wie leichtfertig der FC Bayern aber auch Borussia Dortmund in Dubai die Bedenken über die Auswahl des Winter-Trainingslagers beiseite wischten. Dass Sport unpolitisch sei, habe in der Alltagspraxis keine Gültigkeit, sagt der Sportethiker Elk Franke über das Katar-Engagement der »taz«. Wer dorthin ins Trainingslager fährt, trägt unmittelbar zu einem positiveren Image des Landes bei. Der grüne Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu legte gestern nach: »Der FC Bayern verpasst wieder einmal die Chance, ein Zeichen für Menschrechte zu setzen und tut das Gegenteil. Das ist beschämend und bedauerlich für einen der größten und reichsten Profiklubs Europas!«

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