Wie Arminia Bielefeld einmal beinahe Meister wurde

Spitzenreiter, hey, hey!

Als Drittligist ins Pokal-Halbfinale einziehen – der feuchte Traum jedes Fußballfans. Mit Arminia Bielefeld Meister werden – der totale Wahnsinn. Philipp Köster hat beides erlebt. Beinahe jedenfalls.

imago

Als der gewohnt akkurat frisierte Schiedsrichter Herbert Fandel am 11. August 2002 die Partie zwischen Arminia Bielefeld und Werder Bremen abpfiff, rissen wir auf Block 5 der Bielefelder Alm die Arme hoch. Ein 3:0-Heimsieg, damit war nicht unbedingt zu rechnen gewesen. Aber erst abends, beim Betrachten der Tabelle begriffen wir langsam, was da gerade passiert war.

Eine gefährliche Kettenreaktion

Mehrfach rückten wir unsere Lesebrillen zurecht und kniffen uns gegenseitig in die Arme. Arminia war Tabellenführer. Und das eben nicht in der zweiten Liga, wo so etwas für eine knotige Truppe wie die Arminia schon mal drin war, sondern in der Bundesliga, vor den Bayern und Dortmund und allen anderen.
 
Nun neigt der Ostwestfale normalerweise mangels Gelegenheit nicht zur Euphorie. Stattdessen entwirft er, schon um sich vor Enttäuschungen aller Art zu schützen, stets düstere Worst-Case-Szenarien, deren Eintreffen er mit dem fatalistischen Satz »Wusste ich's doch!« kommentiert. In diesem einen Falle jedoch löste die unerwartete Tabellensituation eine gefährliche Kettenreaktion aus.

Gipfeltreffen der beiden Giganten

Nachdem nämlich auch das erst am darauffolgenden Mittwoch nachgeholte Spiel zwischen 1860 München und Hansa Rostock keinen neuen Tabellenführer hervor gebracht hatte, machte sich in Bielefeld unvermittelt Hysterie breit. Gierig rissen wir morgens die Zeitungen aus den Kioskklemmen und lasen Berichte, in denen Arminia eine »beängstigende Frühform« bescheinigt wurde und die völlig unterschlugen, dass der 3:0-Sieg gegen eine offenbar mit Chloroform grundsedierte Bremer Truppe zustande gekommen war.
 
Beflügelt von den Medienberichten buchten wir Zugfahrkarten für nächste Auswärtsspiel nach München, denn das Schicksal hatte gleich für den zweiten Spieltag das Gipfeltreffen der beiden Giganten, Bayern und Bielefeld, vorgesehen. In diesen durchgeknallten »ranissimo«-Kategorien dachten wir jedenfalls in den Tagen vor dem Spiel. Zwei Mannschaften auf Augenhöhe, der Tabellenführer bei den Bayern, drei Punkte konnten da nur das Minimalziel sein.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!