Wie Ahlen am Wunder bastelt

Kampf und Kleingebäck

RW Ahlen war vor der Winterpause noch totgesagter als Hertha BSC. Doch während in Berlin die Euphorie nur noch T-Shirts zu zieren droht, geben neue Erfolge im Münsterland Anlass zur Hoffnung. Wird ein Märchen draus? Wie Ahlen am Wunder bastelt Auch wenn es einigen nicht recht ist: RW Ahlen ist noch nicht unter der Erde. Selbst die böse Provokation von 1860-Geschäftsführer Manfred Stoffers, der den Tabellenletzten im Vorfeld der Montags-Partie indirekt als »Kotzbrocken-Verein« verunglimpfte, hinderte RWA nicht daran, bei den Sechzigern den zweiten Dreier in Folge einzufahren. Auch nicht der Feuerzeugwurf gegen den unbezwingbaren Sascha Kirschstein oder die Empfehlung des Stadionsprechers, sich nicht vom Schlussmann provozieren zu lassen.

»Kotzbrocken-Verein«

Ahlen klotzt ran und erkennt die Umrisse der scheinbar endlos weit entfernten Nicht-Abstiegszone wieder etwas schärfer. Eine Mini-Serie ist gestartet. Ästhetik wird dabei klein geschrieben, Kampf ist das Schlagwort, das Coach Christian Hock seinen Spielern quasi auf die Stirn tätowiert hat.


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Kleine Brötchen statt T-Shirts

Während die Kollegen von Hertha BSC mit ihrer »Aufholjäger«-Kampagne oder Cottbus-Coach Pelé Wollitz (»Wir starten die größte Aufholjagd Europas«) das Glück erzwingen wollten, sich gedanklich schon am Saisonende unter der Sektdusche räkelten, hörte man aus Ahlen in der Winterpause kaum einen Mucks in diese Richtung. »Ich habe mir in meiner Karriere gemerkt, dass so was immer irgendwann zurück kommt. Ich backe lieber kleine Brötchen«, sagt Hock.

Zwar stellte sich die Tabellensituation für die Münsterländer ähnlich heikel dar wie für die »Alte Dame« aus Berlin – der Klassenerhalt schien nach mageren acht Punkten und noch magereren spielerischen Leistungen in der Hinrunde in etwa so wahrscheinlich wie die Ausstrahlung des »Literarischen Quartetts« auf RTL 2. Doch der stille Glaube an das große Ziel war da bei der grauen Maus der Zweiten Liga, nur eben ohne große Töne.

Tine Wittler im Münsterland

Und das Rezept mit den kleinen Brötchen scheint aufzugehen. So erstrahlt der Himmel an der Ahlener August-Kirchner-Straße derzeit geradezu rosarot. Zwei Siege am Stück, das gab’s in dieser Saison noch nicht. Wie auch? Schließlich war das 1:0 bei den Münchner Löwen erst der dritte Dreier überhaupt in der laufenden Spielzeit. Klar, Tabellenschlusslicht bleibt Ahlen weiterhin, doch die Formkurve zeigt nach oben – in der Rückrunden-Tabelle ist Ahlen der Liga Siebter. Und überhaupt: Irgendwas ist anders bei Rot-Weiss seit der Winterpause. In erster Linie fällt der Blick natürlich auf die personellen Veränderungen, »Kader-Korrekturen«, wie sie Hock nennt.

Eine glatte Untertreibung: Das Spielerlager wurde einer derart ausgiebigen Umgestaltungs-Aktion unterzogen, dass Tine Wittler ihre hellste Freude daran gehabt hätte. Acht Mann raus, acht Neue rein. Mitten drin im Geschehen: Hermann Gläsner, der nach dem Doppelrauswurf von Trainer Stefan Emmerling und Manager Stefan Grädler im Herbst bis Saisonende als Sportlicher Leiter unterschrieb und Hocks Spieler-Wünsche weitgehend wahr werden ließ. 

Neuzugänge trumpfen auf


Immerhin erweisen sich die Winter-Transfers als nicht ganz unwichtige Teilhaber am aktuellen Aufwärtstrend: Die zwei Tore, die zu den jüngsten Siegen gegen Oberhausen und in München führten, erzielten die Neuzugänge Momar N’Diaye (vom FC Metz) und Benjamin Kern (FC Augsburg).

Auch Julian Jenner (Vitesse Arnheim), seines Zeichens niederländischer U 21-Europameister von 2007, und Junior Ollé Ollé (SC Freiburg) spielten sich prompt in die Stamm-Elf und hauchten dem 2009 noch leblos anmutenden Ahlener Konstrukt neuen Esprit ein. »Aber auch die anderen Neuzugänge haben sich charakterlich super integriert und durch sie hat die Arbeit im Training deutlich an Qualität gewonnen. Es herrscht eine richtige Aufbruchsstimmung«, schwärmt Hock.

Kampfansage mal vorsichtig

Seine Neuen sind auch deshalb so heiß, weil sie in ihren vorherigen Klubs nur selten zum Einsatz kamen. Hock: »Jetzt sehen sie eine Chance, sich selbst zu helfen und sich somit für höhere Aufgaben zu empfehlen – oder mit RW Ahlen auch nächstes Jahr in der zweiten Liga zu spielen.« Aha, also doch eine vorsichtige Kampfansage. Eine solche hat der Jung-Trainer aus Aschaffenburg (übrigens auch die Geburtsstadt des Meistermachers Felix M.) auch für den kommenden Gegner, Arminia Bielefeld, parat. »Wir können am Wochenende auf den Relegationsplatz rutschen, haben momentan ein gewisses Selbstvertrauen und werden versuchen, auch gegen Bielefeld drei Punkte zu holen.« Ein weiterer Sieg, und das auch noch im westfälischen Duell mit den Arminen,  würde zumindest allen Anlass geben zu einer Kampagne à la »Aufholjäger«.  

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